Die Diskussion um ein neues Gottmadinger Gewerbegebiet geht in die nächste Runde. Eine Anwohner-Initiative, die sich gegen die von der Gemeinde favorisierte Ausweisung eines Gewerbegebiets in ihrer Nachbarschaft südöstlich von Gottmadingen wehrt, legt nun in einem offenen Brief an Bürgermeister Michael Klinger und die Gemeinderäte eine neue Variante auf den Tisch. Sie bringen dabei eine im Jahr 2011 diskutierte mögliche Gewerbefläche östlich von Bietingen ins Spiel. Diese hatten die Gemeinde-Vertreter nicht mehr länger verfolgt, auch weil sich die Fläche in einem Gebiet befindet, das stark den Naturschutz tangiert. So kam in Bietingen das neue Gewerbegebiet Schweizer Tor zum Zug. Für das gibt es laut Bürgermeister Klinger etliche Bau-Interessenten. Ein Unternehmen will sogar die gesamte Fläche von etwa vier Hektar belegen und 200 Arbeitsplätze schaffen. „Die nun vorgeschlagene Bietinger Fläche liegt in einem landschaftlich geschützten Gebiet und es gibt auch eine Nähe zur Wohnbebauung“, betont Klinger.

Der Gemeinderat hat jüngst beschlossen, dass in Gottmadingen auch zwei negativ bewertete Varianten beidseits der Bundesstraße 34, in Richtung Singen, nochmals eingehend auf den Prüfstand gestellt werden sollen. Dadurch will das Gremium dem Anliegen der Anwohner Rechnung tragen.

„Wir freuen uns, dass in Folge der Offenlegung die Bürger im aktuell laufenden Prozess Gehör gefunden haben und sich die Verwaltung und der Gemeinderat nochmals intensiv mit verschiedenen Varianten auseinandersetzen werden. Hierbei erscheint uns eine ganzheitliche Betrachtung der Gemeinde Gottmadingen als geboten. Daher unterstützen wir ausdrücklich den Vorschlag der SPD-Fraktion zur Ausarbeitung eines Leitbildes für unseren Ort“, schreibt die Initiative. „Ein solches, idealerweise mit den Bürgern gemeinsam erstelltes Leitbild wäre eine solide Basis für die künftige Ausgestaltung und Weiterentwicklung von Gottmadingen als eine lebens- und liebenswerte Gemeinde, in der Wohnen und Arbeiten harmonisch in Einklang zueinander stehen“, heißt es weiter. Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung habe sich die Initiative die Mühe gemacht und die Standortuntersuchung nochmals aus größerer Perspektive angesehen. Dabei sei man auf eine bisher noch gar nicht diskutierte Variante gestoßen. Die Fläche östlich von Bietingen am Ende der A 81 sei im Jahr 2011 von der Gemeinde Gottmadingen bei der Suche nach einem neuen Gewerbegebiet mit „Rang 2“ beurteilt, der Südosten Gottmadingens dagegen als „nicht geeignet“ bewertet worden.

Ausdrücklich habe es geheißen: „Statt der Abwertung des Landschaftsbilds durch ein Gewerbegebiet soll der Südosten von Gottmadingen durch den Erhalt eines hochwertigen Landschaftsraums aufgewertet werden.“ Die damaligen Aussagen der Gemeinde deckten sich sehr beeindruckend mit den Bedenken der Anwohner heute, so die Initiative. Die Fläche am Autobahnende in Bietingen befinde sich jenseits von Wohnbebauung in einem gewerblich geprägten Gebiet und liege verkehrstechnisch optimal. Diese Variante erscheine darum auch heute noch ideal geeignet für eine eventuelle gewerbliche oder sogar industrielle Nutzung.

„Vor dem Hintergrund, dass derzeit noch Gewerbeflächen vorhanden sind und – wie von Bürgermeister Michael Klinger beim Dorfgespräch am 21. Dezember geäußert – aktuell keine offiziellen Anfragen vorliegen, setzen wir unser Vertrauen darauf, dass Verwaltung und Gemeinderat alle möglichen Alternativen ohne Zeitdruck und mit der gebotenen Sorgfalt prüfen werden“, erklärt die Initiative. Nicht zuletzt bitte sie dringend um die weitere Verfolgung des vor sechs Jahren eingeschlagenen Weges bezüglich des Südostens von Gottmadingen, wie er im Fazit der Gemeinde zur Standortuntersuchung 2011 formuliert worden sei.

