Wenn sie gefragt werden, sind sie als Helfer zur Stelle: Barbara und Gerd Schuhmacher haben auch schon bei den vergangenen Pfarrgemeinderatswahlen in der Vor- und Nachbereitung mitgewirkt.

Die ehemalige Grundschullehrerin und der frühere Hauptschullehrer sind der katholischen Kirche verbunden und engagieren sich bei verschiedensten Gelegenheiten. Aber für den Pfarrgemeinderat kandidieren wollen sie nicht; dafür sind sie als Wahlhelfer gerne für Einsätze bereit.

Wahlhelfer verteilen die Umschläge

Rund 3200 Stimmzettel galt es dieses Mal zu falten, zu couvertieren, zu etikettieren und an die Wahlberechtigten zu verteilen. Und weil die Seelsorgeeinheit Gottmadingen das Briefporto sparen will, machen sich die Wahlhelfer selber auf den Weg, um die Couverts zu verteilen. Da war so mancher Spaziergang erforderlich. Straßen- und stapelweise wurden die Wahlunterlagen an die selbsternannten Postboten verteilt.

Barbara Schuhmacher sieht es pragmatisch: „Auf diese Weise lernen wir unseren Ort immer wieder neu kennen.“ Manchmal sei es gar nicht so einfach, die Adresse ausfindig zu machen oder den richtigen Briefkasten zu entdecken. „Es ist ein bisschen Detektivarbeit“, sagt die pensionierte Lehrerin. „Es gibt auch unzustellbare Briefe, die wir dann ans Pfarramt zurückgeben müssen.“

Fünf Wahlbezirke in Gottmadingen

In allen Teilen der Seelsorgeeinheit Gottmadingen haben Wahlhelferteams mittlerweile die Stimmzettel verteilt. Jeder Ortsteil ist ein eigener Stimmbezirk. Wie die Wahl praktisch durchgeführt werden soll, konnten die Seelsorgeeinheiten im Dekanat selber bestimmen. Nun müssen alle Helfer flexibel bleiben. Wegen der Coronavirus-Pandemie wurde die Wahl vom 22. März auf den 5. April verschoben.

Während es im Oberen Hegau nur einen Stimmbezirk gibt, hatte sich die Seelsorgeeinheit Gottmadingen für fünf Bezirke entschieden. Das sind Gottmadingen, Gailingen, Bietingen, Randegg und Ebringen. Durch die Corona-Krise verzichten die Seelsorgeeinheiten auf die Präsenzwahl und verlängern den Abgabetermin für die Stimmzettel per Briefwahl bis Sonntag, 5. April.

Über das Online-Portal können die Stimmen bis zum 3. April abgegeben werden. So werden persönliche Kontakte vermieden. Insgesamt sind in der Seelsorgeeinheit Gottmadingen 18 Sitze zu vergeben. Es haben sich jedoch nur 17 Kandidaten zur Verfügung gestellt. Zum Auszählen werden die Wahlhelfer aber wieder benötigt.

Mangels Kandidaten keine echte Wahl

Das Kandidaten-Problem ist in allen Pfarreien mehr oder minder stark ausgeprägt. „Eine echte Wahl ist das eigentlich nicht“, sagt Gerd Schuhmacher. „Aber man kann ja auf dem Wahlzettel noch Personen hinzufügen.“ Dem Ehepaar ist klar, dass diese Wahl die letzte in ihrer Art ist. Das Erzbistum Freiburg organisiert sich vollkommen neu. Pfarrgemeinderäte wie bisher wird es ab 2030 nicht mehr geben. Bis dahin soll aus den zehn Seelsorgeeinheiten des Dekanats eine große Pfarrei werden. Ursache ist der Priestermangel.

Wie sich der auswirkt, haben die Katholiken der Seelsorgeeinheit Gottmadingen schmerzlich erfahren. Über Monate hatten sie keinen Priester, nachdem Pfarrer Nikolaus Böhler die Gemeinde verlassen und Pfarrer Claudius Stoffel wegen Krankheit ausfiel. „Die Vakanz war eine sehr schwierige Zeit für die Gemeinde“, erinnert sich Barbara Schuhmacher.

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Und als dann auch noch die engagierte Gemeindereferentin Regina Maria Uhl abgezogen wurde, habe die Seelsorgeeinheit richtig gelitten. Jörg Waldvogel habe als neuer Pfarrer einiges aufzuholen. Dazu zählt auch die Neugründung des Kirchenchores, der sich aus Mangel an einem Dirigenten schon vor etwa vier Jahren aufgelöst hat. Hier würde Gerd Schuhmacher als Tenor wieder einsteigen.

„Wo soll das hinführen“

Als das Ehepaar von Gailingen nach Gottmadingen umzog, war die Kirchengemeinde ein Ort, wo Freundschaften geschlossen werden konnten. Barbara Schuhmacher organisierte Familiengottesdienste, sorgte für den Blumenschmuck oder begleitete Erstkommunionkinder. Mit Sorge beobachtet sie, dass außer den Ministranten kaum noch junge Menschen zu den Gottesdiensten kommen. Die Skandale und der Ausschluss der Frauen vom Priesteramt hätten der Kirche ziemlich geschadet.

Ob der Kirchenentwicklungsplan 2030 diesen Trend aufhalten kann, sehen die Schuhmachers eher skeptisch. „Wo soll das hinführen, wenn die Priester im Eilschritt von einem Gottesdienst zum nächsten rennen müssen“, fragen sie sich und sind dabei weniger optimistisch als Dekan Matthias Zimmermann. Der sieht die Zukunft der Pfarreien in aktiven Gemeindeteams. Diese zu gewinnen und aufzubauen, wird die Aufgabe der nächsten Pfarrgemeinderatsgremien sein.