Wer derzeit in die Christkönig-Kirche nach Gottmadingen will, der steht vor verschlossenen Türen. Denn die Kirche ist seit einigen Tagen für Besucher gesperrt. Und daran wird sich nach Angaben von Dekan Matthias Zimmermann vorerst auch nichts ändern, wie er im Gespräch mit dem SÜDKURIER betont. „Wir werden auch weiterhin keine Besucher in die Christkönig-Kirche lassen. Uns ist die Tragweite dieser Entscheidung bewusst, doch wir wollen alle mögliche Gefahren ausschließen“, sagt der Geistliche. Wie lange die temporäre Schließung der Christkönigkirche andauern werde, lasse sich derzeit nicht abschätzen. Bei der Sperrung handelt es sich nach Angaben von Matthias Zimmermann um eine Sicherheitsvorkehrung, nachdem sich im Kirchenschiff vor ein paar Tagen ein Stück Deckenputz gelöst hatte.

Ein wackersteingroßes Loch klafft in der Kirchendecke.
Ein wackersteingroßes Loch klafft in der Kirchendecke. | Bild: Matthias Güntert

Stefan Burger, Mitglied des Stiftungsrates, war zusammen mit seiner Kollegin Iris Sienel und Dekan Zimmermann sowie Vertretern der Verrechnungsstelle und dem Erzbischöflichen Bauamt Konstanz am vergangenen Freitag in der Kirche zu einem Krisengespräch. Das Beschluss, die Christkönig-Kirche vorerst zu sperren, fiel einstimmig aus. „Bekannt ist, dass die Schäden durch von oben eindringendes Wasser verursacht wurden“, sagt Burger. Zu sehen ist in der Christkönig-Kirche ein Loch in der Decke, das in etwa die Größe eines Wackersteines hat.

Vier Ebenen sind beschädigt

Laut Burger sei durch insgesamt vier Ebenen der Decke Wasser durchgedrungen. So sei die Dachhaut beschädigt, weil einige Ziegel wohl undicht seien. Bereits in der Vergangenheit seien einzelne Schäden beseitigt worden, teilt Burger mit, etwa nach einer Putzabplatzung über der Marienstatue. Eine von der Verrechnungsstelle in Singen beauftragte Drohne war im Einsatz, um Schäden zu finden. Auch die Isolierung wurde durch eindringendes Wasser beschädigt. „In der Isolierung aus Mineralwolle sammelt sich das Wasser als erstes an, durchdringt die Mineralwolle und verteilt sich flächig. Mangels Durchlüftung trocknet sie auch nicht“, erklärt Stefan Burger. Aus der nassen Isolierung sickerte zudem Wasser in die Betondecke.

Tragfähigkeit ist eingeschränkt

Das größte Problem dabei: Die Durchnässung über einen längeren Zeitraum könnte dazu geführt haben, dass der Bewehrungsstahl in der Decke verrostet ist. „Damit wäre die Tragfähigkeit und Stabilität der Decke eingeschränkt“, sagt Burger. Das Resultat aus allen Schäden: Die abgehängte Decke wurde durch die Nässe durchweicht, hat ihre Tragkraft verloren. Deswegen sei hier der durchweichte Bereich nach unten herausgebrochen und auf die Kirchenbänke gestürzt.

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Eigentlich hätte eine Begutachtung des Schadens an der Decke der Christkönig-Kirche bereits in dieser Woche stattfinden sollen. Wie Dekan Zimmermann mitteilte, sei es aufgrund der Pfingstferien aber noch nicht zu einer Begehung gekommen. Eine Expertenrunde aus Vertretern des Bauamtes, der Architekten und Restauratoren soll nun am Mittwoch, 26. Juni, die Schäden untersuchen. „Dann wissen wir auch, wie groß die Schäden sind“, sagt Zimmermann.

An den Türen der Kirche ist zu lesen: Vorerst gibt es hier keinen Gottesdienst.
An den Türen der Kirche ist zu lesen: Vorerst gibt es hier keinen Gottesdienst. | Bild: Matthias Güntert

Von dieser Begutachtung hängen laut dem Geistlichen alle weiteren Schritte ab. Aus diesem Grund könne er zu diesem Zeitpunkt auch noch keine Angaben über die anfallenden Kosten beziehungsweise den Umfang der Reparaturmaßnahmen oder den Zeitraum der Schließung machen. Laut Burger werde an der Begutachtung auch jene Fachfirma teilnehmen, die vor 15 Jahren bei der Innenrenovierung die Verputzarbeiten an der Decke ausgeführt habe. „Diese Fachleute sollen beurteilen, ob die Gefahr weiterer Ausbrüche besteht. Bis von dort erste Aussagen vorliegen, bleibt die Kirche gesperrt“, sagt er.

Wer derzeit die Christkönig-Kirche besuchen will, der steht vor verschlossenen Türen.
Wer derzeit die Christkönig-Kirche besuchen will, der steht vor verschlossenen Türen. | Bild: Matthias Güntert

Laut Stefan Burger könnte bei den Baumaßnahmen größere Probleme entstehen. Er spricht von „langwierigen Prozessen“: „Auch wenn oben schon wieder alles trocken sein sollte, kann es sein, dass in den unteren Schichten noch Feuchtigkeit drinsteckt. Die abgehängte Decke kann man nicht von oben untersuchen, nur von unten mit entsprechendem Aufwand.“ Zudem sei die Tragkraft der Betondecke nicht bekannt, was die Untersuchungen allgemein erschweren könnte.

Sicherheit der Kirchgänger geht vor

Die Christkönig-Kirche bleibt weiterhin für Besucher geschlossen – Zeitraum: offen. Dennoch betont Dekan Matthias Zimmermann, dass der Beschluss, die Kirche zu sperren, kein leichter gewesen sei: „Die Sicherheit der Besucher geht aber vor.“ Auch über eine teilweise Sperrung – zeitlich begrenzt oder nur bestimmte Bereich – sei nachgedacht, aber für nicht vermittelbar erachtet worden. „Beim Gottesdienst wären die Besucher sicher auch ständig mit der Überlegung befasst, ob sie nicht doch gefährdet sind. Es lässt sich auch nicht guten Gewissens räumlich eingrenzen, zumal Nässe wohl vollflächig verteilt festgestellt wurde“, sagt Burger.