Für alle Narren hat die lange Durststrecke ohne Umzüge, Häs' und Büttenreden nun endlich ein Ende: Genau genommen seit dem 11. November und dementsprechend war an diesem Abend auch bei der Gottmadinger Gerstensack-Zunft so einiges los. Vergangenen Freitag begann offiziell die fünfte Jahreszeit und die Gerstensack-Zunft von Gottmadingen traf sich deshalb in der Fahrkantine. Zur traditionellen Fastnachtseröffnung wurde am Abend auch das diesjährige Motto bekannt gegeben, das sehr direkt zum närrisch sein aufforderte: "It nu schnorre – mitmache" heißt es jetzt bis Aschermittwoch.

Mit einem „Ich grüß euch alle hier von Herzen froh, Narri Narro!“, wurden die Narren im festlichen Ambiente der bunt dekorierten Fahrkantine von Zunftmeister John Weber begrüßt. Für die Zunft hatte der Tag schon morgens am Schneckenbrunnen begonnen, wo traditionell die Gerstensack-Fahne gehisst wurde, anschließend wurde das Programm für diese Fasnacht vorgestellt, bevor nun das lang ersehnte Motto bekannt gegeben werden sollte. Doch vorher wartete noch ein langer, lustiger Abend auf die Anwesenden. Zeremonienmeister Christoph Graf moderierte und Gerstensack-Kapelle und Fanfarenzug sorgten für musikalische Begleitung. Im Laufe des Abends wurden außerdem fünf Neuzugänge mit amüsanten Ritualen in die Zunft aufgenommen.

„Mir trinket Bier und Wein und heizet richtig ein…“

Die Drittklässler der Hebelschule präsentierten bunt bemalte Gerstensäcke, die ihnen von der Zunft zur Verfügung gestellt wurden, damit sie die Säcke im Kunstunterricht nach eigener Phantasie gestalten konnten. „Kummet nu vor, ihr Gerstensäckle!“, holte Christoph Graf die Kinder auf die Bühne. Es folgte eine Modeschau, in deren Rahmen die drei schönsten Gerstensäcke prämiert wurden und ihre Träger einen Gutschein für die Eisdiele erhielten. Schön bemalt waren aber natürlich alle Säcke und deswegen ging auch kein Kind leer aus.

Anschließend war den Lachmuskeln keine Pause mehr vergönnt, es folgte ein Beitrag auf den nächsten. Die Gerstensack-Zunft versuchte als letzte Bier-brauende Zunft des Landes reiche Sponsoren für die Vermarktung ihres Biers zu finden, das sich im Verkaufsgespräch als regelrechtes Rundum-Wundermittel entpuppte. Zwei ehemalige, „anonyme Narren“ redeten im Schattenspiel über ihre jahrelangen Höllenqualen bei der Organisation namens Zunft, und berichteten von ständiger Schunkelfolter, Schlafentzug und dem jährlichen Pilgern zur Narrenbaumtaufe. Die Zunfträte bemühten sich mit grauen Bärten, Gehstöcken und Altersbuckeln auf die Bühne und präsentierten Heimatklänge mit Gesang und Leierorgel. „Mir trinket Bier und Wein und heizet richtig ein…“, schmetterten die geistig Junggebliebenen, jedoch in einem derartigen Schneckentempo, dass vor Lachen kein Auge trocken blieb.

Den Zuslen hatte es zu Martini in diesem Jahr die Sprache verschlagen. Mit bedruckten Schildern ließen sie deshalb das Publikum für sich singen und versuchten sich sogar im Gedankenlesen.

Zu guter Letzt folgte die Enthüllung des Mottos. Zwei Fastnachts-Muffel saßen hinter ihren Fenstern und schimpften über das Fest. Zum Glück schafften es die Narren dann doch noch, sie zu bekehren und kamen zu dem Schluss: „It nu schnorre – mitmache!“


Der Verein

  • Die Narrenzunft Gerstensack besteht seit 1874 und ist seit fast eineinhalb Jahrhunderten fester Hauptbestandteil der Gottmadinger Fasnet mit Narrenspiegel, Gerstensack-Konzerte, dem eigens gebrauten Zunftbier und Fasnetmäntig mit Früschoppen und großem Umzug.
  • Fünf Neuzugänge begrüßt die Gerstensack-Zunft im 142. Vereinsjahr: Colin Zanger gehört ab jetzt zur Gruppe der Almenholzer, Robin Meissner wurde in die Narrenbolizei aufgenommen, ebenso wie Andreas Handloser, der nun nach einer zehnjährigen Pause wieder dabei ist. Silke Muntean und Christina Meier wurden in die Gruppe der Zuslen aufgenommen.