Als ob der derzeitige Stau in Gottmadingen nicht schon erdrückend genug wäre. Nun zwängen sich auch noch sechs Traktoren laut hupend in den dichten Verkehr. Mittendrin scheint ein etwas reiferer Herr mit Käppi das Chaos gar nicht zu interessieren. Mit kindlicher Freude sitzt er auf einem Traktor. Dann fährt der Tross in den Pausenhof der Eichendorff-Realschule ein. Der Traktor-Fan – er hat selbst fünf davon – genießt seinen großen Tag. Und die gelungene Überraschung.

Abschied und Nachfolge: (v.l.) Bürgermeister Michael Klinger, Cosima Breitkopf (neue Rektorin), Hedi und Gottbert Hogg, Ulrike Flick (Schulamt).
Abschied und Nachfolge: (v.l.) Bürgermeister Michael Klinger, Cosima Breitkopf (neue Rektorin), Hedi und Gottbert Hogg, Ulrike Flick (Schulamt). | Bild: Bittlingmaier, Albert

An seinem 65. Geburtstag bereiten ihm das Kollegium und die Schüler eine rauschende Abschiedsfeier nach seiner 22-jährigen Tätigkeit als Rektor der Eichendorff-Realschule. Ehemalige Schüler hatten Hogg in Hilzingen mit dem Traktor auf dem letzten Schulweg von Engen nach Singen abgeholt. Nun geht es in die Eichendorff-Halle. Schulsprecherin Maxima Estrada moderiert pfiffig. Die gut 500 Schüler lassen Papierflieger durch die Halle fliegen. In Reimen verfasst, hält Maxima Estrada die Abschiedsrede. Gottbert Hogg und Ehefrau Hedi hören konzentriert zu. Es gibt Video-Botschaften von den Schülern sämtlicher Klassen. Mädchen führen einen Tanz mit viel Esprit auf. Schüler sprechen in den verschiedensten Sprachen Abschiedsworte. Bei einem Pop-Lied tanzen alle Schüler mit und wippen die Arme im Takt. Und Hogg sitzt schon auf seinem besonderen Geschenk. Auf dem Sofa hatten sämtliche Schüler ihre Fingerabdrücke zur Erinnerung hinterlassen. "Das ist der Hammer. Ich habe schon viel Abschiede erlebt, aber dieser ist beispielhaft", ringt Hogg um Worte. Dann geleitet ihn Maxima Estrada zur Musik "Time, to say goodbye" durch die Schülergassen. Hogg schüttelt unzählige Hände, bis er seinen letzten Schulweg vollendet hat. Ergreifender geht es kaum.

Mit einem bewegenden letzten Gang verabschiedet sich Gottbert Hogg von seinen Schülern. Er wird von Maxima Estrada begleitet.
Mit einem bewegenden letzten Gang verabschiedet sich Gottbert Hogg von seinen Schülern. Er wird von Maxima Estrada begleitet. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Szenenwechsel. Im Hotel-Saal der Autobahn-Rastanlage West auf Engener Höhe bildet sich eine Gesellschaft mit Lehrern der Eichendorff-Realschule, ehemaligen Kollegen, aktuelle Pädagogen, Sekretärinnen und Vertretern der Gemeinde Gottmadingen. Hohe Tiere, wie bei Abschieden von Rektoren üblich – genauso Fehlanzeige wie lange Reden. Die will Hogg nicht. Dafür gibt es kurze, aber pointierte, hintersinnige, herzliche und heitere Ausführungen und Aufführungen, die Einblicke in das Schaffen und die Charaktere Hoggs geben. "Gottbert hat die Schüler in den Mittelpunkt gestellt. Wertschätzung war ihm wichtig, auch wenn Schüler mal Mist gemacht haben und er sie dafür rügen musste", betont Gottmadingens Bürgermeister Michael Klinger. "Herr Hogg war ein Visionär mit hoher sachlicher Kompetenz. Er hat seine Schüler gefördert und gefordert. Werte wie guter Erziehungsstil hat er selbst vorgelebt" betont Schulamtsrätin Ulrike Flick.

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Wie ein roter Faden geht Hoggs Vorliebe für Erlebnispädagogik durch den Abend, wie in einer einfallsreichen Dia-Schau. Sie bildet Hogg von klein auf bis zum Ende seines Berufes ab. Ein Bild zeigt, wie er zusammen mit seinen Schülern steinzeitlich Feuer anzündet. Auf dem nächsten Foto ist der kürzliche Brand in der Schule zu sehen mit den Worten "Dumm gelaufen." Hogg bastelte mit den Schülern an einem alten Traktor, stieg mit ihnen in den Segelflieger, backte mit ihnen Dünnele und er holte sie in sein Boot. In einer szenischen Wiedergabe eines Gesprächsprotokolls veranschaulichten die früheren Weggefährten, Edgar Raible, Jose Leirer und Fritz Wäldin, Hoggs hartnäckiges Auftreten beim Schulministerium. Dort setzte er gegen großen Widerstand neue Konzepte in der Schule durch. Im Alleingang, ohne Genehmigung. Nachträglich führte das Ministerium diese neue Lernmethoden im ganzen Land ein. "Die Schüler und das Kollegium lagen mir immer am Herzen", erklärt Hogg. Die Pädagogen überreichen alphabetisch originelle Geschenke. Mit heiteren Anmerkungen, aber auch herzlichen Worten, garniert mit manchen Tränchen. In Versform blickt Hogg auf seine Zeit als Rektor der Eichendorff-Realschule zurück, wie auf die gemeinsamen Erlebnisse. Etwas Wehmut schwingt mit, aber noch mehr Freude.

Bild: Bittlingmaier, Albert