Wenn in Gottmadingens Kindergärten ein Erzieher krank wird, kann es gut sein, dass die Leitung der Einrichtung einspringen muss. Dann fehlt die Zeit an anderer Stelle. Um diese Situation zu ändern, hat die SPD-Fraktion schon vor einigen Monaten vorgeschlagen, die Kindergartenleitung zu entlasten und freizustellen. Die Gemeindeverwaltung hat das nun mit dem sogenannten Gute-Kita-Gesetz verknüpft und dem Ausschuss für Finanzen und Soziales vorgestellt, mit welchen Mitteln bis 2022 zu rechnen ist. Dabei blieb jedoch unklar, wie es danach weitergehen soll.

Das Gute-Kita-Gesetz spült viel Geld in Gottmadingens Kassen: Die Gemeinde rechnet mit 940 112 Euro gestaffelt bis 2022. Das Gesetz soll Betreuungseinrichtungen finanziellen Spielraum geben, um etwa Öffnungszeiten zu verlängern oder mehr Erzieher einzustellen. Dazu kommen Mehreinnahmen durch einen Zuschuss für neu eingeführte verlängerte Öffnungszeiten. Wie die Gelder unter den Gottmadinger Einrichtungen verteilt werden sollen, ist zwischenzeitlich geklärt, wie Kämmerer Andreas Ley erklärte: Punkte gibt es je nach Umfang der Betreuungsangebote, Größe der Einrichtung und Mittagessen. Entsprechend ihrer Punkte soll eine Einrichtung anteilig Geld erhalten. Die Höhe des jährlichen Betrags, die auf die Einrichtungen verteilt werden sollen, ist aber noch unklar.

Zur Diskussion standen in der Ausschusssitzung 280 000 Euro oder 315 000 Euro pro Jahr. Die Freistellung einer Einrichtungsleitung entspreche Kosten von rund 78 000 Euro, wie Bürgermeister Michael Klinger auf Nachfrage erläuterte. Laut Markus Dreier (SPD) könnten mit 315 000 Euro entsprechend 4,4 neue Stellen geschaffen werden: "Es ist eine Grundsatzentscheidung, was man für notwendig hält und sich als Kommune leistet, um das umzusetzen."

Ungewisse Zukunft

Ein Knackpunkt ist auch die Befristung der Gelder. Laut Bürgermeister Klinger geht es nach vielen Gesprächen besonders darum, wie es in finanziell schlechteren Zeiten weitergehen soll: "Wir wollen und müssen ein dauerhaft verlässlicher Partner sein", sagte er. Dennoch sollen die Mittel für vier Jahre befristet werden – so lange gibt es Geld dank Gute-Kita-Gesetz. Bernd Schöffling (CDU) befürwortete das, denn noch sei die Entwicklung unklar und ein Jahr vor Ablaufen der Frist könne man die Lage neu bewerten. Kirsten Graf (SPD) kritisierte hingegen, dass eine gute Arbeit in den Kinderbetreuungseinrichtungen auch unabhängig von Zuwendungen des Bundes oder Landes möglich sein sollte: "Kindergärten sollen immer mehr leisten und das muss jemand organisieren." Sie wisse nicht, ob ein Horizont von vier Jahren dafür ausreiche. Ensprechend fiel das Meinungsbild aus: Sieben Gemeinderäte sprachen sich für eine Befristung aus, vier dagegen. Sieben favorisieren die Summe von 280 000 Euro, vier wollen 315 000 Euro pro Jahr. Nun soll der Gemeinderat am Dienstag einen Kompromiss finden.