Nachdem klar ist, dass Gottmadingen eine neue Schule baut, beginnt nun die Diskussion, was auf dem Gelände der Eichendorff-Schule nach deren Abriss geplant werden soll. "Was kann auf diesem zentralen Gebiet entstehen?", fragt sich Gottmadingens Bürgermeister Michael Klinger. Aber bevor er eine Antwort darauf geben will, sollen die Bürger befragt werden. Mit den Nachbarschaftsgesprächen am Freitag, 5. April, soll gemeinsam mit dem Gottmadinger Sozialkreis das nächste, große Bürgerbeteiligungsprojekt in der Gemeinde angestoßen werden.

Die Gemeinde Gottmadingen hat in den vergangenen Jahren reichlich Erfahrung in diesem Bereich gesammelt. Neben den bereits traditionellen Dorfgesprächen wurden zuletzt die Mitbürger in die Planung der Freibaderneuerung eingebunden und beim Schulneubau intensiv beteiligt. Jetzt soll das Quartier Rattenäcker, wie das Eichendorff-Areal offiziell heißt, als nächstes Zukunftsprojekt gestartet werden – mit finanzieller Unterstützung durch die Landesförderprogramme Quartier 2020 und Nachbarschaftsgespräche. "Dies ermöglicht uns, den Prozess moderieren zu lassen", erklärt der Gottmadinger Stadtplaner Florian Steinbrenner. Einmal mehr kommen dabei die Experten des Konstanzer Beratungsunternehmens Translake zum Zug, um die Beteiligung zu begleiten. Zudem soll eine Planungsgruppe aus politischen Vertretern und interessierten Bürgern gebildet werden.

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"Die Eichendorffschule zieht 2021 um und macht Platz für Neues", erklärt Klinger. Die Zeit bis dahin soll mit Vorträgen, Diskussionen und Exkursionen genutzt werden, um herauszufinden, wie die Fläche in Zukunft genutzt werden soll. Am Ende werde ein Pflichtenheft für potenzielle Investoren entwickelt. Denn eines sei klar: Um die Finanzierung des Schulneubaus zu sichern, sei die Gemeinde auf den Verkauf des Grundstücks angewiesen. Völlig offen sei die Nutzung dadurch nicht. Für Klinger sei es aber auch eine gesellschaftliche Verantwortung, die frei werdenden Flächen für Wohnbebauung zu nutzen – idealerweise für ein Mehrgenerationenprojekt.

Bürgermeister Michael Klinger und Stadtplaner Florian Steinbrenner stellen das Konzept der Nachbarschaftsgespräche vor.
Bürgermeister Michael Klinger und Stadtplaner Florian Steinbrenner stellen das Konzept der Nachbarschaftsgespräche vor. | Bild: Biehler, Matthias

Im Prozess werde deshalb auch das viel diskutierte Singener Projekt zur Entwicklung eines neuen Stadtquartiers unter dem Namen „LebensWert Wohnen und Arbeiten in Singen“, dessen Realisierung in der Kleingartenanlage Knöpfleswies an Bürgerprotesten gescheitert ist, vorgestellt. Klar ist für Klinger, dass es in der Verantwortung der Gemeinde liege, solche Projekte anzustoßen. Aber auch die Betroffenen hätten eine Verantwortung, daran mitzuwirken. Damit habe man bei den vergangenen Beteiligungsmodellen gute Erfahrungen gesammelt. Den Kreis der Betroffenen will Klinger nicht auf die Anwohner beschränken, sondern lädt alle Interessierten – auch über die Gemeindegrenzen hinaus – zum Mitmachen ein. Betroffen könne auch sein, wer nach einem neuen Lebensmittelpunkt in einem Mehrgenerationenquartier suche.

Auf dem Areal der Eichendorffschule in Gottmadingen soll nach 2021 das „Quartier 2020 Rattenäcker – Gemeinsam die Zukunft gestalten“ entstehen.
Auf dem Areal der Eichendorffschule in Gottmadingen soll nach 2021 das „Quartier 2020 Rattenäcker – Gemeinsam die Zukunft gestalten“ entstehen. | Bild: Biehler, Matthias

Ausgeklammert bleibe vorerst der Bereich der Eichendorfhalle, wie Klinger erläutert: "Die Halle ist für die nächsten Jahre funktionstüchtig." Klinger sieht aktuell keinen Diskussionsbedarf in dieser Frage. Ein zusätzliches Millionen-Projekt könne die Gemeinde derzeit nicht stemmen. Zudem stehe er in Randegg im Wort, wo die Sanierung der Mehrzweckhalle noch immer nicht abgeschlossen sei.

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