„In Büsingen Lotto spielen ist für die Schweizer wie posten in der Migros„, sagt Rudi Eder. Er leitet seit 40 Jahren in Büsingen die Toto-Lotto-Annahmestelle. Dafür verlieh ihm die Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg nun eine Auszeichnung.

Im Jahr 1948 wurde in Deutschland die Staatliche Sport-Toto GmbH gegründet und Anfang der 1950-er Jahre nahm Rudolf Eder senior in seinem Friseurladen in Büsingen die ersten Tippzettel für Fußball-Toto entgegen und leitete sie an die Konstanzer Zentrale weiter.

Rudi Eder vor seiner Lotto-Annahmestelle.
Rudi Eder vor seiner Lotto-Annahmestelle. | Bild: Thomas Güntert

Im Jahr 1954 kauften Rudolf und Olga Eder an der Junkerstrasse ein altes Gebäude und bauten es zum Café-Restaurant, Friseursalon und zur Toto-Lotto-Annahmestelle um. Nach der ersten Lottoziehung mit Baden-Württembergischer Beteiligung im Jahr 1958 kam das Geschäft richtig in Fahrt.

Ursprünglich lernte er Koch

Rudolf und Olga Eder führten zudem das Café und den Friseursalon, die mittlerweile verpachtet sind. Als Rudolf Eder 1980 erkrankte, übernahm sein Sohn Rudi die Lottoannahmestelle. „Ich hatte Koch gelernt und nach dem Besuch der Hotelfachschule in Lausanne standen mir alle Türen offen“, erinnert sich der Tippstellenleiter.

Bereut hat der 72-Jährige die Entscheidung aber bis heute nicht. „Ich muss mir kein Bein ausreißen, bin immer im Schatten und habe keinen Stress“, sagt der kontaktfreudige Geschäftsinhaber, der mit den meisten seiner Kunden auf Du und Du ist.

Mehr als 90 Prozent der Büsinger Lottospieler kommen aus der Schweiz

Früher mussten die Spielscheine samt Durchschläge und Kontrollzettel mehrmals von Hand abgestempelt werden, heute geht alles elektronisch. Zurzeit muss Rudi Eder seinen Kunden allerdings erklären, dass die Toto-Lotto-Gesellschaft beim Tippkästchen um 20 Cent aufgeschlagen hat und ein vollständig ausgefüllter Lottoschein 2,80 Euro teurer ist als bisher.

Über 90 Prozent der Büsinger Lottospieler kommen aus der Schweizer Region. „Sie müssen nicht über den Zoll und somit auch keine Rechenschaft abgeben“, sagt Eder und erklärt, dass früher in der Schweiz nur mäßig Swiss Lotto gespielt wurde und mit der Einführung von „Euromillions“ ein Aufschwung kam.

Rudi Eder wurde von der Staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg für die 40- jährige Betriebsorganisationszugehörigkeit ausgezeichnet.
Rudi Eder wurde von der Staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg für die 40- jährige Betriebsorganisationszugehörigkeit ausgezeichnet. | Bild: Thomas Güntert

Bei dieser Spielvariante sind die Gewinnchancen mit Swiss Lotto vergleichbar, der Einsatz aber doppelt so hoch. „Bei mir gab es zwar Einbußen, aber nicht dass es weh getan hätte“, sagt Eder, der jedoch die zunehmende Konkurrenz von allgemeinen Glücksspielen beklagt.

Online-Glücksspiele sieht Eder derzeit noch nicht als Konkurrenz

In Online-Glücksspielen sieht er zum heutigen Zeitpunkt allerdings noch keine Konkurrenz. Die meisten seiner Kunden sind über 40 Jahre alt und kommen in die Annahmestelle, wo im Gegensatz zum Internet eine gewisse Anonymität gesichert ist. Viele kommen regelmäßig, einige schon seit Jahrzehnten. Die meisten spielen den Systemschein, und der Jackpot erzeugt immer wieder eine Magnetwirkung.

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Wie viel beim Höchstgewinn in seiner Lottoannahmestelle ausbezahlt wurde, bekam Eder nicht mit. „Ich weiß lediglich von einer älteren Dame, die beim Spiel 77 einmal eine Kiste (Million, d. Red.) gewonnen hatte“, sagt der Geschäftsstellenleiter, der Beträge bis 1000 Euro ausbezahlen und auf Wunsch des Gewinners bis 10.000 Euro anfordern kann. Höhere Gewinne werden in der Regel mit der Regionaldirektion der Lottogesellschaft direkt abgewickelt.

Eder schätzt den guten Zweck

Eder und seine Aushilfen dürfen auf Anordnung der Toto-Lotto-Gesellschaft selber nicht spielen. Er würde es immer wieder gerne tun, da Lotto auch mit einem guten Zweck verbunden ist. Der Reinertrag sämtlicher Wetten und Lotterien der staatlichen Sport-Toto-Gesellschaft werden einem Wettmittelfonds zugeführt, aus dem Gelder für Sport- und Kulturförderung, Denkmalpflege und soziale Zwecke verwendet werden.