Manchmal lohnt es sich zu warten. Dieser Eindruck entsteht, wenn man die Diskussion über die Nutzung von Sonnenenergie von Gemeindedächern verfolgt. Obwohl sich Gottmadingen grünen Themen durchaus verpflichtet fühlt und ein Herz für Umwelt- und Naturschutz zeigt, gibt es in Sachen Ökostrom noch Luft nach oben. Das wird deutlich, wenn man die Liste der Dächer öffentlicher Gebäude sieht, auf denen noch viel Platz für Photovoltaikanlagen ist.

In Randegg sind die wichtigsten Einrichtungen auf einem Fleck versammelt: Grennzlandhalle, Grundschule und der Kindergarten Biberburg. ...
In Randegg sind die wichtigsten Einrichtungen auf einem Fleck versammelt: Grennzlandhalle, Grundschule und der Kindergarten Biberburg. Sowohl die Halle, als auch der Kindergarten brauchen eine Erneuerung. Allerdings fehlt dafür das Geld im Haushalt. | Bild: Trautmann, Gudrun

Noch viele freie Dachflächen hat das Dorf

35 Gebäude hat die Verwaltung zusammengetragen, die der Gemeinde gehören. Wie sinnvoll es ist, sie für die Sammlung von Sonnenstrahlen zu nutzen, muss im Detail geklärt werden. Im Grundsatz zeigt der Gemeinderat jedoch einstimmig die Bereitschaft, die ungenutzte Dachflächen für die Energiegewinnung zu nutzen.

Moderne Photovoltaikanlagen haben einen besseren Wirkungsgrad

Warum sich Gottmadingen erst jetzt um die Sonnenenergie kümmert, erklärte Bürgermeister Michael Klinger in seinem Vortrag vor den Räten: „Durch den höheren Wirkungsgrad der Module und die geringeren Kosten der Installation ist heute eine strenge Südausrichtung nicht mehr so zentral für die Wirtschaftlichkeit wie noch vor einigen Jahren.“ Daher habe man grundsätzlich untersucht, ob und in welchem Umfang Dachflächen auf gemeindeeigenen Gebäuden zur solaren Stromproduktion und damit zur CO2-Einsparung genutzt werden könnten. „Wir müssen als Gemeinde vorangehen und auf alle möglichen Gebäude Anlagen setzen“, lautet das Credo des Bürgermeisters. Vor allem müsse man schneller vorankommen.

Auf dem Flachdach der Biberburg in Randegg könnten Photovoltaik-Module Platz finden.
Auf dem Flachdach der Biberburg in Randegg könnten Photovoltaik-Module Platz finden. | Bild: Trautmann, Gudrun

Wo ist es sinnvoll Sonne einzusammeln?

Die Aufstellung kommt einer Inventur nahe. Auf der Liste der Gebäude stehen Friedhofsgebäude ebenso wie Vereinsheime, Schulen, Kindergärten, Sporttribünen, Bauhof und Verwaltungsgebäude. Um die Räte nicht ganz zu verwirren, haben der Leiter des Bauamtes, Urban Gramlich, und Kämmerer Andreas Ley ungeeignete Gebäude gar nicht erst aufgeführt. Zum Beispiel lohnt es sich nicht, Photovoltaikanlagen auf Pumpenhäuser oder Geräteschöpfe zu stellen, weil deren Dachflächen zu klein sind. Das Gottmadinger Schützenhaus steht deshalb nicht auf der Liste, weil Anlage zu sehr verschattet ist. Und die Goldbühlhalle scheidet aus, weil das Dach undicht ist.

Bei manchen Dächern könnte es Ärger geben

Michael Klinger ist sich durchaus bewusst, dass es in der Bürgerschaft zu Protesten kommen könnte, wenn das markante Walmdach des alten Rathauses mit Sonnenkollektoren belegt werden würde. Auch die Zustimmung für Photovoltaik auf Aussegnungshallen oder der alten Hebelschule sei fraglich. „Wenn wir einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz leisten wollen“, so Klinger, „dürfen wir nicht schon von vorneherein alle diese Dachflächen rausnehmen.“

Wenn die Gemeinde einen Bauwagen für einen Waldkindergarten am Waldrand hinter dem Sportgelände aufstellen würde, könnten die Kinder die ...
Wenn die Gemeinde einen Bauwagen für einen Waldkindergarten am Waldrand hinter dem Sportgelände aufstellen würde, könnten die Kinder die Sanitäranlagen des SC Gobi mitnutzen. | Bild: Trautmann, Gudrun

Grundsätzliches Ja zur Investition in den Sonnenstrom

Bernd Schöffling (CDU) zeigte sich in der Diskussion grundsätzlich aufgeschossen für Photovoltaik auf Gottmadingens Dächern. „Wenn wir die Flächen haben, sollten wir sie auch nutzen“, sagt er. Allerdings legt er einen gesteigerten Wert darauf, die Energie auch möglichst selber zu nutzen. Das dürfte bei Friedhofskapellen schwieriger werden. Grundsätzlich sei auch zu klären, was die Gemeinde mit den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln überhaupt noch realisieren könne.

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An der Energiewende geht kein Weg vorbei

Für Kirsten Graf (SPD) ist klar: „Wenn wir die Energiewende wollen, muss jeder an seinem Platz tun, was er tun kann.“ Für Ulrich Rüede (FWG) steht fest, dass die Gemeinde diese Aufgabe nicht selber stemmen kann. Er regte an, das Singener Bürgerunternehmen Solarcomplex anzusprechen. Und Eberhard Koch (FWG) sagt: „Die Bundesregierung will den CO2-Ausstoß bis 2030 um 50 Prozent reduzieren. Das müssen die Gemeinden umsetzen.“

Noch viele Hausaufgaben für die Verwaltung

Mit seinem einstimmigen Grundsatzbeschluss hat der Gemeinderat jetzt den Weg für Detailuntersuchungen frei gemacht. Die Verwaltung hat nun die Aufgabe zu überprüfen, welche Dächer tatsächlich für eine wirtschaftliche Nutzung in Frage kommen. Auch die Optik soll dabei nicht ganz außer Acht gelassen werden. Außerdem ist die Frage zu klären, wer den Bau und Betrieb der neuen Anlagen übernehmen soll. Das Projekt steht also noch ganz am Anfang.

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