Gottmadingen – Die alte Brücke im Kernort von Gottmadingen hat lange gehalten. Seit 1863 fuhren Züge über das Bauwerk, an deren Erneuerung seit ein paar Wochen gearbeitet wird. Angesichts der Investitionssumme von 11,5 Millionen Euro kann davon ausgegangen werden, dass die neue Konstruktion eine ähnlich lange Lebensdauer vergönnt sein wird. Und doch war es nicht der Betrag allein, der Verkehrsminister Winfried Hermann jetzt zum etwas verspäteten Spatenstich in den Hegau bewegte.

Der Politiker nutzte die Gelegenheit, um am Beispiel der Bahnstreckenertüchtigung die seiner Ansicht nach erforderliche Gleichwertigkeit von Mobilitätsvarianten zu verdeutlichten. Die Bahn spielt dabei eine Rolle, zugleich aber würden Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger von der breiteren Unterführung profitieren. "Ich freue mich", so der Minister, "dass wir diesen Flaschenhals beseitigen und dadurch die Lebensqualität der Gottmadinger und die Verkehrssicherheit erhöhen können."

Die Mehrfacheffekte der Investition spiegeln sich in den Finanzierungsanteilen. Die Deutsche Bahn Netz AG ist für den Schienenverkehr zuständig und übernimmt dafür ungefähr ein Drittel der Kosten. Wegen der unter der Brücke verlaufenden Landestraße 191 kommt das Land ins Spiel, das etwa Zweidrittel der Finanzierung trägt. So kann der Abstand der Straße zur Brücke von 3,80 auf 4,20 Meter und damit die Verkehrssicherheit für den Schwerlastverkehr erhöht werden. Durch die Verbreiterung entstehen außerdem an beiden Seiten Rad- und Gehwege, denen Winfried Hermann wegen der Nähe zum Bahnhof und dem Kernort eine große infrastrukturelle Bedeutung im Alltag der Menschen beimisst. Die Gemeinde Gottmadingen sitzt übrigens auch mit im Boot der Kostenträger, kommt mit 400 000 Euro für die in kommunale Zuständigkeit fallenden Kanal- und Leitungsverlegungen allerdings vergleichsweise günstig davon.

Launige Rede vor witziger Plakatierung: Martin Sauter in Vertretung von Gottmadingens Bürgermeister Michael Klinger.
Launige Rede vor witziger Plakatierung: Martin Sauter in Vertretung von Gottmadingens Bürgermeister Michael Klinger.

 

Möglicherweise war das der Grund für die launige Rede von Martin Sauter, der in Stellvertretung des sich zurzeit in Süditalien in Partnerstadt-Mission aufhaltenden Bürgermeisters Michael Klinger auf die Bedeutung der Neukonstruktion für die Gemeinde einging. "Im Prinzip erhält Gottmadingen ein großes Loch", meinte er, was jedoch nicht weiter schlimm sei, da man sich als kleinster Zahler zugleich als größter Nutznießer fühlen könne. Die Gemeinde hat allerdings einiges an Geduld aufbringen müssen, nach Angaben von Martin Sauter wurden die ersten Gespräche für das jetzt begonnene Bauwerk bereits in den 1970er Jahren geführt.

Dass gute Planung unabdingbar ist, konnte man indes dem Redebeitrag von Rüdiger Weiß entnehmen, der als Leiter des DB-Netz-Bereichs Vertrieb/Fahrplan für den Bau zuständig ist. So müssen die 1,20 dicken Pfähle wegen des speziellen Untergrunds in eine Tiefe von 31 Metern gerammt werden.

Folgen für den Verkehr

Die Bauarbeiten führen für Bahnreisende zu vergleichsweise geringen Beeinträchtigungen. Bis Sonntag, 3. Mai, werden wegen der Bahnstreckensperrung zwischen Schaffhausen/Thayngen und Singen Busse eingesetzt. Eine zweite Bahnstreckensperrung ist vom 14. bis 18. Oktober geplant, dann wird die neue Brücke für die bis dahin verwendeten Behelfskonstruktionen eingebaut. Das gesamte Bauprojekt inklusive der Straßen- beziehungsweise Unterführungsarbeiten wird voraussichtlich im April nächsten Jahres abgeschlossen sein. (tol)