Hausnummer „Zum Katzental 2“ – ein altehrwürdiges Gebäude der besonderen Art. Nein, kein Haus, das in die Jahre gekommen ist. Vielmehr handelt es sich um ein in großen Teilen morsches, mächtiges Holzkonstrukt, auf dem sich schon viele Tausende Menschen seit 1935 getummelt haben. Sie jubelten, umarmten sich, schimpften und pöbelten mitunter. Die Zuschauer-Tribüne auf dem Katzental gilt als eine der ältesten noch erhaltenen in Süddeutschland. Sie hat Geschichte geschrieben und soll sie weiter fortsetzen. Hochklassige Fußballspiele des FC 08 Gottmadingen lockten die Fans in Scharen, wie früher in der Schwarzwald-Bodenseeliga oder 1. Amateurliga. Oder bei den Partien der Deutschen Amateur-Meisterschaften 1971, als die zweite Garnitur des VfB Stuttgart die Gottmadinger Kicker erst im Halbfinale ausschalteten. Unvergesslich auch die Lokalderbys gegen den FC Singen 04, die bis zu 5000 Zuschauer lockten.

Ein Bild fast wie in längst vergangenen Tagen. Beim Pokalderby SC Gottmadingen-Bietingen gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen im vergangenen Jahr gab es volle Ränge auf der altehrwürdigen Katzental-Tribüne und dichten Publikumsandrang davor.
Ein Bild fast wie in längst vergangenen Tagen. Beim Pokalderby SC Gottmadingen-Bietingen gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen im vergangenen Jahr gab es volle Ränge auf der altehrwürdigen Katzental-Tribüne und dichten Publikumsandrang davor. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Nun nagt aber an der Holztribüne, die knapp 600 Zuschauer fasst, der Zahn der Zeit. Auch Wind und Wetter sowie allerhand kleines Getier sorgen dafür, dass Dach, Wände und Sitzbänke baufällig geworden sind. „Die Sicherheit ist nicht mehr gewährleistet“, sagt Christian Schopper, Vorsitzender des SC Gottmadingen-Bietingen. „Sturmtief Sabine hatte im Februar der Holztribüne stark zugesetzt. Die Hälfte des Daches wurde derart beschädigt, dass es einer dringenden Reparatur bedurfte“, verrät Sebastian Müllerschön, Schoppers Vize.

Sanierung dringend nötig

„Wir hatten ohnehin vor, die morschen Seiten- und Frontwände zu erneuern. Auch alteingesessene Vereinsmitglieder haben uns dazu ermuntert, die marode Tribüne zu sanieren“, schildert Müllerschön. Für die Reparatur der beschädigten Dachhälfte sei die Versicherung der Gemeinde als Eigentümer der Sportanlage Katzental aufgekommen. „Wir stellten aber schnell fest, dass auch das restliche Dach zwingend repariert und die faulen Balken der Unterkonstruktion erneuert werden mussten. Dies haben uns auch die von der Gemeinde beauftragten Schreiner Klaus und Philipp Thiel geraten“, so Müllerschön.

Video: SC Gottmadingen-Bietingen

„Somit begann der Renovierungsprozess der altehrwürdigen Holztribüne“, sagt Christian Schopper. „Die Maßnahme war auch zwingend nötig, um die Sicherheit der Kinder, Spieler und Zuschauer nicht zu gefährden“, betont Schopper. „Da der Spielbetrieb wegen Corona mindestens bis Mitte August ohnehin ruhte, haben wir beschlossen, auch das Innere der Tribüne neu zu gestalten“, erklärt er. Nun galt es aber für den Verein, die 30.000 Euro teure Renovierung finanziell zu bewältigen.

18.000 Euro Spenden

„Ein Spenden-Aufruf an unsere Sponsoren und Vereinsmitglieder brachte einen tollen Erfolg. Wir haben um die 18.000 Euro an Spenden zusammen. Zudem hat uns die Gemeinde einen Zuschuss von 3000 Euro aus der Vereinsförderung signalisiert. Den restlichen Betrag versuchen wir über Eigenleistungen von insgesamt gut 600 Stunden ehrenamtlicher Arbeit und die Vereinskasse zu bewältigen. Weitere Spenden würden die Summe verringern“, sagt Schopper. Der gesamte Vorstand und ein paar weitere Helfern packen seit einigen Wochen kräftig mit an, um die Tribüne zu restaurieren.

