Medien-Deutschland diskutiert über den Auftritt von Annegret Kramp-Karrenbauer vor dem Stockacher Narrengericht, beim Frühschoppen der Gerstensäcke in Gottmadingen am Montagmorgen rangierte die Debatte allerdings eher unter der Rubrik eines schlechten Witzes. Für den CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Jung war die Angelegenheit während seiner närrischen Rede im Halbrund des Gerstensack-Bierseidels nicht einmal eine Notiz wert – obwohl der Politiker erfahrungsgemäß selten in Verlegenheit zu bringen ist, wenn es um den Einbau gewitzter Bemerkungen zu aktuellen Entwicklungen geht.

Am Rande des Stelldicheins von regionaler Fasnachtselite und Politik fand Andreas Jung gegenüber dem SÜDKURIER dann allerdings doch klare Worte zu den Berliner Aufgeregtheiten. Die im Fall des Auftritts von Annegret Kramp-Karrenbauer angewandte Form der politischen Korrektheit zerstört seiner Ansicht nach die Fasnacht, da "sie sich nicht für die Goldwaage eignet". Im politischen Berlin verstehe man offensichtlich nicht, dass man Äußerungen während der Fasnacht kaum für bare Münze nehmen könne. Außerdem verwies Andreas Jung darauf, dass es Annegret Kramp-Karrenbauer bei ihrer Verteidigungsrede vor dem Stockacher Narrengericht weniger um die Debatte über transsexuelle Identität ging als um das Macho-Gehabe der Richter.

Derbheit und Diplomatie

Wie das Stockacher Narrengericht wurden auch die gut zwei Stunden des Frühschoppens der Gerstensäcke reichlich fürs Ausloten des Witzes genutzt: Kalauer, Scherz, Zote, Brüller, Rohrkrepierer – es war von Vielem etwas dabei. Bestnoten verdiente sich dabei Andreas Jung in der Rolle eines französischen Abgesandten, wobei es wie bei AKK manche Derbheit gewiss nicht ins Wörterbuch für die gehobene Sprache der Diplomatie schaffen wird – zum Beispiel, wenn sich der Weckruf "en marche" des französischen Präsidenten Emmanuel Macron aus der Perspektive der Gelbwesten auf "am Arsch" reimt.

Schreier beherrscht Selbstironie

Als Meister beim heiklen Drahtseilakt des Politikers als Narr erwies sich beim Frühschoppen einmal mehr auch Marian Schreier. Der Bürgermeister aus Tengen mit SPD-Parteibuch versteht sich dabei bestens auf Selbstironie, etwa wenn er den Unterschied Fasnacht zu SPD-Parteitagen daran festmacht, dass er bei den Genossen keinen Eintritt zu zahlen habe.

Michael Klinger kann alles

Eine andere Methode praktizierte beim Frühschoppen in der Eichendorffhalle der Hausherr und Gottmadinger Bürgermeister Michael Klinger. Er spielte den Alleskönner, was ihm prompt einen Zwischenruf von Gerstensack-Zeremonienmeister und Frühschoppen-Moderator Christoph Graf eintrug – von wegen der Überprüfung der Wahrnehmungsfähigkeiten des Rathauschefs.

Während Michael Klinger, Marian Schreier und Andreas Jung bei ihren Auftritten auf den Bühnen der Narren über einige Erfahrung verfügen, war's für Benjamin Mors eine Premiere. Der Bürgermeister aus Steißlingen ist seit einem Jahr im Amt und ihm wurde Hans-Peter Lehmann, seines Zeichen seit 29 Jahren Chef im Rathaus von Mühlhausen-Ehingen, zur Seite gestellt. Während Benjamin Mors ungeniert auf die Mitleidstour kam, weil seine in Wirklichkeit steinreiche Gemeinde bittere Not leide, hatte Hans-Peter Lehmann mit seinem Witz über seinen Amtskollegen Alfred Mutter die Lacher auf seiner Seite. Dem beneidenswert drahtig-durchtrainierten Bürgermeister aus Volkertshausen bezeichnete Hans-Peter Lehmann als Fleisch gewordene Bohnenstange, dem beim Spaziergang am Dorfbach die Enten das Brot hinterherwerfen.

Birgit Homburger versucht's mit singen

Zu einem unverhofften Auftritt beim Frühschoppen verhalf Andreas Jung übrigens noch der früheren FDP-Bundestagsabgeordneten Birgit Homburger, die dabei unter dem Gelächter der versammelten Narren – unter anderem auch einer stattlichen Abordnung der Singener Poppele – unter Beweis stellte, dass sie noch immer nicht wirklich gut im Singen ist. Musikalisch gut beieinander waren dagegen der Fanfarenzug und die Kapelle der Gerstensäcke.