Rainer Hespeler aus Singens Südstadt ist ab sofort Träger des „weltweit höchsten Ordens der Bierbrauer“: Von der Gottmadinger Narrenzunft wurde er in der Fahr-Kantine vor rund 300 Narren zum „Ehren-Gerstensafter“ ernannt. Hespeler ist Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee mit rund 35 000 Mitgliedern und 20 000 Hästrägern. Seine Brötchen – zum Bier – verdient er im Privatleben bei der Singener Maschinenbaufirma Breyer.

Dass er ein würdiger „Bier-Botschafter“ für die Gottmadinger Zunft sein wird, machte Hespeler in seiner fulminanten Dankesrede klar. Nur „geschmiert mit Millionen“ von Sepp Blatter sei ihm diese Ehrung zuteil geworden, verriet er. Und dass er aus Singens wilder Südstadt stamme. Dort, wo „Türkisch Landessprache“ sei und man in Jugendjahren nur dann als echter Kerl gelte, wenn man dem größten Kontrahenten auf dem Schulhof die Fahrradreifen absteche oder in der St. Elisabeth-Kirche den Weihwasserbrunnen gegen Wetteinsatz leertrinke. Köstliche Scherze, wie das Publikum im Saal fand, das sich vor Lachen nur so bog.

Nicht weniger doll trieb es Hespelers Amtsvorgänger Wolfgang Reuther aus Stockach, der den fast schon heiligen Stab des Ehren-Gerstensafters an seinen Nachfolger übergab. Dieser sei ein „Ehren-Saftsack“. Reuther drosch verbal und launig heftig auf den Südstädtler ein. Hespeler, ein Frauenschwarm, sei „mit dem göttlichen Adonis“ zu vergleichen, er lasse bei Umzügen „reihenweise Gardemädchen kollabieren“. Selbst George Cloony werde „blass vor Neid“. Reuther, der sich zuvor schon allerhand Spott über seine Heimatstadt Stockach hatte anhören müssen, polterte dann auch gegen Singen: „Lieber kultiviertes Mittelzentrum als Mittelmaß“.

Klaus Sauter, der unbestritten beste und bruttligste Mundart-Verseschmied der Gerstensack-Zunft, nahm in seiner Narrenrede die heimische Prominenz und die Region ins Visier. Gottmadingens Bürgermeister Michael Klinger musste sich anhören, dass er erforsche, ob breite Nudeln Nerven hätten und wo bei Feldsalat und Bohnen die erogenen Zonen lägen. Stockach bekam sein Fett ab, dass es einst nur deshalb so viele Brauerein beherbergt habe, weil die Stockemer fleißige Säufer gewesen seien.

Die Gottmadinger Narren-Vorstandschaft zeigte in einer kurzen Modenschau ihr neues Edel-Wams für die hochrangigsten Zunftmitglieder. Mit diesem neuen Häs für Umzüge und Empfänge erhoffe man sich neue Interessenten für derlei Posten, hieß es von Moderator und Zeremonienmeister Christoph Graf.

Zum 38. Mal haben die Gerstensäcke ihr eigenes Bier gebraut. Und das gleich in zweifacher Ausführung. Einmal hell und einmal in dunkel. Wobei letztere Sorte ruckzuck leergetrunken war. Und auch die helle Sorte bekam von keinem Geringeren als von Ruppaner-Brauereichef Karl Bernhard Ruppaner hohes Lob: „Respekt! Ein gutes Bier“, urteilte der Konstanzer auf Nachfrage unserer Redaktion.

Reichlich Spaß hatten beim Gottmadinger Narrenabend auch Stefan Lutz, der Chefredakteur des SÜDKURIER Medienhauses sowie Michael Schäfer, der Geschäftsführer der Druckerei Konstanz.

Gefehlt hat in Gottmadingen Sigrun Mattes, die kürzlich erst verstorbene Obernärrin und „Kuh vom Land“. Ihrer wurde am Abend so gedacht, wie es ihr wohl am liebsten gewesen wäre: Nicht mit Schweigeminute und Stille, sondern mit fröhlichem Feiern und ausgelassener Narretei. Der 38. Bieranstich der Gerstensäcke, er hätte auch Sigrun Mattes bestens gefallen.