Der Rohbau für das Wohn- und Geschäftshaus an der Hauptstraße in Gottmadingen ist fertig und an der Hülle ist bereits erkennbar, dass das Zentrum der Gemeinde dadurch in mehrfacher Weise aufgewertet wird. Im Vergleich zum vorherigen Zustand gehört dazu allerdings nicht viel. Thomas Conrady, Geschäftsführer der in Gottmadingen ansässigen Gebäudedienstleister GmbH und Investor des Gebäudekomplexes, wies beim Richtfest selbst auf den wenig ansehnlichen Anblick der einstigen Baulücke und Kiesgrube hin.

Investitionsgespräche beim Joggen

Ein Dorn im Auge muss das auch Michael Klinger gewesen sein, denn der Bürgermeister hat seinen Jogging-Partner Thomas Conrady nach dessen Angaben immer mal wieder während des Laufens „geschuckt“ und darauf hingewiesen, dass er endlich mal etwas zur Beseitigung der Brachfläche unternehmen sollte. Auf jeden Fall sind da die richtigen Kandidaten zusammen durchs Gelände getrabt: Ein Drittel des Baugrunds gehörte laut Thomas Conrady der Gemeinde, zwei Drittel befanden sich in seinem Eigentum.

Man wurde sich handelseinig, womit der Weg frei war für eine bauliche Nutzung des als Kohlberg bezeichneten Areals. Thomas Conrady machte dabei beim Richtfest keinen Hehl aus seinen begrenzten Fähigkeiten in baulichen Angelegenheiten, weshalb er sich gleich in mehrere Richtungen verneigte. Seine Lebenspartnerin Nina Ache-Hirschmann habe die Rolle der Mutmacherin übernommen, die architektonische Umsetzung der Ideen lag in den Händen des Konstanzer Architekten Tobias Kraus und für das Team der Bauherren, die danach die Baukoordination samt des Controllings übernahmen, dankte der 60jährige Investor stellvertretend Dirk Drössel.

Applaus für den in Reimen verfassten Bericht beim Richtfest: Die Besucher stehen im Atrium des Rohbaus im Gottmadinger Ortskern, das zu den architektonischen Besonderheiten des Gebäudes zählt.
Applaus für den in Reimen verfassten Bericht beim Richtfest: Die Besucher stehen im Atrium des Rohbaus im Gottmadinger Ortskern, das zu den architektonischen Besonderheiten des Gebäudes zählt. | Bild: Tesche, Sabine

Doch trotz der Fachleute verliefen die Bauarbeiten den Ausführungen von Thomas Conrady zufolge seit der Grundsteinlegung vor elf Monaten schweißtreibend. Einer der Gründe: Die Bau-Branche boomt und wie überall, wo derzeit das Handwerk gefragt ist, stellte die Vergabe der Arbeiten eine ganz eigene Herausforderung dar.

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Die respektvolle Anerkennung für die handwerklichen Leistungen inklusive der Abstimmung der einzelnen Gewerke korrespondierte übrigens mit einem Lob des Zimmermanns Volker Drexler. Beim Richtspruch baute dieser die Bemerkung ein, dass er keine Baustelle erlebt habe, auf der ähnlich viel aufgeräumt und geputzt wurde. Aber wen wundert‘s bei einem Investor, der mit dem Geschäft rund um Sauberkeit und Hygiene rund 76 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht.

Dachlandlandschaft als Zitat der Industriegeschichte

Das wird nach der Fertigstellung des Wohn- und Geschäftshauses aller Wahrscheinlichkeit so bleiben, denn die Cowa GmbH, deren Sitz sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindet, zieht mit ein – in dem Bau wird ein Schulungsraum des Unternehmens eingerichtet. Die zehn in ihren Zuschnitten jenseits von Stangenware sich befindenden Mietwohnungen sind im oberen Bereich untergebracht, im Erdgeschoss ist Raum für Geschäfte. Nach außen hin werden vor allem durch das Zitat an die Dachlandschaft des früheren Industrie-Parks Fahr sowie die Klinkerfassade architektonische Akzente gesetzt.

  • Namenswettbewerb: Der Investor hat im Rahmen des Neubaus zu einem Namenswettbewerb aufgerufen, an dem sich die Familie Ringbeck mit ihrem Vorschlag durchsetzte. Der Gebäudekomplex wird demnach den Namen BRIGG tragen. Er leitet sich ab von dem englischen Begriff Brick (für Ziegel) und nimmt Bezug auf die Klinkerfassade. Durch die Umwandlung von Brick zu Brigg soll zugleich ein Bezug zu Gottmadingen hergestellt werden.
  • Alternative Namensvorschläge: Im Rennen um die Bezeichnung waren auch Bezeichnungen mit traditioneller Intention – wie etwa „Bilger Kurve“ in Anlehnung an die Vergangenheit des Geländes als Standort einer Brauerei. In einem anderen Vorschlag sollte mit dem Namen „Kohlibri“ Bezug zur aktuellen Grundbuch-Bezeichnung des Areals als Kohlberg genommen werden. Ebenfalls im Wettbewerb befanden sich Bezeichnungsvorschläge wie „Tectum“, „CoCo“, „ZACK“ oder „UFFI“.
  • Daten zum Gebäude: Das BRIGG steht auf einer Grundfläche von 27 mal 27 Metern, die Nutzfläche (drei Vollgeschosse sowie ein Dachgeschoss sowie das Kellergeschoss und eine Tiefgarage mit 18 Parkplätzen) beträgt 2300 Quadratmeter. Die Wohnfläche der zehn Mietwohnungen beläuft sich auf 1000 Quadratmeter, die Wohnungen haben einen Zuschnitt von 55 bis 110 Quadratmetern. Für Büros stehen 650 Quadratmeter zur Verfügung, ebenfalls 650 Quadratmeter sollen als Ladenfläche genutzt werden. Laut Architekt Tobias Kraus ist für den Fall des planmäßigen Verlaufs der weiteren Bauarbeiten in etwa acht Monaten mit der Fertigstellung des Gebäudes zu rechnen.