Der Konstanzer Karl Bernhard Ruppaner muss mächtig leiden, bevor er eine hohe Ehre erlangt. Klaus Sauter lässt als Urgestein der Gottmadinger Gerstensack-Zunft beim traditionellen Bieranstich vor geballter, hochdekorierter Fasnacht-Prominenz aus vielen Regionen, SÜDKURIER-Chefs und närrischem Fußvolk in der Fahr-Kantine kein gutes Haar an Ruppaners Heimatstadt. "In Konstanz triff'sch du hier und heute nur diffuse Leute – von überall wie ich meine, doch Konstanzer gibt's fast keine", reimt Sauter, um dann doch einige eingefleischte Konzilstädter auszumachen: "Auf den Ämtern, wie ich finde, sind Konstanzer meischtens nur Gesinde." Nachdem auch die von Sauter in reichlicher Zahl ermittelten Nordlichter und Preußen ihr Fett wegbekamen, entdeckt er doch noch einen Ur-Konstanzer und ernennt Karl Bernhard Ruppaner prompt zum Ehrengerstensafter beim 39. Bieranstich der Gottmadinger Narren. Er folgt zahlreichen illustren Figuren aus Politik und Fasnacht, von denen ein Großteil schon das Zeitliche gesegnet hat.

Bevor es an den Vollzug der großen Gerstensafter-Kür geht, wird zwischen Bier-Genuss und Weißwurst-Intermezzo mit deftiger Kost kräftig vom Leder gezogen. Ihre Bierbrau-Kunst aus vergangenen Bilger-Tagen lassen die Gerstensäcke dabei hochleben, um auch Seitenhiebe an andere Narren-Hochburgen zu verteilen.

Als Fischer vom Riederbach weiß der laut Sauter "hergelofene Konstanzer", aber in Gottmadingen schon bestens etablierte Gerstensack-Zeremonienmeister Christoph Graf die Vorzüge des Zunft-Gebräus in höchsten Tönen anzupreisen, um auswärtige Getränke ganz und gar herabwürdigend zu bewerten: "Dirt z'Stocke giet's nur suure Moscht, zu üserm Bier sag' ich jetzt Proscht."

In seiner Abschiedsrede als scheidender Ehrengerstensafter macht Rainer Hespeler, seines Zeichens Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, keinen Halt vor derben Witzen. Dafür muss sogar seine Frau Diana herhalten. Die will er nach eigenen Ausführungen an den Ehrengerstensafter-Stab binden, damit er nicht wie vor Jahren dem früheren Singener Oberbürgermeister Andreas Renner widerfahren, gestohlen wird. "Der Dieb bringt den Stab spätestens nach zwei Tagen samt Gattin freiwillig wieder zurück und leistet dafür sogar noch eine Bonuszahlung", prahlt Hespeler. Bleibt zu hoffen, dass er von einem Ehekrach verschont bleibt.

Mit seiner hintergründig-närrischen Rede lüftet Klaus Saueter als Mönch das Geheimnis, wer neuer Ehrengerstensafter wird.
Mit seiner hintergründig-närrischen Rede lüftet Klaus Saueter als Mönch das Geheimnis, wer neuer Ehrengerstensafter wird. | Bild: Sabine Tesche

Ausgerechnet ein Geistlicher lässt mit kurzen, prägnanten Witzen den Stimmungspegel in der Fahr-Kantine hochschnellen. "Eine Frau will beichten, dass sie mit ihrem Mann fünfzehn Mal hintereinander geschlafen hat. Das ist doch keine Sünde, wenn das auf ehelicher Basis geschah, habe der Pfarrer gemeint. Das weiß ich, mir war es aber ein großes Bedürfnis, es jemand zu erzählen, habe die Frau geantwortet", schildert Zirkuspfarrer Adrian Bolzern. Er erntet schallendes Gelächter, so auch nach anderen Pointen, wie er sie schon im Vorjahr um Besten gegeben hat. Etwas Bein-lädiert singt Karl-Bernhard Ruppaner trotz voriger breitseitiger Konstanz-Schelte das hohe Lied auf die Gerstensäcke und stimmt dazu ein eigenes an.

Wolfgang Holle betritt ebenfalls mit etwas wackligen Beinen die Bühne. Seine Ausführungen über die leidgeplagten Senioren bringt er jedenfalls sehr glaubwürdig rüber.


Auch das gibt es zu berichten: Als lebende Gerstensack-Legende durfte Walter Benz beim Bieranstich durch Rainer Hespeler genauso nicht fehlen wie bei der Bearbeitung des Ehrengerstensafter-Stabs. Die Original Aussteiger um ihren Leiter Hans Seiler brachten die Veranstaltung mit flotter Unterhaltungsmusik immer wieder in Schwung. Auch als manche gut gemeinten Pointen etwas langatmig ausfielen. Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Spätestens nach dem dritten Gerstensaft lachten die Gäste auch nach halbgaren närrischen Anekdoten herzhaft. Zunftmeister John Weber, der noch zu den jüngeren Semestern im Saal zählte, gelang es in seiner noch jungen Amtszeit, den Abend souverän zu moderieren. Manche Besucher wünschen sich noch etwas mehr Auffrischung.

Zunftbier und Zugabe

Die Bierbrauer der Gerstensack-Zunft, Christian Schopper und Stephan Huber, beschreiben fast wissenschaftlich ihr produziertes, 5,2 Prozent Alkohol enthaltendes Getränk mit folgenden Charakteren: strohfarben; stabiler, cremiger, reinweißer Schaum, Hopfen betonter, schlanker Geschmack; kühl, feinerperlend, gerade und bitter, mit trockenem Abgang; niedrige Malzsüße, die Hopfenbittere dominiert bis zum Abgang; sehr gute Rezens, mittlere bis viel Kohlensäure; untergäring und naturtrüb.
 

Ein Küsschen für den Stab: Der Konstanzer Karl Bernhard Ruppaner folgt als neuer Ehrengerstensafter der Aufforderung seines Vorgängers Rainer Hespeler.
Ein Küsschen für den Stab: Der Konstanzer Karl Bernhard Ruppaner folgt als neuer Ehrengerstensafter der Aufforderung seines Vorgängers Rainer Hespeler. | Bild: Sabine Tesche