Auch die Sitzbänke werden erneuert.
Auch die Sitzbänke werden erneuert. | Bild: Verein

„Für uns als Vorstandschaft war es auch wichtig, ein Stück Gottmadinger Kulturgut zu erhalten. Beim Bau haben, unter anderem, Beschäftigte der früheren Landmaschinenfabrik Fahr mitgeholfen. Das Erscheinungsbild sollte so gut wie möglich erhalten werden. So verzichten wir darauf, die Wände als lukrative Werbeplätze zu vermarkten“, sagt Schopper. Das Vorstandsteam freut sich, dass auch die jungen Spieler der Aktivmannschaften mit anpacken, etwa beim Bemalen des Kassenhäuschens. „Spieler, wie aus unserer ersten Mannschaft, sehen die Arbeit der Vorstandschaft. Dies motiviert sie, auch mitzumachen und schweißt uns als Verein zusammen“, sagt Schopper. Er sei stolz darauf, dass von den Aktiven fast alle aus dem eigenen Nachwuchs kommen.

Der Sportplatz im Katzental lockte auch 1950 tausende Menschen zu den Fußballspielen des damaligen FC 08 Gottmadingen. Sie standen dichtgedrängt am Spielfeldrand und saßen auf der vollen Tribüne.
Der Sportplatz im Katzental lockte auch 1950 tausende Menschen zu den Fußballspielen des damaligen FC 08 Gottmadingen. Sie standen dichtgedrängt am Spielfeldrand und saßen auf der vollen Tribüne. | Bild: Gemeinde

„Die Jugendarbeit trägt Früchte. Unser Konzept, das wir schon jahrelang umsetzen, passt“, betont Schopper. Der Verein hofft auf einen weiteren Zuschuss aus der Anneliese-Bilger-Stiftung. „Wir haben einen Antrag gestellt. Bei der Sanierung handelt es sich um ein geschichtsträchtiges Gebäude. Und wir engagieren uns bei der sportlichen Ausbildung von Kindern und Jugendlichen. Das entspricht den Vorgaben der Stiftung“, sagt Sebastian Müllerschön.

So morsch und faul war teilweise das Holz der Katzental-Tribüne, das nun im großen Umfang ersetzt wird.
So morsch und faul war teilweise das Holz der Katzental-Tribüne, das nun im großen Umfang ersetzt wird. | Bild: Verein

„Wir sichern uns mit der Sanierung auch unsere Nachwuchsarbeit. Nur wenn wir den Kindern und Jugendlichen neben der sportlichen und pädagogischen Arbeit auch ein gepflegtes Sportgelände bieten, werden wir mittel- und langfristig erfolgreiche Vereinsarbeit leisten können“, ist Christian Schopper überzeugt.

Der 92-jährige Erhard Winkler fährt täglich mit seinem Fahrrad durch Gottmadingen und Umgebung. Mit im Gepäck hat er als früherer Kicker die ganz persönlichen Erinnerungen an den FC 08 Gottmadingen, die Holztribüne im Katzental und rauschende Fußballfeste. Dies bewahrt er auch in vielen Dokumenten und alten Bildern auf. Sogar Nikolaus-Sprüchlein zu den Spielern Ende der 50-er Jahre enthalten die Schriftstücke.

„Wir waren eine verschworene Gemeinschaft. Die Fußballspiele auf dem Katzental gehörten zu den Höhepunkten im Gemeindeleben. Es war der große Treffpunkt der Gottmadinger und auswärtigen Zuschauer“, schildert Winkler. Manche hitzige Atmosphäre rund um das Spielfeld und auf der Tribüne habe er erlebt.

„Die Hilfsbereitschaft, wie von Mitarbeitern der Bilger-Brauerei oder der Firma Fahr, war groß, wenn es um Arbeiten auf dem Sportgelände ging“, verrät Winkler. Legendär nannte er auch die Hocks der Spieler nach dem wöchentlichen Training in der früheren Friedenslinde.