Stumm, aber herzlich fiel die Begrüßung aus: Die Kinder des St. Bernhardus-Kindergartens hießen Landrat Zeno Danner, Gailingens Bürgermeister Thomas Auer, den Behindertenbeauftragen Oswald Ammon und Stefan Benner von der Kindergarten-Geschäftsführung des katholischen Dekanats Hegau in Gebärdensprache willkommen.

Erzieherin Anita Ciesla erläuterte, dass die Kinder während des zweiwöchigen Projekts Slow Inclusion erfuhren, wie ein Kind mit Sprache umgeht, wenn es nicht hören kann. Es lernt die Gebärdensprache, erfuhren die Kinder und durften gleich ausprobieren, wie das geht. Das Einüben der Gebärdensprache ist gelungen. Zumindest reichten die Kenntnisse, um Landrat und Bürgermeister zu begrüßen. Aber die Kinder haben auch gelernt, ihre Namen in Gebärdensprache auszudrücken. Dafür machten der Landrat und der Bürgermeister den Kleinen große Komplimente.

Wie es ist, wenn man an Stöcken gehen oder im Rollstuhl sitzen muss, erfuhren Kinder im St. Bernhardus Kindergarten.
Wie es ist, wenn man an Stöcken gehen oder im Rollstuhl sitzen muss, erfuhren Kinder im St. Bernhardus Kindergarten. | Bild: Wolfgang Schreiber

Bei Slow Inclusion, eine Wortschöpfung des Behindertenbeauftragen Oswald Ammon, geht es um eine frühe und spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema Inklusion. „Was heißt Inklusion?“, fragte Bürgermeister Auer die Kleinen. Sie antworteten: „Wir sind alle gleich.“ Es gehe darum, zu einem Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung zu kommen. Über das Förderprogramm „Impulse Integration 2020“ des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg erhielt der Landkreis Konstanz für das Projekt Slow Inclusion eine Förderung von 6480 Euro.

Geld kommt zum Einsatz für Rollatoren und Rollstühle

Der Zuschuss ist zweckgebunden. Er dient der Beschaffung von Geräten wie Gehhilfen, Rollatoren, Blutdruckmessgeräten, Rollstühlen oder Hörgeräten für Kinder. In diesem Zusammenhang hat vom 5. bis 16. Juli 2021 ein gemeinsames Projekt mit dem Behindertenbeauftragen des Landkreises, Oswald Ammon, und dem Katholischen Kindergarten St. Bernhardus in Gailingen stattgefunden. Ammons Grundidee ist: Die Inklusion bereits im Vorschulalter allen Kindern in den Kitas nahezubringen.

Geschichten von Inklusion und vom „Anders-Sein“

Kindergartenleiterin Tanja Frühwirth und Cornelia Wegner-Schmidt, Leiterin des Schulkindergartens Hegau-Jugendwerk, stellten dem Landrat, dem Bürgermeister und dem Behindertenbeauftragen vor, was in dem Projekt erarbeitet wurde. Das St. Bernhardus-Team Anita Ciesler, Claudia Auer, Anne Hüster, Verena Sienel, Kerstin Hirschenauer von der Sprach-Kita und Praktikantin Anna Marie Zahn haben mit Geschichten wie der vom blinden Mann Weissstock und Klara im Rollstuhl aus „Heidi“ die Kinder erfahren lassen, wie es ist, mit einem Stock zu gehen, nichts zu sehen, dafür zu fühlen, die Blindenschrift kennenzulernen und im Rollstuhl zu fahren.

Cornelia Wegner-Schmidt vom Schulkindergarten des Hegau-Jugendwerks berichtete von gemeinsamen Treffen der behinderten Kinder des Jugendwerk-Kindergartens mit den St. Berhardus-Kindern und versicherte, dass Kinder mit Behinderungen sich nichts sehnlicher wünschen als wieder einmal andere Kinder zu treffen. Sie wollen integriert sein, mit andern spielen und etwas lernen.

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Sie erwähnte die schon seit Jahren gute Kooperation der beiden Gailinger Institutionen und wies darauf hin, dass Inklusion viel Zeit, pädagogisches Wissen, Fördergelder, Hilfsmittel und gutes Personal benötige. Wegen der Pandemie durften die Jugendwerk-Kinder die Bernhardus-Kinder nicht besuchen. Aber Cornelia Wegner-Schmidt hatte einen Gruß mitgebracht: Handabdrücke der Jugendwerk-Kinder. Die Bernhardus-Kinder durften unter Anleitung ihrer Erzieherinnen ihre Hände einfärben und auf dem gleichen Karton abdrucken. So ist zum Andenken an das Projekt, das in ein wenig geringerer Intensität weitergeführt wird, das Bild „Helfende Hände“ entstanden.