Sven Bauer ist derzeit bei den Handballern des TuS Steißlingen ein sehr gefragter Mann. Seit diesem Jahr ist er für die Heimspieltage im Mindlestal bei den Hegauer Handballer verantwortlich und Corona hat ihn zum wohl wichtigsten und sicherlich beschäftigsten Mitglied beim Turn und Sportverein gemacht. Sein Fazit nach dem ersten Heimspieltag in der neuen Oberliga Baden-Württemberg Saison fällt positiv aus. „Wir sind sehr froh, dass beinahe alles reibungslos funktioniert hat“, sagt er im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Und dennoch macht Bauer auch deutlich, dass die Corona-Verordnungen die Vereine in der Region an die Grenzen des Leistbaren bringen.

Wieder zurück auf 100 Zuschauer

Seit Juli arbeitet Sven Bauer mit einer ganzen Schar ehrenamtlicher Helfer beim TuS an einem Hygienekonzept. Dabei stand eines allerdings nie zur Debatte: „Oberste Priorität bei allen wirtschaftlichen und sportlichen Gedankenspielen hatte die Gesundheit unserer Sportler, Vereinsmitglieder und Zuschauer“, betont Bauer. Die Arbeit dies alles zu stemmen, sei für die Mitglieder ein immenser Mehraufwand. „Aber wir wollen nicht jammern. Dies betrifft alle Vereine im Breitensport“, so Bauer weiter. Die zulässige Zuschaueranzahl im Mindlestal wurde von knapp 600 auf 150 minimiert.

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Am Montag hat die Landesregierung die Besucherzahl bei kulturellen Veranstaltungen auf maximal 100 begrenzt. Sportarten sind davon vorerst ausgenommen, wie eine Sprecherin des Kultusministeriums Baden-Württemberg auf SÜDKURIER-Nachfrage bestätigte. Beim TuS setzt man deswegen weiterhin auf Kreativität: So gibt es seit dieser Saison beinahe ausschließlich Dauerkarten für die Heimspiele zu kaufen. Dadurch konnte die Aufnahme der Kontaktdaten erheblich verkürzt werden, da beim Betreten der Halle nur noch die Dauerkartennummer genannt werden muss.

Hallensport ohne Zuschauer? Nicht vorstellbar:

Sven Bauer sieht den weiteren Spielen ohnehin mit gemischten Gefühlen entgegen: „Wir schauen jetzt von Tag zu Tag, aber ich bin nicht sonderlich optimistisch“, gibt er zu. Am Konzept wolle man bei den Steißlinger Handballern erst einmal festhalten: Spieler und Zuschauer werden streng getrennt. „Abgetrennte Bereiche verhindern hier den direkten Kontakt zwischen Fans und Spielern“, so Bauer.

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„Wir haben diese Möglichkeit Gott sei Dank, aber es gibt kleinere Vereine, die nicht über solch großen Sporthallen verfügen“, ergänzt er. Trotz aller Maßnahmen erklärte er, dass es den Verantwortlichen im Verein ein Anliegen gewesen sei, den Spielern trotz aller Vorschriften einen passende Plattform zu bieten, um vor Zuschauern Handball zu spielen. „Handball ohne Zuschauer ist einfach nicht vorstellbar“, sagt Bauer.

Und dennoch geht Stimmung verloren

Für Sven Bauer hat das erste Heimspiel unter Corona-Bedingungen eine Erkenntnis gebracht: „Handballspielen ist möglich, auch mit Zuschauern.“ Aber durch die Tatsache, dass die Kapazität beinahe um 75 Prozent gekürzt wurde, geht auch ein Stück weit Atmosphäre verloren. „Die Reduzierung der Zuschauern nimmt uns teilweise die Emotionen und davon lebt jeder Hallensport„, sagt Bauer. Handball sei in Steißlingen am Samstag eine der Hauptveranstaltungen. „Das wollten wir unseren Zuschauern nicht nehmen“, betont Sven Bauer.

