Feuerwehrleute halten zusammen, das zeigte sich bei der Gemeinderatssitzung in Gottmadingen. Dort ging es zuletzt um den Feuerwehrsbedarfsplan und damit um die Zukunft der 152 Ehrenamtlichen, die noch viel mehr leisten als Feuer zu löschen. Hervorgehoben wurde neben dem Engagement die Bescheidenheit der Gottmadinger Wehr. Für Diskussionen sorgte ein anderes Thema: Abteilungskommandant Stefan Kienzler warf die Frage in den Raum, ob eine nächtliche Türöffnung wirklich Aufgabe der Ehrenamtlichen sei. Es sei keine Seltenheit, dass die Feuerwehr nachts um 4 Uhr ausrücke, um den Schließzylinder einer privaten Haustür zu öffnen. „Da stehen einem die Haare zu Berge“, sagte Bürgermeister Michael Klinger mit Blick auf die Rechnungen, die für so etwas ausgestellt würden – die seien nämlich bislang viel zu niedrig.

2018 waren es fast doppelt so viele Einsätze wie 2014

Überhaupt: Die Anforderungen würden immer umfassender – es gebe zwar weniger Großeinsätze, doch die Arbeit gehe nicht aus. „Teilweise kommt man an Grenzen, aber im Jahresmittel passt es“, sagte Kienzler. 2018 wurden 83 Einsätze erfasst, 2017 waren es 116 – und 2014 noch 45. Timo Ketterer schlug als stellvertretender Leiter für den Katastrophenschutz am Konstanzer Landratsamt eine hauptamtliche Hilfe für die Gerätewartung vor: Mit 1800 Stunden pro Jahr entspreche die ehrenamtliche Arbeit allein in diesem Bereich mehr als einer Vollzeitstelle.

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Die Wehr steht gut da – trotz kleinem Einsatzleitwagen

Gemeinsam lauschten viele Ehrenamtlichen der Diskussion, die ihre Zukunft beeinflusst – denn der Bedarfsplan entscheidet über die finanziellen Mittel der Feuerwehr. Denn nur was darin festgehalten ist, sei auch förderfähig, erklärte Bürgermeister Michael Klinger. Schon bei der Erstellung des Plans arbeite die Wehr kostenbewusst und habe auf ein externes Planungsbüro verzichtet. Beschrieben werden sollte der aktuelle Zustand der Wehr – und der ist nach den Schilderungen des Oberbrandmeister Thomas Schleicher mit Abteilungskommandant Stefan Kienzler gut. Die Freiwillige Feuerwehr Gottmadingen seien eine kleine, aber schlagkräftige Wehr mit einem modernen Fuhrpark und technisch sehr gutem Gerät. Ein neues Mannschaftstransportfahrzeug wurde in der gleichen Sitzung beschlossen, es soll 49.533,75 Euro kosten. „Wir sind gut aufgestellt, auch für die nächsten Jahre“, sagte Kienzler. Und ein kleineres Einsatzleitfahrzeug sei ausreichend, auch wenn Gemeinden über einer Einwohnerzahl von 10.000 eigentlich einen größeren Wagen bekommen sollen. Für ein größeres gebe es auch keinen Platz in der Garage.

Auch bei der Tagesverfügbarkeit mache sich Kienzler keine Sorgen. In den Teilorten Bietingen und Ebringen sei es teils schwieriger, doch in Randegg würden beispielsweise zwei Arbeitgeber die Feuerwehr gut unterstützen.

Fünf Frauen sind es schon, aber Umkleiden fehlen

Nachholbedarf gibt es bei der Unterstützung für Feuerwehrfrauen und bei der Einsatzleiter. „Wir wissen, dass wir in Feuerwehrhäusern, wo auch Frauen beschäftigt sind, nachlegen müssen“, sagte Kienzler selbstkritisch. Eine Feuerwehrfrau hatte in der vorherigen Bürgerfragestunde angesprochen, dass es nicht in jedem Feuerwehrhaus eine getrennte Umkleide gebe. Kienzler kündigte nun an, dass das nächstes Jahr angepasst werden soll – fünf Frauen gebe es bereits. „Und es werden mehr.“ Von Umkleiden abgesehen seien die Gebäude in einem guten Zustand, nur die Tore seien mit 40 Jahren recht alt. Aktuell sei aber nicht mit größeren Investitionen zu rechnen. Anders ist es bei der Einsatzleiter, die um fünf Meter wachsen muss: Bislang ist sie 18 Meter lang, das Landratsamt schreibt 23 Meter vor. Eine Drehleiter könne als zweiter Rettungsweg eines Gebäudes dienen, erklärte Ketterer und sah damit Vorteile im Baurecht.

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Jugendfeuerwehr für mehr Nachwuchs?

Die Freiwillige Feuerwehr Gottmadingen denkt darüber nach, eine Jugendfeuerwehr zu gründen, wie Abteilungskommandant Stefan Kienzler im Gemeinderat ankündigte. Es sei aber ein Prozess von fünf bis sechs Jahren, bis eine Jugendabteilung dabei helfe, den Bestand der Ehrenamtlichen zu sichern. Er schränkte aber ein: Letztlich könne niemand dazu gezwungen werden, das Ehrenamt eines Feuerwehrmannes oder einer Feuerwehrfrau zu ergreifen. Dabei zeigte auch die Sitzung: Mit der Feuerwehr gibt es mit dem Ehrenamt auch eine Gemeinschaft.

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