Was kann man alles mit rund sechs Millionen Euro anfangen? Diese Frage stellt sich für den Durchschnittsbürger in der Regel nicht. Mit dem Erbe von Anneliese Bilger hat Gottmadingen nicht nur diese Summe übernommen, sondern auch die Aufgabe, mit dem Geld verantwortungsvoll das Leben im Dorf zu fördern. Um den Wert zu erhalten, entschied sich die Gemeinde zur Gründung einer Stiftung. Das bedeutet, dass das nicht das Vermögen verbraucht wird, sondern nur dessen Erträge. Und die sind bei einer vorsichtigen Anlagepolitik in Zeiten schacher Zinsen eher bescheiden. In der Folge gibt es auch weniger zu verteilen, wie der Vermögensverwalter Clemens Gomeringer von der Baden-Württembergischen Bank anhand des Jahresberichtes der Stiftung von 2020 erläuterte.

Die Planung der Flüchtlingsunterkunft am Kornblumenweg war die Vorlage für den Neubau der Anneliese-Bilger-Stiftung in der Hilzinger Straße.
Die Planung der Flüchtlingsunterkunft am Kornblumenweg war die Vorlage für den Neubau der Anneliese-Bilger-Stiftung in der Hilzinger Straße. | Bild: Biehler, Matthias

Wenig Gewinnchancen für Stiftungen bei niedrigen Zinsen

Kämmerer Andreas Ley konkretisierte das in der jüngsten Sitzung des Stiftungsrates anhand der Zahlen seit 2019. „Der Ansatz hat sich gegenüber dem Vorjahr um rund 17 000 Euro reduziert“, erklärt er. „Im derzeitigen Zinsumfeld wird es immer schwieriger, eine Rendite für das eingesetzte Stiftungsvermögen zu erzielen und damit auch den satzungsmäßigen Stiftungszwecken nachzukommen.“ Übersetzt heißt dass, dass die Erträge aus den festverzinslichen Wertpapieren und Dividenden immer geringer werden. So reduziert sich die Summe im Erfolgsplan gegenüber 2020 (186 800 Euro) im laufenden Jahr auf 170 000 Euro. Der Gewinn für 2021 wird sogar nur noch mit 47 000 Euro veranschlagt.

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Soll die Bilger-Stiftung das Risiko erhöhen?

Diese Entwicklung veranlasste Bernd Schöffling (CDU) zu der Frage an den Vermögensverwalter: „Was würden Sie tun? Mehr Immobilien oder riskantere Anlagen?“ Die Mini-Renditen einerseits und die hohen Verwaltungsgebühren andererseits böten ja kaum noch Perspektiven. Für den Mann von der Bank ist die Frage schnell beantwortet. Er rät zu einem höheren Aktienanteil. Das würde aber eine Satzungsänderung voraussetzen, weil zur Zeit aus Wertsicherungsgründen maximal 30 Prozent des Anlagevermögens aus Aktien bestehen dürfen. „Dann hätte man jetzt etwas mehr Gewinn gehabt, hätte aber auch die Talfahrt zu Beginn der Pandemie aushalten müssen“, sagt Gomeringer.

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Mit Immobilien auf der sicheren Seite

Bürgermeister Michael Klinger warf als Stiftungsratsvorsitzender die Möglichkeit des Betongoldes in die Diskussion. Immerhin wurde mit dem Vermögen der Stiftung in der Hilzinger Straße ein Mehrfamilienhaus mit bezahlbaren Mieten gebaut, das „zum zweiten Geburtstag zwischen zwei und drei Prozent Rendite abwirft“. Klinger warf den Gedanken in die Diskussion, mit Stiftungsgeld auf dem gemeindeeigenen Grundstück in der Hilzinger Straße ein zweites Gebäude zu erstellen, um Familien mit unteren bis mittleren Einkommen eine Perspektive bieten zu können. Der Wert der Immobilie zählt dann zum Stiftungsvermögen.

Nachdenken über neue Stiftungsmodelle

Kämmerer Andreas Ley, der für die Stiftung als Verwalter tätig ist, warf sogar den Gedanken in die Diskussion, die Stiftung in eine Verbrauchsstiftung umzuwandeln, weil man mit den aktuellen Erträgen beim Stiften nicht weit komme. Die von Anneliese Bilger vor ihrem Tod beabsichtigten Förderungen können gar nicht so umfänglich stattfinden, wie diese sich das vorgestellt hatte. Bei einer Verbrauchsstiftung würde aber das Vermögen nach und nach aufgezehrt werden. So eine Entscheidung kann nicht im Eilverfahren getroffen werden. Michael Klinger schlug deshalb eine gesonderte Beratung vor, die sich mit Änderungen des Stiftungsmodells beschäftigen soll.

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