Sie sind die geheimen Helden der Corona-Krise: die ehrenamtlichen Helfer. Seit Wochen und Monaten haben sie den Kampf gegen das Virus aufgenommen. Der SÜDKURIER hat mit ihnen gesprochen. Und aus den Gesprächen wird klar: In Singen und dem Hegau wird Solidarität groß geschrieben. Oder wie Hilzingens Bürgermeister Holger Mayer es formuliert: „Ohne die vielen Helfer wäre es kaum möglich, den Betrieb in den Testzentren in diesem Umfang aufrecht zu erhalten. Wahnsinn, was diese Menschen leisten.“

Testen anstatt Wachdienst

Thomas Fischer ist einer der vielen ehrenamtlichen Helfer im Hegau. Testen ist normalerweise nicht seine Paradedisziplin. Er fühlt sich im Wasser eigentlich wohler – auf der Schnellschwimmerbahn im Gottmadinger Höhenfreibad. Denn Thomas Fischer rettet im Ernstfall Menschen vor dem Ertrinken. Aber in Corona-Zeiten ist nichts normal. Jetzt unterstützt er mit seinen DLRG-Kollegen das Testzentrum in der Fahr-Kantine in Gottmadingen.

Am Wochenende startet es die große Testaktion des Landkreises. Auch in der Gottmadinger Fahr-Kantine wird dann getestet. Bürgermeister Michael Klinger und Christof Ruh (DLRG) haben dafür schon einmal die Tische gerichtet.
Am Wochenende startet es die große Testaktion des Landkreises. Auch in der Gottmadinger Fahr-Kantine wird dann getestet. Bürgermeister Michael Klinger und Christof Ruh (DLRG) haben dafür schon einmal die Tische gerichtet. | Bild: Tesche, Sabine

Auch Christof Ruh, Vorsitzender der DLRG Gottmadingen, hat schon geholfen. Für ihn eine Selbstverständlichkeit: „Wir wollen einfach unseren Teil dazu beitragen, die Pandemie zu bekämpfen.“ Insgesamt habe er zwischen 75 und 80 Tests durchgeführt. „Alle waren negativ“, so Ruh weiter. Ein mulmiges Gefühl sei dennoch dabei. „Ich weiß ja im Vorfeld nicht, ob die andere Person das Virus hat“, sagt Ruh. Zusätzlich zu den medizinischen Vorkenntnissen der DLRG-Mitglieder, wurden die Freiwilligen im Vorfeld von DRK-Mitarbeiter für die Aktion geschult.

Das könnte Sie auch interessieren

Bürgermeister Michael Klinger weiß, was die Ehrenamtlichen zur Bekämpfung der Pandemie leisten. In Gottmadingen würden schon seit Wochen kommunale Testzentren betrieben: Unter der Woche in der Marien-Apotheke und am Wochenende in der Fahr-Kantine. „Während die Testzentren unter der Woche mit Personal der Apotheke und der Hausarztpraxis Dr. Wilms betrieben werden, funktioniert das Testzentrum in der Fahr-Kantine einzig und alleine über die großartige Unterstützung von Hilfsorganisationen und Ehrenamtlichen“, betont Klinger.

Sind ebenfalls im Einsatz, die freiwilligen Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Gottmadingen (von links): Armin Hahn und Markus Romer (DRK) sowie IHK-Präsident Thomas Conrady.
Sind ebenfalls im Einsatz, die freiwilligen Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Gottmadingen (von links): Armin Hahn und Markus Romer (DRK) sowie IHK-Präsident Thomas Conrady. | Bild: Tesche, Sabine

Im Einsatz seien hoch motivierte Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes, der DLRG, der Rettungshundestaffel und der Freiwilligen Feuerwehr. „Für das tolle Engagement, vor allem auch für das Miteinander zwischen den Vereinen, bin ich sehr dankbar“, sagt Klinger. Vor allem auch das bevorstehende Testwochenende des Landkreises (siehe Kasten) sei ohne die Mithilfe der Vereine nicht vorstellbar. „In Gottmadingen habe ich die Vereine angeschrieben und um Mithilfe gebeten, mit einer fantastischen Resonanz. Wir haben deutlich mehr motivierte Helferinnen und Helfer, wie wir für die Einteilung der vier Schichten am Samstag und am Sonntag benötigen“, so Klinger.

Zurück zur Normalität

Für Benjamin Mors, Bürgermeister von Steißlingen, sind die vielen Helfer im Testzentrum in der Seeblickhalle Helden der Pandemie. Seit vier Wochen ist das Testzentrum in Betrieb, über 1150 Personen wurden getestet. Ein Rekord fand in der vergangenen Woche statt: 250 Menschen ließen sich an einem Abend testen. „Ich bin wirklich stolz, was wir in Steißlingen für einen Zusammenhalt haben. Wir haben hoch engagierte Kräfte, das ist eine tolle Truppe“, sagt Mors.

