Nun steht es also fest: Der Neubau der Gottmadinger Eichendorff-Schule wird spürbar teurer als kalkuliert. Bürgermeister Michael Klinger und die Verwaltungsmitarbeiter zeigten in einer Einwohner-Versammlung die Steigerung der Gesamtkosten von noch vor einem Jahr errechneten 25 Millionen Euro um bis zu fünf Millionen Euro unverblümt auf.

Die Planung stockte wegen fehlender und überteuerter Angebote für Rohbau-Arbeiten, die Preise gehen zwischenzeitlich aber weiter in die Höhe. Dies ist in Gottmadingen wie bei Bauprojekten andernorts der guten Konjunktur geschuldet. Die spült aber auch in Form der Gewerbesteuer Geld in die Kassen der Kommunen, das sie für Investitionen verwenden können. Was bleibt, sind heftige 30 Millionen Euro Gesamtkosten für die neue Schule. Wer aber dachte, dass unter den 70 Besuchern der Einwohnerversammlung große Entrüstung über die Kostensteigerung herrscht, sah sich getäuscht.

Der Bürgermeister verstand es wieder einmal, mit einem neuen Finanzierungskonzept zu überzeugen und sogar noch eine gehörige Portion Optimismus zu versprühen. Dabei war in den vergangenen Monaten nicht zu verkennen, dass wegen zu erwartender kräftiger Kosten-Erhöhung im Gottmadinger Rathaus eine große Anspannung herrschte. Ein dickes Fragezeichen stand hinter dem Bau der Schule. Das scheint nun vom Tisch, der Gemeinderat muss am nächsten Dienstag nochmals einen Baubeschluss fassen, dies dürfte nach der derzeitigen Stimmungslage zur Formalie werden.

Wo das Geld fehlt

Besucher der Einwohner-Versammlung fanden schnell andere Themen, die ihnen offenbar mehr unter den Nägeln brennen als der Neubau der Schule, wie parkende Autos auf Rad- und Gehwegen, schlechte Straßen oder Anwohner, die sich beschweren, wenn Kinder und Jugendliche auf Fußball- und Bolzplätzen spielen, mal aber auch etwas lauter toben. Wenn der Vergleich auch ein wenig hinkt, aber er zeigt die Dimension auf. Für 30 Millionen Euro lassen sich mindestens 60 bis 70 Einfamilienhäuser bauen. Was aber den Bau von Schulen oder Kindergärten so teuer macht, sind auch unzählige Normen und Vorschriften.

Auch neue pädagogische Konzepte, wie Lern- und Erholungslandschaften, sorgen dafür, dass Kosten hochschnellen, weil wesentlich mehr Flächen als bisher zum Tragen kommen. So summieren sich die Millionen Euros, und es bleibt kein Geld mehr für eine mögliche Turnhalle und Einbindung von nahem Sport-Unterricht, wie dies andere Kommunen ermöglichen. Engen gilt dabei als Musterbeispiel.

Direkt neben der Grundschule bietet die Stadthalle sportliche Möglichkeiten. Beim Bildungszentrum steht die Großsporthalle zur Verfügung. Und in der Nähe will die Stadt Engen eine neue Sporthalle bauen. Vereine und Schulen nutzen die Sportstätten gleichermaßen. Wie dies Gottmadingen künftig löst, wird spannend. Zumal nach dem geplanten Abriss der bestehenden Eichendorff-Realschule auch die Zukunft der Eichendorff-Halle auf wackligen Füßen steht. Da muss ein gutes Hallenkonzept her, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden.

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