Gottmadingen – Künftig werden abgestorbene Bäume wie ein Mahnmal im Gottmadinger Wald ragen. Dieses Vorgehen hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung bestärkt, nachdem Förster Peter Baumann über den aktuellen Zustand im Wald informiert hat. Und der Zustand ist denkbar schlecht, denn der Borkenkäfer hat es sich zu bequem gemacht und schadet einem Großteil der Fichten. „Es macht keinen Sinn, das Geld in den Wald zu tragen, um tote Bäume raus zu holen“, befand Bürgermeister Michael Klinger. Und der Förster warnte: „Es werden Baumleichen herumstehen.“ Was noch abgeholzt wird, könnte verstärkt zu Brennholz werden.

Auch Sägewerke haben Kurzarbeit angemeldet

Erst kam Sturm Sabine, dann blieb der Borkenkäfer: 2300 Festmeter Holz hätten die Forstarbeiter nach dem Sturm im Frühjahr aufgearbeitet, dazu kommen über 4000 Festmeter an Käferholz. Peter Baumann spricht von Käferholz, wenn er die vom Borkenkäfer zerfressenen Bäume meint. Besonders Fichten stehen auf dem Speiseplan des Tiers, ein Großteil der Fichten im Gottmadinger Wald ist laut dem Förster befallen. Holz mit lebendigen Käfern müssen sie holen, erklärte Peter Baumann. Doch Holz ohne die Insekten soll künftig stehen bleiben.

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Die Ernte ist teurer als der Ertrag: Es drohen 25 Euro Minus pro Festmeter

Das schont den gebeutelten Geldbeutel der Gemeinde: 30 Euro pro Festmeter müsse man für die Aufarbeitung eines Baums rechnen, sagte Baumann. Fünf Euro würde zwar das Land dazu geben, doch dann bleiben immer noch 25 Euro Minus pro Festmeter. Sägewerke hätten wegen des Coronavirus wie viele andere Betriebe auch Kurzarbeit angemeldet, außerdem seien die Verträge zur Holzabnahme bereits mit dem Sturmholz ausgereizt.

Weniger Laubbäume und mehr Fichten als Brennholz

In Privatwäldern würde Käferholz inzwischen auch als Brennholz verkauft, schilderte der Förster, das sei auch für Gottmadingen denkbar: Vielleicht werde man nächstes Jahr das Laubbrennholz um Fichte ergänzen. Das Schlagen von Laubholz solle dafür reduziert werden. Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung damit, eine entsprechende Preispolitik zu erarbeiten.

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Eindrückliche Mahnung für den Klimawandel

Die Gemeinderäte störten sich nicht an dem drohenden Szenario – im Gegenteil. „Damit bekommt der Klimawandel ein Gesicht“, sagte Martin Sauter (Freie Wähler). Denn der Borkenkäfer fühlt sich besonders wohl, wenn es warm und trocken ist. „Wenn es nicht nässer wird, wird die Fichte auf Dauer keine Chance haben“, sagte Bürgermeister Klinger. So sei das viel eindrücklicher, befand auch Bernhard Gassner (SPD).

Auf Nachfrage von Walter Beyl (Freie Wähler) erklärte Michael Klinger, dass diese Vorgehensweise bis auf Weiteres gelten soll. „Die Bäume bleiben erstmal stehen, bis sie umfallen. Das ist die bittere Wahrheit.“ Wo durch umfallende Bäume Gefahr drohe, würden diese entsprechend der Verkehrssicherungspflicht natürlich gefällt.

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