Alexandra Fehringer und Fritz Grüninger sind im Testzentrum in der Steißlinger Seeblickhalle ein eingespieltes Team.
Alexandra Fehringer und Fritz Grüninger sind im Testzentrum in der Steißlinger Seeblickhalle ein eingespieltes Team. | Bild: Matthias Güntert

Zwei von ihnen sind Alexandra Fehringer und Fritz Grüninger. Während Fehringer als Freiwillige bei der Verwaltung hilft, kümmert sich Grüninger als ehemaliger Hausarzt im Ruhestand um die Tests selbst. Beide geben sich auf die Frage, weshalb sie sich engagieren, bescheiden. „Ich halte die Tests einfach für sinnvoll“, sagt Grüninger. Er wolle in schweren Zeiten mit seinem medizinischen Wissen helfen. Dann dreht er sich um und kümmert sich um die nächste Testperson.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch für Alexandra Fehringer ist die Hilfe selbstverständlich. „Wir wollen doch alle zurück zur Normalität, deshalb bringe ich mich ein. In Steißlingen halten wir zusammen“, sagt sie. Angst vor einer Ansteckung verspüre sie nicht. Die Gemeinde würde für genügend Schutzmaßnahmen sorgen. „Ich bin eigentlich total entspannt“, sagt sie. Fehringer selbst habe von den Testpersonen nur positive Rückmeldungen erhalten. „Eigentlich sind alle total dankbar“, sagt sie. Laut Bürgermeister Mors seien pro Schicht neun Ehrenamtliche im Einsatz. „Die Helfer haben alle einen Arbeitstag hinter sich und leisten danach eine immens wichtige Arbeit, damit wir das Virus besiegen. Davor kann man nur den Hut ziehen.“ Die Gemeinde hätte dieses Programm alleine nicht stemmen können.

Wenn Mut gefragt ist

Caritas-Vorstand Wolfgang Heintschel weiß, welche Auswirkungen vor allem die britische Corona-Variante haben kann. Über Wochen hinweg waren zwei Caritas-Häuser in Quarantäne. Tests und Impfungen müssten deshalb an erster Stelle stehen, sagt er. Auch die Caritas könne dafür neben dem eigenen Personal auf viele ehrenamtliche Helfer wie etwa die Malteser oder die Johanniter bauen. „Ohne die Helfer wären vor allem die großen Testaktionen nicht zu stemmen gewesen“, sagt Heintschel.

Jessica aus der Klasse 5c der Peter-Thumb-Schule in Hilzingen wird vor dem Test von Julia Streidl vom DRK aufgeklärt.
Jessica aus der Klasse 5c der Peter-Thumb-Schule in Hilzingen wird vor dem Test von Julia Streidl vom DRK aufgeklärt. | Bild: Matthias Güntert

Ein wichtiger Aspekt würde laut Heintschel dabei gerne außer Acht gelassen: „Wenn unsere Pflegepersonal die Test durchführen müsste, würden sie uns in der Pflege fehlen.“ Der Pflegeaufwand sei seit Ausbruch der Pandemie erheblich gestiegen. Bei ihrem Einsatz würden die freiwilligen Helfer auch ein höheres Risiko für sich selbst in Kauf nehmen. „Dazu gehört Mut“, betont Heintschel.

In Singen arbeiten Freiwillige und Hilfsorganisationen Hand in Hand

Laut Bürgermeisterin Ute Seifried setze die Stadt Singen bei den Testzentren nicht nur auf freiwillige Helfer, sondern auch auf Kräfte der Singener Hilfsorganisationen. So würde die Stadt beim Betrieb der Testzentren vom DRK, den Malteser und Jden Johanniter unterstützt. „Dafür zahlen wir den Stundensatz, den die Hilfsorganisationen für eine medizinische Fachkraft beziehungsweise eine Hilfskraft ansetzen dürfen“, betont Seifried.

Das könnte Sie auch interessieren

Anders wäre dies auch nicht zu bewerkstelligen: „Wir haben Testzentren über die gesamte Stadt verteilt, testen an fast allen Wochentagen und lassen auch den Testbus fahren, das wäre mit Ehrenamtlichen über einen so langen Zeitraum nicht zu bewältigen“, so Singens Bürgermeisterin. An den nun anstehenden Testtagen am kommenden Wochenende werden in Singen zahlreiche ehrenamtliche Kräfte im Einsatz sein. „Dann werden über die drei Tage hinweg sowohl 50 hauptamtliche Kräfte als auch 130 ehrenamtliche Kräfte im Einsatz sein“, so Seifried weiter.

