Zwei Papageien sausen über die Köpfe der Besucher hinweg durch die Fahr-Kantine, ein katholischer Pfarrer zündet eine Witz-Granate nach der anderen, ein Fasnachturgestein verlässt fast heulend die Bühne, ein Stockacher liest den Hegauern die Leviten – der 40. Bieranstich der Gottmadinger Gerstensack-Zunft wird seinem runden Geburtstag hochnärrisch gerecht. Alles außer Langeweile bieten die Gottmadinger Zunftoberen den knapp 350 Besuchern in der proppevollen Fahr-Kantine. Darunter viel närrische Prominenz von Konstanz, über Stockach und schwäbische Gefilde, bis an den Hochrhein. In das Loblied auf das von den Zunfträten Christian Schopper und Stephan Huber selbst gebraute Gerstensack-Bier stimmen auch die Original Aussteiger unter der Leitung von Hans Seiler an. Sie stellen einen eigene Bier-Hymne vor und prägen das Programm im Stile einer stimmungsvollen Partyband. 

Die durstigen Besucher müssen sich aber „erst mal durch das Wasser der Randegger Ottilienquelle quälen“, wie es Zeremonienmeister und Moderator Christoph Graf formuliert, bevor das würzig-feine Gebräu – diesmal in hell und dunkel – ausgeschenkt wird. Der frühere Konstanzer Fasnachter prägt an maßgeblicher Stelle, wie als Moderator des bekannten Gerstensack-Frühschoppens, auch immer mehr die Gottmadinger Narretei. Der Konstanzer Bierbrauer-Unternehmer Karl Bernhard Ruppaner hat den Ehrengerstenstab mit der Eingravierung seines Namens vollgemacht. Er überreicht den Gerstensäcken einen neuen Stecken und untermalt dies mit feinen Versen, in denen er auch die Güte ihres Biers anpreist. 

Zunftmeister John Weber kündigt mit launigen Worten die große Abschiedsvorstellung von Urgestein Klaus Sauter an, der über viele Jahre das Geheimnis um die Namen der Ehrengerstensafter mit spitzfindigen und hintersinnigen Ausführungen gelüftet hatte. „Was Carlos Santana auf der Gitarre verbracht, hat er mit sinere spitze Zunge verbracht“, so Weber. Sauter sagt stilgetreu mit viel Selbstironie Servus. „Der Abschied fällt mir schwer, drum gang i jetzt, bevor i blär“, ruft er dem Publikum zu. Er erntet stehenden Applaus.

Der besondere Zauber von Sauters Auftritten wird in Erinnerung bleiben. Ein magischer Moment der ganz anderen Art lässt zur vollen Überraschung des bestens gestimmten Publikums nicht lange auf sich warten. Der mehrfach international ausgezeichnete Magier Sergej Stupakov, der auch im Europapark Rust auftritt, bietet eine rasante Zaubershow der Extraklasse. Die Besucher trauen kaum ihren Augen, wie seine Hände schier endlos Spielkarten aufnehmen und wegwerfen, sich weiße und schwarze Tücher zu einem kariertem Stoff vereinen und aus dem Nichts Tauben auftauchen. Der frühere Landtagsabgeordnete Hans-Peter Repnik schüttelt pausenlos ungläubig den Kopf. Am Schluss sind es zwei Papageien, die der Künstler durch die Fahr-Kantine in atemberaubenden Tempo fliegen lässt.

Der neue Ehrengerstensafter Bernd Arnold aus der Chefetage des Europarks Rust steht für diese spektakuläre Vorstellung und verzichtet dafür selbst auf viele hochtrabende närrische Verse. Dieses Geschenk macht er der Gerstensack-Zunft als langjähriger Weggefährte von Zunftrat Walter Benz, der zusammen mit Susi Klopfer das Programm auf die Beine gestellt hatte. „Halleluja“ stimmen die Besucher höchst erfreut ein, als ihnen der katholische Zirkuspfarrer Adrian Holzer seine Aufwartung macht, auch als Freund von Arnold. Er reißt einen Witz nach den anderen, den er auch mit Akteuren des Abends personifiziert. Dabei bringt er viel verschmitzte Herzlichkeit rüber. Der Stockacher Narrenrichter Jürgen Koterzyna holt zu einem närrischen Rundumschlag auf etliche Hegaugemeinden aus. Er preist den Stockemer Most an, dessen Qualität Nachbar-Zünfte missgünstig bewertet hatten.

Ein Pfarrer bringt das Publikum zum Toben

Adrian Holzer, katholischer Zirkuspfarrer, brachte durch seine deftigen Witze das Publikum beim Bieranstich außer Rand und Band: Nachfolgend einige Auszüge davon.

  • Der Wunsch: Ein 60-jähriger Mann, der mit einer gleichaltrigen Frau verheiratet ist, richtet einen besonderen Wunsch an eine Fee. Er hätte gerne eine 30-jährige jüngere Frau. Die Fee richtet's promt: Im Handumdrehen ist der Mann 90.
  • Die Treue-Belohnung: Drei ältere Männer kommen in den Himmel. Petrus belohnt sie je nachdem, wie treu sie in der Ehe waren, mit Fahrzeugen. Der erste bekommt ein Kleinauto, der zweite einen Mittelklassewagen und der dritte einen Lamborghini, weil er seine Frau nie betrogen hat. Petrus sieht ihn überrascht bitterlich weinen und fragt nach. "Meine Frau ist gerade mit einem Tretroller vorbeigefahren", begründete der lebenslang treue Ehemann.
  • Der erkannte Bankräuber: Ein Bankräuber hat vor lauter Nervosität seine Maske kurz entblößt. "Haben Sie mich erkannt?", fragt er einen Bank-Angestellten: "Ja", antwortet dieser. Der Räuber schießt ihn sofort nieder und löchert dann scharf ein Ehepaar: "Haben Sie mich auch erkannt?" Der Mann antwortet: "Ich nicht, aber meine Frau."
  • Die fehlende Auferstehung: Ein Pfarrer und ein Mesner haben einen über den Durst getrunken. Sie fallen beide torkelnd zu Boden. Der Mesner fragt den Pfarrer: "Glauben Sie an die Auferstehung?" Der antwortet: "Die nächsten zwei Stunden nicht mehr." (bit)

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