„Es wird knapp, äußerst knapp, aber wir schaffen es punktgenau“, sagt Alexander Kopp. Er hat sich in den vergangenen Jahren neben vielen anderen Aufgaben im Gottmadinger Bauamt um den Bau der neuen Eichendorff-Realschule gekümmert. Für ihn ist das Jahrhundertprojekt der Gemeinde auch die größte und spannendste Aufgabe seines beruflichen Lebens in der Verwaltung. „Wann darf man schon mal so einen Neubau betreuen?“, gibt er zu bedenken.

Da strahlt er: Alexander Kopp kennt jeden Winkel der Schule.
Da strahlt er: Alexander Kopp kennt jeden Winkel der Schule. | Bild: Trautmann, Gudrun

Alexander Kopp kennt aber nicht nur fast jede Schraube in dem neuen Schulhaus, sondern auch jeden Winkel in der alten Schule. Und das ist auch nötig, denn es musste genau abgewogen werden, welche Tische, Stühle, Schränke mit umziehen sollen und was nicht mehr gebraucht wird.

Veit Lehnert von der Firma Jüngling pendelt mit dem Umzugs-LKW zwischen der alten und der neuen Schule. Tische, Stühle, Schränke transportiert er mit seinen Kollegen. Bild: Gudrun Trautmann
Veit Lehnert von der Firma Jüngling pendelt mit dem Umzugs-LKW zwischen der alten und der neuen Schule. Tische, Stühle, Schränke transportiert er mit seinen Kollegen. Bild: Gudrun Trautmann | Bild: Trautmann, Gudrun

Ein Umzug ist immer auch eine gute Gelegenheit, um reinen Tisch zu machen und zu entrümpeln. Jeder Privatmensch kennt das: Wo Platz ist, sammeln sich auch Gegenstände an, die eigentlich im Haushalt nichts mehr zu suchen haben. So ist es auch in einer Schule. Auf den langen dunklen Fluren stehen Kisten mit Müll. Seit ein paar Tagen sind die Möbelpacker der Firma Jüngling im Haus.

Im Konferenzraum der Lehrer ist das Mobiliar aus der alten Schule angekommen.
Im Konferenzraum der Lehrer ist das Mobiliar aus der alten Schule angekommen. | Bild: Trautmann, Gudrun

Arbeitstische der Schüler sind eng zusammengeschoben und markiert. Sie werden gerade auf die LKW der Umzugsfirma verladen. Die Stühle und Tische aus Lehrerzimmer und Sekretariat haben den Umzug schon hinter sich.

Mit Schaufel und Besen betritt Schulsekretärin Dagmar Menzel ihr neues Büro.
Mit Schaufel und Besen betritt Schulsekretärin Dagmar Menzel ihr neues Büro. | Bild: Trautmann, Gudrun

Sekretärin Dagmar Menzel kommt mit Schaufel und Besen um die Ecke. Ihr strahlendes Lachen zeigt die Freude über ihren neuen Arbeitsplatz in dem hellen Büro. Dafür lohnt sich die Mühen des Umzugs. Eine zusätzliche Belastung ist dieser Umzug für alle: Lehrer, Verwaltungsangestellte, Hausmeister und die Schulleitung.

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Die Besonderheit dieses Umzugs ist das extrem enge Zeitfenster. Punktgenau zum Schulbeginn am 13. September soll der Unterricht beginnen. An vielen Stellen wird noch nachjustiert werden müssen, aber für den Start reicht es. Alexander Kopp ist froh, dass die Schule überhaupt pünktlich öffnen kann. Das ist nicht selbstverständlich angesichts allgemeiner Lieferengpässe. Den zeitlichen Vorsprung nach dem Rohbau konnten die Handwerker nicht halten. Zwar kam die Baustelle durch die Corona-Pandemie nie ganz zum erliegen wie zum Beispiel das Cano in Singen; es gab aber Firmen, die nur mit der halben Mannschaft antreten konnten. Zuletzt sorgten auch hier Lieferengpässe für Verzögerungen. Dass es trotzdem zur Eröffnung reicht, erfüllt alle mit Freude.

