Moderator Christoph Graf hat seinen Blick weit in die Region und über die Grenze schweifen lassen und jede Menge Kuriositäten aufgegabelt, die er jetzt beim selbstgebrauten Gerstensaft gut gewürzt serviert. Zum Beispiel den Thaynger Gemeindepräsidenten Philipp Brühlmann, der sich heimlich als Binniger Segelflieger betätigt und gerne im Hegau einkaufen geht. Ihn würde Graf sofort unter den europäischen Rettungsschirm holen, damit er über den Wolken nicht verloren geht.

Bei bester musikalischer Unterhaltung durch die Gerstensack-Kapelle folgte eine Stichelei nach der anderen. Poppele-Zunftmeister Stephan Glunk erhielt erst mal Frontalunterricht in Latein, wodurch auch der Name des neuen ECE-Einkaufszentrums "Cano" endlich richtig eingeordnet wurde.
 


Der Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee und Ehrengerstensafter, Rainer Hespeler, musste im Büßergewand für seine Kritik am Narrenbier Abbitte leisten. Und der Leiter des Langensteiner Museums, Michael Fuchs, erklärte als Bauchredner im fiktiven Dialog mit Walter Benz, was er unter dem virtuellen Museum 4.0 versteht.

Tengens Bürgermeister Marian Schreier wurde als Frühschoppen-Neuling mit einem persönlichen Windrad ausgestattet. Er schilderte das Dilemma der Wiechser Windräder, die sich von der Grenze nicht wegbewegen können, weil sie in der Schweiz nur tags und in Deutschland nur nachts transportiert werden dürfen. Die heiße Luft in Stadt- und Kreisrat erzeuge derweil genug Energie für das Schreiersche Mini-Windrad. Das Publikum aus dem Hegau amüsierte sich köstlich. Als Neuling trat die Grünen-Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger auf die Bühne, um als Kräuterhexe für Klinger und Co. Stärkungsmittelchen zu verschachern.

Michael Klinger drückte als geldhungriges rosa Sparschwein auf Tränendrüse, um für den 20 Millionen Euro teuren Schulneubau zu sammeln. Doch Christoph Graf entlarvte dieses Gejammer als "postfaktisch" und wies dem Schultes Dagobert-Ducks-Eigenschaften nach.

Einen glanzvollen Auftritt absolvierte der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Jung in freier, gereimter Rede als Sumo-Ringer. Als solchen wollen ihn die Gerstensäcke in den Bundestagswahlkampf schicken. Der Polit-Profi gab sich weltmännisch und international, indem er die französischen Gäste aus Champagnole, den Schweizer Philipp Brühlmann und den 87-jährigen Italiener Philippo Rosato in seine Rede einschloss. Damit folgte er dem Motto des Vormittags, das sich bei klarer Abgrenzung gegen rechte Strömungen ganz der Integration widmete.

Der närrische Frühschoppen in Gottmadingen gehört zu den wichtigsten Rosenmontagsveranstaltungen im Hegau. Hier nutzen die Gerstensäcke die Gelegenheit, nicht nur der lokalen bis hin zur Bundespolitik den Spiegel vorzuhalten. Die gewählten Vertreter werden in der Bütt ganz volksnah auf die Probe gestellt und müssen ihre Schlagfertigkeit beweisen. Nach dieser Pflichtveranstaltung für Vertreter aus Politik uns Wirtschaft folgt dann am Nachmittag der bedeutendste Umzug der Region. Damit ist Gottmadingen am Faset Mäntig der Schmelztiegel der Narren.