Gottmadingen Neuer Steuermann auf der Brücke der Wohnbaugenossenschaft Gottmadingen

Vera Federer bekommt mit Joachim Blatter ein neues Vorstandsmitglied. Er übernimmt die Finanzkontrolle für Wilhelm Knapp, der von seinem Posten zurücktreten wollte.

Einen Personalwechsel hat Gottmadingens Bürgermeister Michael Klinger als Aufsichtsratschef im Vorstand der Wohnbaugenossenschaft Gottmadingen (WBG) bekannt gegeben. Der Gottmadinger Joachim Blatter übernimmt den Posten als nebenamtlicher Finanzvorstand und folgt zum Jahreswechsel auf Wilhelm Knapp. Der hatte schon vor der jüngsten Hauptversammlung im Frühsommer angekündigt, auf den Posten künftig verzichten zu wollen. Für Kontinuität sorgt WBG-Chefin Vera Federer, die 2014 die krisengeschüttelte WBG gemeinsam mit Knapp übernommen hat. Ihr Vertrag als hauptamtliches Vorstandsmitglied wurde um fünf Jahre verlängert.

"Wichtig war für uns, dass es keinen abrupten Wechsel gibt, sondern einen sanften Übergang", so Klinger. Dies sei nun gelungen, um so den eingeschlagenen Kurs der vergangenen Jahre fortzusetzen. "Mit dem kommenden Bauprojekt in der Hard- und Fliederstraße steht eine große Aufgabe an", so Klinger, der die Verpflichtung Blatters als Glücksgriff erachtet, auch wenn er den Abschied von seinem Vorgänger Knapp mit einem weinenden Auge verfolge. "Leider stand er für eine Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung", so Klinger.

Personalwechsel bei der Wohnbaugenossenschaft: WBG-Chefin Vera Federer (links) und Aufsichtsratsvorsitzender Michael Klinger mit dem scheidenden Finanzvorstand Wilhelm Knapp und seinem Nachfolger Joachim Blatter.
Personalwechsel bei der Wohnbaugenossenschaft: WBG-Chefin Vera Federer (links) und Aufsichtsratsvorsitzender Michael Klinger mit dem scheidenden Finanzvorstand Wilhelm Knapp und seinem Nachfolger Joachim Blatter. | Bild: Matthias Biehler

Mehr Zeit für sich und die eigene Firma will Wilhelm Knapp in Zukunft haben. Dreienhalb Jahre trug er als Vorstandsmitglied nebenamtlich Verantwortung für die Finanzen in der Wohnbaugenossenschaft Gottmadingen. In dieser Zeit wurden jährlich knapp 500 000 Euro in die Instandhaltung des Wohnungsbestandes investiert, über drei Millionen Euro wurden für Modernisierungsmaßnahmen ausgegeben und für 1,2 Millionen Euro wurden acht neue Wohnungen im Kornblumenweg geschaffen. "Er hat mit dafür gesorgt, die WBG aus stürmischer See in ruhigeres Fahrwasser zu führen", erinnerte Gottmadingens Bürgermeister Michael Klinger an turbulente Zeiten bei der WBG. Für Knapp endet nun ein herausfordernder Abschnitt, der Genossenschaft bleibe er aber verbunden und werde künftig als Unternehmensberater, wenn nötig, die Digitalisierung des Wohnbauunternehmens weiter begleiten.

Für Joachim Blatter stehen nun neue Herausforderungen an, vor allem die Kalkulation des geplanten Neubauvorhabens. "Wir müssen uns fragen, wo wir investieren können und wie viel wir uns leisten können, um nicht aus der Balance zu geraten", erklärt Klinger. Blatter sei für diese Aufgabe Idealbesetzung. Der Diplomkaufmann habe nicht nur vielfältige Erfahrung als Finanzchef großer Unternehmen gesammelt – von GF bis zu Alusuisse und den Nachfolgeorganisationen Alcan und Constellium, sondern sei auch ein Kind der Region. Aufgewachsen ist der mittlerweile 58-Jährige im Kreis Waldshut-Tiengen, studiert hat der diplomierte Volkswirtschaftler in Freiburg und Köln. Zuletzt war er beim Basler Pharma-Unternehmen Basilea tätig.

Inzwischen nimmt sein soziales Engagement mehr Raum ein. Gemeinsam mit seiner Frau, der Autorin Ulrike Blatter, macht er sich für die Bosnienhilfe stark. Zuletzt hat er die Balkanregion, wo er einige Jahre beruflich tätig war, mit dem Fahrrad erkundet. Die Kombination von Kompetenz für die Finanzen, Verständnis für soziale Belange und Verantwortung für die Region sei für die Gottmadinger Genossenschaft perfekt geeignet, so Klinger.

Blatter freut sich auf die neue Aufgabe. "Es ist immer interessanter in einem Unternehmen zu wirken, in dem es um Aufbau und Aufbruch geht, als Restrukturierungsmaßnahmen zu begleiten", erklärt er. Zudem stehe die Wohnbaugenossenschaft auf einem soliden Fundament. Trotz hoher Investitionen konnte der Jahresüberschuss gegenüber 2015 im vergangenen Geschäftsjahr von 63 000 Euro auf 275 000 Euro gesteigert werden.

Aber auch wenn ein Bilanzgewinn von rund 50 000 Euro erwirtschaftet wurde, geht es dem Unternehmen nicht um Gewinnmaximierung, sondern um die Schaffung bezahlbaren Wohnraums. "Die Vermietungssituation ist bei einer weiterhin hohen Nachfrage nach Wohnungen gut, die Quote von leer stehenden Wohnungen ist mit 5,4 Prozent niedrig", berichtete Vera Federer jüngst zur Hauptversammlung. Im Blick auf den neuen Kollegen auf der Kommandobrücke zeigt sie sich erfreut, aber auch pragmatisch: "Wichtig ist, dass das Vier-Augen-Prinzip läuft", betont sie.

Ertragssteigerungen erzielt die WBG aktuell auch durch die Verwaltung von Fremdwohnungen. Mit 94 000 Euro konnte 23 000 Euro an Mehreinnahmen bilanziert werden. Dennoch verweist Federer darauf, dass die WBG keine reiche Genossenschaft sei: "Wir brauchen das Geld um in den Bestand zu investieren." Genau kalkuliert werde deshalb bei den Verwaltungskosten, die zuletzt um etwa 33 000 Euro auf 406 000 Euro gesenkt werden konnte. Kosten, Nutzen und Ertrag müssten bei Investitionen im Gleichgewicht gehalten werden.

Zur Genossenschaft

Die Wohnungsbaugenossenschaft Gottmadingen (WBG) hat aktuell 571 Mitglieder. Sie bewirtschaftet 298 Wohnungen in 45 Gebäuden, sechs Gewerbeeinheiten und 52 Garagen. Vera Federer (hauptamtlich) und Wilhelm Knapp (Teilzeit) bilden den Vorstand. Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 8.30 bis 12 Uhr, Montag und Mittwoch zusätzlich von 13.30 bis 16.30 Uhr. Kontakt: WBG Gottmadingen, Telefon: (07731) 971 30, E-Mail: info@wbg-gottmadingen.de, www.wbg-gottmadingen.de (neu)

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