Einschnitte vor allem bei den Kleinsten

Mit Blick auf den ersten Heimspieltag wurmt Sven Bauer eine Tatsache erheblich: „Das Rumtoben der Kinder in der Halbzeitpausen oder am Sonntagnachmittag fehlt und schmerzt uns besonders.“ Aufgrund der Corona-Verordnungen dürfen diese während der Zeiten zwischen den Spielen oder in der Halbzeit nicht betreten. „Das ist aber unsere handballerische Zukunft“, macht Bauer deutlich.

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Claus Amman ist beim TuS als Jugendtrainer tätig und auch er blickt mit ein wenig Sorge auf die aktuelle Situation. So findet derzeit etwa der Handballkindergarten nicht statt. Laut Amman sei die strikte Trennung, die derzeit in den Kindergärten zwischen den Gruppen vorgeschrieben sei, nicht auf die Vereinsarbeit runter brechbar. Er nimmt aber auch die Eltern in die Pflicht: „Gerade unsere jungen Nachwuchstrainer können nicht die ganze Verantwortung auf ihren Schultern tragen.“ So werden etwa die Eltern dazu verpflichtet, ihre Kinder bei einem Unwohlsein daheim zu lassen.

Die Pandemie lässt den Breitensport um seinen Nachwuchs fürchten

Nicht nur die Handballer des TuS Steißlingen stoßen an den Rand des Leistbaren, auch die Ringer des KSV Gottmadingen und die Handballer der TV Ehingen blicken der Saison mit gemischten Gefühlen entgegen.

  • Ringer ohne Runde: Die Ringer des KSV Gottmadingen hat die Corona-Krise sportlich hart getroffen. Sie würden aktuell in der Regionalliga auf die Matte gehen – der zweithöchsten Liga in Deutschland. Und dann kam Corona: „Momentan ringt nur die erste Bundesliga“, sagt Cheftrainer Volker Hirt. Zwar dürfen seine Ringer wieder trainieren, aber einen Rundenbetrieb wird es dieses Jahr nicht geben. „Immer mehr Mannschaften haben abgesagt“, so Hirt. Sportlich aber vor allem auch gesellschaftlich sei dies ein herber Verlust für die Gottmadinger. Laut Hirt waren bei den Heimkämpfen im Schnitt zwischen 250 bis 300 Zuschauer in der Halle und haben für eine Riesenstimmung gesorgt. „Das fällt jetzt alles weg“, sagt er. Dabei hätte die zweithöchste Liga für spannende Kämpfe und hohe Ringerqualität gesorgt. „Für mich persönlich ist es das erste Mal in meiner Karriere, dass es im Herbst keinen Ligabetrieb geben wird“, so Hirt. Mit Blick auf den Nachwuchsbereich beim KSV sieht der Trainer schwere Zeiten zukommen. Dort wurde der Trainingsbetrieb stark reduziert. „Wir haben deshalb Angst, dass uns der Nachwuchs wegbricht“, betont Hirt.
  • Die Frage nach dem Aufwand: Sarah Ganter ist beim TV Ehingen Mitglied im Vorstand und aktuell die Koordinatorin im Handball-Damen-Bereich. Sie ist froh, dass die Heimpremiere mit Zuschauern ohne größere Schwierigkeiten über die Bühne gegangen sei. Und dennoch betont sie, dass die aktuelle Corona-Verordnung einen herben Schlag für ihren Verein bedeute. „Irgendwann muss man sich auch als kleiner Verein die Frage stellen, ob sich der Aufwand lohnt, wenn wir die Halle nicht vollmachen dürfen“, sagt sie mit Blick auf die Begrenzung der Zuschauerzahlen. Es sei gerade auf dem Land wichtig, Samstagsabend ein Angebot für die Bürger zu schaffen. „Aber wir fragen uns schon, ob wir den Aufwand betreiben wollen und vor allem auch können“, so Ganter weiter. (mgu)

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