Er strahlt viel innere Ruhe aus beim SÜDKURIER-Gespräch in der schlicht eingerichteten Küche des Pfarrhauses und schenkt dem Gast eine Tasse frisch gebrühten Kaffee ein. Pfarrer Nikolaus Böhler hat bereits in einem Gottesdienst den Besuchern mitgeteilt, dass er nach 13-jährigem Wirken die Seelsorgeeinheit Gottmadingen als deren Leiter verlässt. Ihn zieht es in neue Gefilde. "Wenn nicht jetzt, wann dann?" Diese Frage habe er sich gestellt und beantwortet, so Böhler. "Ich möchte mich im Alter von fast 62 Jahren nochmals einer neuen Herausforderung stellen und wechsle daher zur Seelsorgeeinheit See-End. Die Übernahme deren Leitung ist eine reizvolle Aufgabe. Es gilt, neue Leute kennenzulernen und eine andere Region, die mir aber nicht gänzlich fremd ist. Zudem schließt sich der Bogen, da ich zu Beginn meiner Priester-Tätigkeit in Böhringen und Stahringen gewirkt habe", sagt Böhler. Sein Ziel sei es, bis zu seiner Pensionierung – die erfolgt bei Pfarrern im Normalfall mit 70 Jahren – seine pastorale Tätigkeit in der neuen Seelsorgeeinheit mit Sitz in Ludwigshafen auszuführen.

"Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge", bekennt Böhler. Er freue sich auf seine neue Aufgabe, lasse aber auch viele Menschen zurück, die ihm ans Herz gewachsen seien. "Es gab schon etliche Leute, die ihr Bedauern über meinen Weggang ausgedrückt haben", sagt der Pfarrer. "Es war sehr erfüllend, die Menschen in unserer Seelsorgeeinheit ein Stück begleitet zu haben. Sehr viele schöne gemeinsame Erlebnisse, wie bei Hochzeiten, Taufen oder Kommunionfeiern, hat es gegeben. Es mussten aber auch schwierige Situationwn bewältigt werden, wie durch Trauer-Aufarbeitung bei Todesfällen. Besonders wenn junge Menschen oder gar ein Kind sterben, geht einem das sehr nah", betont Böhler. Wenn es ihm in einzelnen Fällen nicht gelungen sei, genug Trost zu spenden, dann bitte er um Verzeihung. Er blicke auf ein gutes Miteinander mit den ehrenamtlich Tätigen sowie Pfarrgemeinde- und Stiftungsrat zurück. Böhler bezieht auch die Sozialstation, das Pflegeheim St. Hildegard, die katholischen Kindergärten und Schulen mit ein. Der Pfarrer erinnert sich auch mit einem Lächeln an schöne Episoden des weltlichen Geschehens. Bei der Frauenfasnacht stand der bescheiden auftretende Pfarrer genauso im Rampenlicht wie bei der Narrenzunft Gerstensack, als er 2011 in einem erlauchten Kreis zum Ehrengerstensafter gekürt wurde.

Eines bereitet Nikolaus Böhler Sorge: "Wir stellen leider eine fortschreitende kirchliche Gleichgültigkeit fest. Es ist zwar schön, wenn an Weihnachten und im Vorfeld von und bei Kommunionfeiern die Kirchen voll sind. Dies zeigt, dass der Bezug noch da ist. Es wäre aber schön, wenn auch außerhalb solcher Anlässe die Menschen den Weg in die Kirchen fänden. Bei seinem Abschiedsgottesdienst am Samstag, 27. Oktober, um 18.30 Uhr darf Nikolaus Böhler auf einen guten Besuch hoffen.