Schulleiterin Cosima Breitkopf und Konrektor Florian Riedmann müssen sich mit einem kleinen Arbeitsplatz bei der Erstellung der Stundenpläne behelfen. Die Mühe nehmen sie gerne in Kauf. Bild: Gudrun Trautmann
Schulleiterin Cosima Breitkopf und Konrektor Florian Riedmann müssen sich mit einem kleinen Arbeitsplatz bei der Erstellung der Stundenpläne behelfen. Die Mühe nehmen sie gerne in Kauf. Bild: Gudrun Trautmann | Bild: Trautmann, Gudrun

„Da ist es zu verschmerzen, dass wir unsere Stunden- und Terminpläne jetzt am Katzentisch erstellen müssen“, sagt Schulleiterin Cosima Breitkopf. Zusammen mit ihrem Kollegen, Konrektor Florian Riedmann, sitzt sie an einem schmalen Tisch im alten Gebäude und bearbeitet an zwei Computerbildschirmen Tabellen. Dass sie noch nicht in der neuen Schule arbeiten können, obwohl auch das Direktionsbüro schon eingerichtet ist, liegt an der noch fehlenden Internetverbindung.

Im Vergleich zur neuen Schule wirkt die alte düster. Hier wird noch ausgeräumt.
Im Vergleich zur neuen Schule wirkt die alte düster. Hier wird noch ausgeräumt. | Bild: Trautmann, Gudrun

Aber dem Wissen über die strahlende Zukunft kann man auch die Tristesse im düsteren Altbau überstehen. Für die Kollegen und die Arbeiter der Umzugsfirma hat Cosima Breitkopf Kuchen gebacken. Am Dienstag sollen alle Möbel und Comupter im neuen Gebäude an Ort und Stelle sein. Veit Lehnert von der Umzugsfirma Jüngling gibt sich gelassen, weil die Mannschaft noch verstärkt wird.

Hausmeister Bruno Lederer hat in diesen Tagen noch viel zu koordinieren.
Hausmeister Bruno Lederer hat in diesen Tagen noch viel zu koordinieren. | Bild: Trautmann, Gudrun

Für Hausmeister Bruno Lederer ist in diesen Tagen das Mobiltelefon das wichtigste Arbeitsmittel. Der Mann ist überall im Haus gefragt, muss hier schauen und dort helfen. Noch sind die Handwerker auf allen Etagen am Werk. Die großen Flachbildschirme stehen schon in den Klassenzimmern, müssen aber noch angebracht werden.

Der Eingangsbereich mit Mensa ist bis auf einen letzten Anstrich schon fertig.
Der Eingangsbereich mit Mensa ist bis auf einen letzten Anstrich schon fertig. | Bild: Trautmann, Gudrun

Die Maler erledigen den letzten Anstrich im Foyer und Mensa-Bereich. Lederer muss auch die Heizungs- und Lüftungstechnik beherrschen, denn zum Start muss er die Anlage noch händisch bedienen. „Die Gebäudeleittechnik ist noch nicht fertig“, sagt er. „Die Firma hat zur Zeit keine Leute, die das programmieren können.“

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Trotzdem freut sich Lederer auf die Inbetriebnahme des Schulhauses „wie auf ein neues Auto“. Seit 1997 ist er Hausmeister in der Eichendorff-Realschule. „Ich wünsche mir ein Klientel, das achtsam mit dem wunderschönen Gebäude umgeht“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Das ist das neue Lehrerzimmer. Jede Lehrkraft hat einen eigenen Arbeitsplatz.
Das ist das neue Lehrerzimmer. Jede Lehrkraft hat einen eigenen Arbeitsplatz. | Bild: Trautmann, Gudrun

In der Übergangszeit wird es auch noch keinen Mensabetrieb geben. „Wir suchen seit etwa einem Jahr einen Pächter für die Mensa“, bedauert Alexander Kopp. „Leider noch immer erfolglos.“ In der ersten Woche nach den Sommerferien ist das noch kein Problem, weil gar kein Nachmittagsunterricht stattfindet.

Edle Sitzbänke und Tische aus Eichenholz wurden für die Lernlandschaften angefertigt. Sie warten hier in einem Klassenzimmer auf ihren Einsatz. Bild: Gudrun Trautmann
Edle Sitzbänke und Tische aus Eichenholz wurden für die Lernlandschaften angefertigt. Sie warten hier in einem Klassenzimmer auf ihren Einsatz. Bild: Gudrun Trautmann | Bild: Trautmann, Gudrun

„Danach werden zur Not Brote geschmiert“, sagt Cosima Breitkopf. Auch die Schulküche geht noch nicht in Betrieb, weil die Küchenbauer Lieferschwierigkeiten haben. Zum Kochunterricht werden die Schüler in die alte Schule wandern müssen.