Als neulich sechs Schüler im Büro von Markus Möll standen, nachdem sie wieder einmal keinen Platz im Schulbus gen Singen fanden, hatte der Bürgermeister von Büsingen genug. Er schrieb einen Brandbrief an Südbadenbus, das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn ist noch bis Jahresende mit dem Schultransport beauftragt. „Die Zustände sind seit Jahren nicht tragbar“, sagt er. Kinder müssten oft in den Bussen stehen oder ganz draußen bleiben. Zuletzt haben Schweizer Polizisten zwei Busse kontrolliert und drei Kinder, die stehend mitgefahren waren, selbst befördert. Doch auch der weitere Schulweg ist mitunter schwierig: Da die Zugwaggons in Gottmadingen regelmäßig überfüllt sind, müssen Schüler auch dort warten.

Zweimal umsteigen ist eingeplant – nicht aber lange Wartezeit

Dabei könnte es so einfach sein: In den Bus einsteigen und vor der Schule wieder aussteigen. Doch in Büsingen ist es kompliziert – nicht nur wegen zweimal Umsteigen. Die Kinder von Tanja Vestner starten um 6.46 Uhr und sollen in Gailingen und Gottmadingen umsteigen. Doch häufig kommen sie schon verspätet in Gailingen an, weil der Bus ab Büsingen keinen Platz mehr hatte. „Man kommt nicht mal flüssig nach Singen„, bemängelt sie. Ihre Kinder fahren von dort aus weiter an die Waldorfschule in Stockach-Wahlwies. Die Lehrer würden bei so vielen Verspätungen schon die Augen verdrehen. „Wenn man das bezahlt, möchte man auch mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren“, sagt sie.

„Büsingen ist gewachsen“, erklärt Markus Möll einen Grund für mehr Bedarf seiner Gemeinde. Nach dem Wegfall einer besseren, schweizerischen Verbindung sei man in Büsingen auf einen deutschen ÖPNV angeweisen und Südbadenbus setze auf Kleinbusse. „Wir diskutieren seit Jahren und weder Bus noch Bahn bekommen es hin“, kritisiert Möll. So könne der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel nicht gelingen, fasst er zusammen.

Ein großer Bus steht laut Südbadenbus nicht zur Verfügung

Jens Bittermann erklärt als Sprecher des Landratsamtes, das für die Schülerbeförderung zuständig ist: Lange habe ein Kleinbus ausgereicht, inzwischen würden vier Kleinbusse mit insgesamt 43 Sitzplätzen fahren. Seit Mittwoch sei ein weiteres, zusätzliches Kleinfahrzeug im Einsatz, verspricht auch ein Bahnsprecher. Die Deutsche Bahn und deren Tochterunternehmen Südbadenbus hat den Auftrag zur Schülerbeförderung. Wie der Bedarf in Büsingen ermittelt wird, beantwortet die Bahn nicht. Größere Busse würden nicht eingesetzt, weil keiner zur Verfügung stehe. Der Sprecher räumt aber ein, dass keine Fahrgäste stehend oder auf dem Boden sitzend befördert werden dürfen. Wenn ein Passagier sich verletzt, trage der eingesetzte Unternehmer die Verantwortung.

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Mutter alarmierte wegen überfülltem Bus die Polizei

Tanja Vestner war das zu gefährlich: „Einmal war das Taxi um zehn Kinder überladen“, schildert die Mutter. Deshalb fragte sie bei der Polizei nach, ob ein Bus so überfüllt fahren dürfe. Schweizer Beamte hätten den Bus am folgenden Tag auf Schweizer Boden kontrolliert, wie die Kantonspolizei Schaffhausen bestätigt, und kurzerhand einige Schüler nach Gailingen gefahren. „Das war die einfachste und für alle vermutlich beste Lösung“, sagt eine Sprecherin. Der Busfahrer habe eine Ordnungsbuße erhalten.

Auch der Heimweg von Gailingen aus sei oftmals schwierig. Auf dem Heimweg müssen laut Tanja Vestner regelmäßig Fahrgäste in Gailingen warten, bis Passagiere in Büsingen ausgestiegen sind und das Bustaxi die Tour nochmal fahren kann. Das sei laut Busunternehmen zumutbar – „aber nicht bei einer nicht überdachten Haltestelle, am besten noch bei Regen im Winter“, sagt Tanja Vestner.

Es soll alles besser werden – im nächsten Jahr

Hoffnung hegt der Bürgermeister für das nächste Jahr, weil der Landkreis den Regionalbusverkehr neu ausgeschrieben hat. Von sechs bis sieben Fahrten pro Tag soll sich die Frequenz fast bis zum Stundentakt verbessern. Außerdem soll ein großer Bus fahren: „Für die Linie 7351 ist ab 1.1.2020 ein Solobus vorgesehen. Damit ist die Kapazität ausreichend“, erklärt der Landratsamtsprecher. Für Markus Möll ist das ein Lichtblick: „Ich hoffe, dass der jahrelange Leidensweg dann endet.“

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Ab Gottmadingen bleibt es schwierig

  • Das Problem: Regelmäßig im Herbst ist der Zug von Gottmadingen überfüllt, wenn Schüler morgens die Schulen in Singen ansteuern. Piratheepa Thileepan ist Gemeinderätin für die FWG und sprach das in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Gottmadingen an, nachdem sie von einigen Menschen auf die katastrophale Situation angesprochen worden sei.
  • Das sagt der Bürgermeister: „Ich schäme mich fast für die Deutsche Bahn – aber fremd“, sagte Michael Klinger als Bürgermeister Gottmadingens. Jedes Jahr wieder schreibe er an die Verantwortlichen, zuletzt habe ihm die Bahn mit einer Entschuldigung auch einen Verstärker-Zug zugesagt. Von dem sei nun aber nichts zu sehen. „Haben wir nächstes Jahr das gleiche Spiel wieder?“, fragte er ratlos. Er könne Betroffenen nur empfehlen, sich selbst ebenfalls an die Bahn zu wenden: „Machen auch Sie Druck.“ Die Fraktionen könnten auch eine Resolution schreiben, er habe dafür genügend Vorlagen geliefert.
  • Das sagt die Bahn: „Die vom Land verlangte Kapazität wird von DB Regio mit zwei Triebwagen erfüllt“, erklärt ein Bahnsprecher auf SÜDKURIER-Nachfrage. Bei Ausfall eines Wagens bestelle DB Regio einen zusätzlichen Bus ab Gottmadingen. Die Frage, warum die Bahn nicht mehr Waggons bereit stellt, bleibt unbeantwortet.
  • Das sagt das Landratsamt: Zuletzt sei es wieder zu Beschwerden gekommen, bestätigt Landratsamt-Pressesprecher Jens Bittermann. Das Amt ist für die Schülerbeförderung zuständig. „Leider können wir die Verantwortlichen nur auf ihre Pflichten hinweisen.“ Für diese Strecke sei die Bahn oder Südbadenbus allein verantwortlich. „Trotzdem versuchen wir, gemeinsam Lösungen zu finden.“ Strafen anordnen könne das Landratsamt nicht, weil die Verkehrsunternehmen eigenwirtschaftlich arbeiten. (isa)

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