„Die genannte Bietinger Fläche birgt sehr viel Konfliktpotenzial. Sie enthält einen Grünzug, der mit den Interessen des Naturschutzes kollidiert. Es gibt dort auch Ausgleichsmaßnahmen für den Bau der Autobahn. Außerdem befinde sich die Fläche in der Nähe von Wohn-Arealen“, erklärt der Gottmadinger Stadtbaumeister Florian Steinbrenner. Nachdem ein Gewerbegebiet westlich von Bietingen, in Richtung Thayngen, zum Zug gekommen sei, habe die Gemeinde die andere Bietinger Variante nicht weiter verfolgt, weil eine zweite Fläche im Verhältnis zur Größe von Bietingen unverhältnismäßig gewesen wäre. „Für weitere Planungen haben wir dann für Gottmadingen neue Varianten erstellt“, so Steinbrenner.

Die Gesamtlage habe sich geändert, Gottmadingen brauche dringend neue Gewerbeflächen. Der Ortsteil Bietingen sei künftig gut mit Gewerbe ausgelastet, betont Bürgermeister Klinger. „Es war ein langwieriges Unterfangen, bis die Ausweisung des neuen Bietinger Gewerbegebiets zustande kam. Vor allem die direkte Nachbarschaft zur Schweiz und die Anbindung an die B 34 mit der komplizierten Verkehrsführung zogen die Sache in die Länge“, erklärt Klinger. Es gebe schon etliche Anfragen von Unternehmen. Der Gemeinderat werde über die Vergabe entscheiden.

So geht es weiter

Nach der Prüfung von alternativen Standorten für das neue Gottmadinger Gewerbegebiet muss der Gemeinderat endgültig darüber entscheiden, welche der drei Varianten oder eine Mischung zum Zug kommt. Dann kann eine mögliche Änderung des Flächennutzungsplans dem Landratsamt Konstanz zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt werden. Für die einzelnen Abschnitte des Gewerbegebiets ist das Erstellen von Bebauungsplänen notwendig. Bei den Verfahren können sich wieder Bürger, Behörden und Interessensverbände beteiligen und Einsprüche einlegen.

Standortsuche fürein Gewerbegebiet

  • Die Varianten: Der Gemeinderat diskutiert über drei Varianten für die Ausweisung eines neuen Gewerbegebiets in Gottmadingen. Favorisiert hat das Gremium auf Vorschlag der Bauverwaltung eine Fläche südöstlich von Gottmadingen, die an das bestehende Gewerbegebiet Goldbühl, aber auch an ein Wohngebiet anschließt. Von dort gibt es großen Protest und im Zuge einer Offenlegung beim Verfahrens zur Änderung des Flächennutzungsplans gab es 400 Einsprüche, teils über Sammellisten. Nach dem Beschluss des Gemeinderats sollen zwei weitere Varianten nochmals eingehend auf den Prüfstand gestellt werden. Im Anschluss an die Osttangente gibt es eine Fläche in Richtung Singen. Sie liegt teils in einem Landschaftsschutzgebiet. Auf der anderen Seite der B 34 liegt ein Areal am Gebewergebiet Goldbühl, das mit Altmüll belastet ist. Dort müssten laut Gottmadinger Bauverwaltung Böden ausgehoben und mit Kies gefüllt werden. Diese könnte sich nachteilig beim Bau von Produktionshallen auswirken, so die Bedenken des Bauamtes.
  • So geht es weiter: Nach der Prüfung von alternativen Standorten für das neue Gottmadinger Gewerbegebiet muss der Gemeinderat endgültig darüber entscheiden, welche der drei Varianten oder eine Mischung zum Zug kommt. Dann kann eine mögliche Änderung des Flächennutzungsplans dem Landratsamt Konstanz zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt werden. Für die einzelnen Abschnitte des Gewerbegebiets ist das Erstellen von Bebauungsplänen notwendig, das ebenfalls beim Landratsamt zur Genehmigung eingereicht wird. Bei den Verfahren können sich Bürger, Behörden und Interessensverbände beteiligen und Einsprüche einlegen.(bit)