Praktisch, pflegeleicht und immergrün: Das sind die Eigenschaften, die viele Grundstücksbesitzer sich für ihren Garten wünschen. Da passt der glänzende Kirschlorbeer oder vielleicht sogar der moderne Steingarten scheinbar perfekt ins Bild. Nur in den Gottmadinger Bebauungsplan „Ortskern III – Margrafenstraße“ passt diese Gartengestaltung nicht. Das haben der Stadtplaner Markus Töpfer und einige Gemeinderäte jetzt unmissverständlich klar gemacht.

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80 Prozent der Grundstücksbesitzer haben das Pflanzgebot missachtet

Die Gemeindeverwaltung wollte wissen, ob sich die Bauherren an die im Bebauungsplan festgesetzten Pflanzgebote halten. Mit Hilfe eines Hecken-Monitorings wurde ermittelt, welche Pflanzen in den Gärten des besagten Gebietes zu finden sind.

Gottmadingens Stadtplaner Markus Toepfer sieht das Ergebnis des Hecken-Monitorings für den Bebauungsplan „Ortskern III – Margrafenstraße“ kritisch. 80 Prozent der Grundstücksbesitzer haben sich nicht an das Pflanzgebot gehalten. Nun werden sie Briefe vom Landratsamt erhalten.
Gottmadingens Stadtplaner Markus Toepfer sieht das Ergebnis des Hecken-Monitorings für den Bebauungsplan „Ortskern III – Margrafenstraße“ kritisch. 80 Prozent der Grundstücksbesitzer haben sich nicht an das Pflanzgebot gehalten. Nun werden sie Briefe vom Landratsamt erhalten. | Bild: Isabelle Arndt

Das Ergebnis war ernüchternd. „80 Prozent der Grundstücksbesitzer haben sich nicht an die grünordnerische Festsetzung gehalten“, sagt Markus Töpfer. Dabei wurde die Dachbegrünung bisher noch nicht einmal überprüft. Klarer Favorit bei den Hobby-Gärtnern in dem Gebiet sind Kirschlorbeer und Glanzmistel. Pflanzen, die laut Bebauungsplan dort nicht erwünscht sind.

Der Bebauungsplan beinhaltet auch eine Pflanzliste

Die Empörung über so viel behördliche Vorschriften ist vorprogrammiert. Die Frage, warum nicht jeder das pflanzen kann, was ihm gefällt und am wenigsten Arbeit macht, liegt auf der Zunge. Markus Töpfer hat die Erklärung: „Mit der festgesetzten Pflanzliste leisten wir einen Ausgleich für andere Eingriffe in die Natur. Es darf keine Rolle spielen, ob wir den Ausgleich innerörtlich oder im Außenbereich leisten. Entscheidend ist, dass ein positiver Effekt für den Naturschutz entsteht.“

Die Durchsetzung der Vorschriften obliegt dem Landratsamt

Weil das Landratsamt als untere Naturschutzbehörde für die Durchsetzung der Regeln zuständig ist, könne die Gemeinde nur aufklären, sagt der Leiter des Gottmadinger Bauamtes Urban Gramlich.

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Gemeinderäte plädieren für harte Gangart

Die Gemeinderäte zeigen sich einigermaßen überrascht darüber, dass sich bis auf einen Bauherrn so gut wie niemand an die im Bebauungsplan festgeschriebenen Pflanzlisten gehalten haben. Für Walter Beyl (FWG) steht fest: „Wir müssen das durchziehen.“ Bürgermeister Michael Klinger pflichtet ihm bei: „Entweder wir ziehen das durch oder wir schreiben in den nächsten Bebauungsplan gleich Lorbeer rein.“

Bernhard Gassner (SPD/UL) kritisiert, dass es kaum noch Bauabnahmen gebe, weshalb den Bauherren gar nicht bewusst sei, dass sie gegen die Pflanzgebote verstoßen. Tatsächlich würden die wenigsten Bauwilligen den Bebauungsplan so im Detail studieren.

Im schlimmsten Fall müssen die Pflanzen entfernt werden

Handeln muss jetzt das zuständige Baurechtsamt im Konstanzer Landratsamt. Die Gemeinde Gottmadingen empfiehlt, dass den Grundstücksbesitzern in einem Anschreiben die Durchsetzung des Baurechtes angedroht werden soll. Das könnte bedeuten, dass der Kirschlorbeer wieder entfernt werden muss. Streit ist vorprogrammiert.