Ein langes, ödes Wochenende auf einem LKW-Parkplatz am Grenzübergang Bietingen wollten sich mehrere Brummifahrer im September 2018 schöntrinken. Schon am Samstagvormittag wurden die Wodkaflaschen herumgereicht. Bis Montag würde man wieder nüchtern und topfit sein, dachten sich die Männer. Darunter auch ein 31-jähriger Familienvater.

Mit zwei Promille auf der B 34

Wenig gegessen, viel getrunken, das vernebelte dem Mann dermaßen das Gehirn, dass er gegen 21 Uhr mit mehr als zwei Promille Alkohol im Blut in seinen Lastwagen stieg und mit seinem 35 Tonnen schweren Auflieger losfuhr. Nach zehn Minuten Fahrt auf der B 34 in Richtung Gottmadingen schloss er auf einen VW Passat auf, der mit den vorgeschriebenen 70 Stundenkilometern unterwegs war.

LKW fährt auf Passat auf

Das war ihm zu langsam. Insgesamt drei Mal fuhr der Fahrer mit seinem Lastwagen auf den Passat eines Ehepaars auf. Zuletzt schob er ihn in Gottmadingen vor sich her, bis der Wagen fahruntüchtig liegen blieb. Als der 47-jährige Passatfahrer ihn zur Rede stellen wollte, fuhr der 31-jährige LKW-Fahrer wieder an und hielt direkt auf den Mann zu, der sich mit einem Sprung zur Seite rettete. Dann machte er sich aus dem Staub.

Betrunkener fährt auf Polizistin zu

Die alarmierte Polizei entdeckte den Lastwagen kurze Zeit später in der Georg-Fahr-Straße, wo der betrunkene Fahrer eine Passantin nach dem Weg fragte. Als die Beamten ihn aufforderten, den Motor auszustellen, fuhr er auf eine Polizistin zu, die ihm den Weg versperren wollte. Sie sprang geistesgegenwärtig zur Seite, wurde aber leicht am Arm verletzt. Nach 200 Metern hielt der 31-Jährige schließlich an und verschanzte sich in seiner Fahrerkabine.

Vom Amtsgericht Singen verurteilt

Nachdem weitere Polizeikräfte eingetroffen waren, konnte der Lastwagen-Fahrer von zwei Beamten überwältigt werden. Er landete in Untersuchungshaft und wurde Anfang des Jahres vom Amtsgericht Singen zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Dagegen legten sowohl die Staatsanwaltschaft, die zwei Jahre und acht Monate Haft gefordert hatte, als auch der 31-Jährige Berufung ein.

Nach einem neuen Urteil des Landgerichts Konstanz gelangte der äußerst reumütige Mann jetzt nach acht Monaten Gefängnis wieder auf freien Fuß: Die Berufungskammer verhängte zwei Jahre Haft und setzte die Strafe für drei Jahre zur Bewährung aus.

LKW-Fahrer: „Ausnahmesituation“

Bei der Urteilsfindung fielen der mit 13 700 Euro hohe Schaden, der Schreck und die Verletzungen des Ehepaars auch jetzt wieder schwer ins Gewicht. Doch man nahm dem 31-Jährigen ab, dass es sich damals um eine Ausnahmesituation gehandelt hatte. Er beteuerte, niemals so viel Alkohol zu trinken, auch habe er damals kaum etwas gegessen und wegen eines eingeklemmten Nervs unter starken Schmerzen gelitten.

Monatsgehalt von 600 Euro

Seit zehn Jahren sei er ohne jegliche Vorkommnisse jede Woche in ganz Mitteleuropa unterwegs: „In zehn Tagen fahre ich 7000 Kilometer“, erklärte der LKW-Fahrer. Und das für ein Monatssalär von 600 Euro. „Wenn ich ständig so viel trinken würde, könnte ich diesen Beruf gar nicht ausüben“.

Tatsächlich wiesen Strafliste und Fahreignungregister bei dem Fahrer keine Eintragungen auf. Wie beim Amtsgericht, wurde auch jetzt eine eingeschränkte Schuldfähigkeit zur Tatzeit festgestellt.

Zwei Jahre Fahrverbot

Mit ausschlaggebend für die mildere Strafe war auch, dass das geschädigte Ehepaar aus dem Passat dem Mann die schlimme Tat verziehen hat. Nach der Verhandlung am Amtsgericht Singen hatten sie sich fast freundschaftlich von ihm verabschiedet.

In Deutschland darf der Familienvater zwei Jahre lang kein Fahrzeug mehr führen und muss danach eine neue Fahrerlaubnis beantragen. Das Urteil der Berufungskammer ist bereits rechtskräftig.