Sicher ist, dass nichts sicher ist. "Im Moment sehe ich unsere Existenz nicht bedroht, aber wie es in zwei Jahren sein wird, weiß ich nicht", sagt Alexander Growe. Vor 20 Jahren hat der Inhaber von Growe Reisen das Geschäft zusammen mit seiner Frau Alexandra eröffnet. "Damals gab es 20.000 Reisebüros in ganz Deutschland", erinnert er sich. Als die Kunden begannen, ihre Urlaube vermehrt über das Internet zu buchen, schrumpfte diese Zahl auf 8000. "Das war vor ungefähr zehn Jahren", sagt Growe. Heute weiß er von etwas mehr als 10.000 deutschen Reisebüros.

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In gewisser Weise spiegelt diese Entwicklung wider, was die Rowes in ihrem Geschäft in Gottmadingen miterlebt haben. "Vor einigen Jahren waren wir noch zu fünft im Team", sagt Growe. Übrig geblieben seien nur seine Frau und er. "Im Moment haben wir eine treue Stammkundschaft", zeigt er sich dankbar. Seine Kunden berät das Ehepaar zumeist individuell, nach Terminabsprache. "Wir arbeiten sehr persönlich, liefern maßgeschneiderte Beratung. Unsere Kunden erreichen uns auch am Wochenende und abends – zum Teil sogar, wenn wir selbst im Urlaub sind." Einen solchen Einsatz könne er von Mitarbeitern nicht erwarten, gibt Growe zu.

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Anbieterpleiten und Beratungsklau

Für seine Frau und ihn scheint sich der Aufwand aber zu lohnen."Nach den jüngsten Anbieterpleiten habe ich das Gefühl, dass die Kunden wieder öfter auf Reisebüros zurückgreifen." Eine weitere aktuelle Entwicklung: Es kämen Leute zu Growe Reisen, die ihren Flug im Netz buchen, den Rest der Urlaubsplanung aber dem Reisebüro überlassen. Fast könnte man meinen, dass sich das Gottmadinger Geschäft mit der Konkurrenz aus dem Internet arrangiert hat. Nicht ganz, meint Alexander Growe. Oft genug habe er es mit dem zu tun, was er als Beratungsklau beschreibt. "Leute wollen sich von uns kostenfrei beraten lassen, um ihre Reise dann online zu buchen." In der Schweiz sei es gang und gäbe, eine Beratungsgebühr zu verlangen, die am Ende vom Gesamtpreis abgezogen wird. "In Deutschland dagegen diskutieren wir schon zehn Jahre über das Thema", bedauert er.

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Er habe aber das Gefühl, dass die Menschen zum Umdenken bereit sein. "Diejenigen, die es sich finanziell erlauben können, nehmen das Thema Nachhaltigkeit ernst, wenn sie darauf hingewiesen werden." Das könne er an sich selbst beobachten. Wo er früher deutlich mehr Tetra Paks gekauft habe, hätten ihn Medienberichte mittlerweile zum Umdenken gebracht. "Zum Beispiel kaufen wir unsere Milch nur noch in Glasflaschen." Alexander Growe hofft, dass bei dem ein oder anderen ein ähnlicher Bewusstseins-Wandel einsetzt, wenn es um die Unterstützung von Einzelhändlern vor Ort geht.