Für viele im Hegau gehört ein Osterfeuer mit zum Osterfest. Auch an den vergangenen Feiertagen erfreuten sich die großen Osterfeuer in Binningen, Bietingen, und Mühlhausen am Sonntag und in Steißlingen am Montag vieler Gäste – trotz niedriger Temperaturen und eines heftigen Windes am Sonntag.

"Für die Leute sind diese Events Tradition geworden. Man geht bei fast jedem Wetter zum Osterfeuer – nur richtig regnen sollte es nicht", sagte Elmar Maus. Der stellvertretende Kommandant der Feuerwehr Hilzingen, die seit langem der Veranstalter dieser Aktion ist, verzeichnete um die 400 Besucher. Allerdings blieben diese trotz Feuerwärme, Glühwein und Chiliwurst nicht bis spät in die Nacht wie in anderen Jahren. Dafür war es dann doch zu kühl.

Der kalte Wind ließ die Besucher aber nicht nur etwas früher nach Hause gehen, er erschwerte in Binningen und Bietingen auch das Entzünden der meterhohen Brandscheite. Am Anfang rauchte es teilweise tüchtig. Nach dem Durchzünden konnten die Besucher dann aber das romantische Bild eines Großfeuers bei Vollmond genießen.

Nicht nur die besonders schöne Atmosphäre zieht Gäste an. Die Osterfeuer haben sich überall zu geselligen Treffpunkten entwickelt. Wenn auch jetzt in Hilzingen wohnend, versäumt Helmut Schelle als Alt-Bietinger möglichst keinen der Osterfunken, wie die Osterfeuer in dem Gottmadinger Ortsteil genannt werden. Hier treffe er immer alte Bekannte, es sei eine tolle Gelegenheit mal wieder gemütlich mit ihnen zu schwätzen. "Wir haben viele Stammgäste", bestätigte Daniel Brachat. Der Vorsitzende des MV Bietingen, der den Osterfunken auf die Beine stellt, zeigte sich sehr zufrieden. "Wir haben um die 300 Besucher." Er freute sich, dass der Wind aus dem Westen kam und es nicht in Richtung Dorf qualmte. "Andernfalls hätten wir den Osterfunken absagen müssen", so Brachat. 30 Musiker waren hier im Einsatz, alles lief wie am Schnürchen. "Die Abläufe sind gut eingespielt, der jetzige Osterfunken ist bereits unser dreizehnter. Und wir haben Unterstützung. Beim Holzbesorgen hilft die Feuerwehr Randegg, ein Teil unseres Equipments können wir vom Siedlerverein leihen", so Brachat auf die Frage, wie seine Leute es schaffen, neben der Vorbereitung der Veranstaltung auch noch etwas Zeit für das Osterfest mit ihrer Familie zu haben.

Absolut rekordverdächtig war die Besucherzahl am Feuer der Feuerwehr Mühlhausen. Auf rund 800 schätzte Reiner Zeller die Anzahl der Gäste auf dem schön hergerichteten Festplatz auf dem alten Sportgelände. Gottseidank habe es trotz der drohenden schwarzen Wolken am Himmel nicht geregnet. Und die Stimmung sei trotz der Kälte bis weit in die Nacht einfach toll gewesen, so der Feuerwehrkommandant. Für die Kinder gab's ein eigenes kleines Osterfeuer, an dem sie Stockbrot rösteten. Gequalmt hat es anfangs auch hier, wie Zeller berichtet. Er sei sehr dankbar für das Verständnis der Anwohner.

Der Hintergrund

Die großen Osterfeuer der Region dienen ausschließlich der Unterhaltung. Dagegen haben die Osterfeuer in der Osternacht, die in vielen Kirchen entzündet werden, einen ganz anderen, spirituellen Hintergrund. Prinzipiell vereinen sich im Osterfeuer christliche und vorchristliche Symbolik. Die Kelten vertrieben so die letzten Wintergeister. Um das Jahr 750 hat dann die katholische Kirche den Brauch übernommen. Denn für die Christen bedeutet Jesus das Licht Gottes, das Licht der Welt. So lud zum diesjährigen Osterfest auch die evangelische Kirchengemeinde Gottmadingen am Ostersonntag ab 6 Uhr zu einer Osternachtfeier in der Lutherkirche ein. Vor diesem besonderen und atmosphärischen Gottesdienst, der im Übergang von der Nacht zum Licht des Ostermorgens stattfand, wurde vor der Kirche ein Osterfeuer entzündet.