Testmöglichkeiten in allen Städten und Gemeinden

Der Landkreis Konstanz weitet seine Teststrategie aus und bietet dafür von Freitag, 23. April, bis Sonntag, 25. April, drei Testtage an verschiedenen Standorten an. Dabei können sich alle Bewohner kostenlos auf Corona testen lassen. Auftakt des Testwochenendes ist der Unternehmertag am Freitag. Dieser Tag richtet sich in erster Linie an Unternehmen, aber auch an Schulen und Kindergärten.

  • Bürgermeister rufen zum Testen auf: Laut dem Gottmadinger Bürgermeister Michael Klinger hätten Kommunen und Landkreis diese Testaktion gemeinsam gestartet. „Die Initiative ging von den Gemeinden aus. Ich halte es für sehr wichtig, dass möglichst viele Bürger die Testmöglichkeit wahrnehmen“, sagt er. So könnten Infektionen hoffentlich früher erkannt und Infektionsketten unterbrochen werden. „Neben dem Impfen, was für mich der zentralste Punkt ist, können regelmäßige Tests ein weiterer Baustein sein, um aus dieser Pandemie herauszukommen“, so Klinger weiter.

Auch Singens Bürgermeisterin Ute Seifried ist von den landkreisweiten Testtagen überzeugt. „Nur wenn wir feststellen können, wer infiziert ist, auch wenn er keine Symptome hat, können wir die Infektionsketten durchbrechen.“ Sie wisse, dass viele Menschen denken würden, dass man mit den Tests nur die Zahlen nach oben treibe. „Aber die Infektionen sind ja da und verbreiten sich immer weiter. Nicht zu testen, wäre sich zu verhalten wie ein kleines Kind, dass sich die Augen zuhält und sagt: Du siehst mich nicht“, betont Seifried.

  • Hier kann getestet werden:

Aach: Die Testtage finden jeweils von 8 bis 18 Uhr in der Sporthalle in Aach statt. Anmeldung: (0 77 74) 93 09 21.

Büsingen und Gailingen: Die Gemeinden Büsingen und Gailingen führen die Testtage gemeinsam durch. Am Samstag, 24. April, in der Hochrheinhalle Gailingen (Anmeldung: (0 77 34) 93 03 15) und am Sonntag, 25. April, jeweils von 9 bis 17 Uhr in der Büsinger Exklavenhalle. Anmeldung: (0 77 34) 93 02 30.

Engen: Am Samstag und Sonntag sind die sechs Teststrecken in der neuen Stadthalle von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Am Unternehmertag am Freitag ist eine Testung in den Testzentren möglich. Terminvergabe: www.schnelltest-engen.de

Gottmadingen: Das Testzentrum in Gottmadingen hat an beiden Tagen von 8 bis 18 Uhr in der Eichendorff-Halle und bei großem Bedarf auch in der Hebelhalle geöffnet. Anmeldung: www.gottmadingen.de

Hilzingen: An beiden Tagen wird das Testzentrum in der Hegau-Halle von 9 bis 16 Uhr betrieben. Anmeldung: www.hilzingen.de, schnelltest@hilzingen.de, (0 77 31) 38 09 75.

Mühlhausen-Ehingen: Die Testung wird am Samstag, 24. April von 9 bis 13 Uhr angeboten. Bei großem Interesse plant die Gemeinde, weitere Testungen am Samstag von 13.30 bis 18 Uhr sowie bei Bedarf am Sonntag zu gleichen Zeiten anzubieten. Anmeldung: (0 77 33) 50 05 24.

Rielasingen-Worblingen: Am Wochenende vom 24. bis 25. April sind die Bürger aufgerufen, sich in zwei Testzentren (Hardberghalle Worblingen und Talwiesenhallen Rielasingen) auf das Coronavirus testen zu lassen. Anmeldung: www.rielasingen-worblingen.de

Singen: Mehrere Testzentren können die Bürger in Singen von Freitag bis Sonntag nutzen. Informationen gibt es unter www.singen.de

Steißlingen und Volkertshausen: Gemeinde Steißlingen und Volkertshausen veranstalten ein gemeinsames Coronatest-Wochenende vom 23. bis 25. April. Das Steißlinger Testzentrum in der Seeblickhalle wird am Samstag von 13 bis 17 Uhr und am Sonntag von 9 bis 13 Uhr geöffnet sein.

Tengen: Am Samstag wird in der Randenhalle von 10 bis 18 Uhr ein Testzentrum eingerichtet. Anmeldung: stadt@tengen.de, (0 77 36) 92 45 68 5 oder (0 77 36) 92 33 22 .

  • Eine Übersicht über Schnelltest-Angebote in der Region auf: www.sk.de/10758689