Die Kunst des Kompromisses muss gepflegt werden, wenn das Verständnis für die Nöte anderer in der Gesellschaft abnimmt und der digitale Wandel auch die Meinungsfindung zu spalten scheint. In immer mehr Diskussionen bleibt der Eindruck zurück, Digitalisierung bedeutet nur noch Ja oder Nein sagen zu können. Diskussionen in den mehr oder weniger sozialen Netzwerken untermauern immer wieder, wie schnell die Grautöne in Zeiten der Schwarz-Weiß-Malerei verschwimmen.

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Gottmadingen beweist immer wieder, dass es auch anders geht, wenn man sich der offenen Diskussion stellt und dem Abwägungsprozess zwischen wünschenswert und finanzierbar aktiv beiwohnt. Dann kann man in Echtzeit erleben, was die eigenen Wünsche für andere bedeuten – zum Beispiel im Bereich Stadtplanung. Wo sich Anwohner womöglich einfach eine ruhige, grüne Oase zum Entspannen in der Nachbarschaft wünschen, bleibt für andere der Wunsch nach einer bezahlbaren Wohnung unerfüllbar.

Diesen Abwägungsprozess will die Gemeinde Gottmadingen nun für das nach 2021 entstehende Baugebiet Rattenäcker auf dem Areal der dann nicht mehr benötigten Eichendorffschule am 5. April mit einem Spaziergang starten. Dabei wissen Bürgermeister Michael Klinger und sein Stadtplaner Florian Steinbrenner nur zu gut, dass aus dem Spaziergang sicherlich eine lange dauernde Wanderung werden wird. Entscheidend dürfte am Ende aber sein, dass alle Mitwanderer in etwa zwei Jahren zufrieden am Ziel ankommen. Und wer nicht mitgehen will, darf sich am Ende auch nicht über das Ergebnis beschweren.

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