Die Kammermusik am Hochrhein begann das Beethoven-Jahr 2020 Pandemie-bedingt mit halbjähriger Verspätung und an einem anderem Ort: Statt im Saal der Kliniken Schmieder fand das Konzert in der Gailinger Hochrheinhalle statt. Und wie sich zeigte, kann Klassik in der Mehrzweckhalle sehr wohl funktionieren. Zum einen weil die Gailinger Halle nichts vom Hauch einer solchen versprüht und zum anderen und vor allem deshalb, weil sich eine hervorragende Akustik offenbarte, welche in ihrer schonungslosen Klarheit und Präzision aber auch eine Herausforderung darstellte.

Das Konzert begannen Igor Malinovsky an der Violine und Robert Umansky am Klavier mit Ludwig van Beethovens Romanze für Violine und Orchester in F-Dur Op. 50. Dank Umanskys leichtem Spiel hatte die Interpretation nichts von einem imitierten Orchester; sie wirkte eher wie ein kammermusikalisches Werk, ohne jedoch ihre Weite und Charakteristik zu verlieren. Die beiden Musiker verliehen der Musik etwas Unaufgeregtes ohne zu starke Betonungen, behielten jedoch immer eine klare Führung. Ebenso auch das Schwester-Werk in G-Dur, das, den zweiten Teil nach der Pause einleitend, vor allem auch durch das zügige und somit schnörkellose Tempo überzeugte.

Beethoven gegenübergestellt wurden die ersten zwei Sonaten des Opus 10 seines Zeitgenossen Carl Maria von Weber. Auch dank der frischen Interpretation der Musiker waren die Werke frei von Webers Freischütz-Image; es gelang vielmehr die fast schon frühklassische Leichtigkeit mit der modernen frühromantischen Weite zu verbinden, was für einen außergewöhnlichen aber charmant überzeugenden Eindruck sorgte. Immer wieder durchblickende Wildheit wechselte sich mit triumphierenden oder humoristischen Parts ab, offene oder versteckte Dialoge mit innigen Passagen.

Ludwig van Beethovens Violinsonate Nr. 3 in Es-Dur überraschte immer, sei es durch Dialogführung, Steigerungen mit unerwarteten Ausgängen oder diversen versteckten Schwierigkeiten. Der minimalistische Beginn des zweiten Satzes, der immer schwelgender wird, bis er immer wieder von Schlägen unterbrochen wird, hätte ohne die feinfühlige Spielweise von Igor Malinovsky und Robert Umansky als Duo nicht so wirken können.

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Auch im immer wieder furiosen, dauernd in Bewegung bleibenden dritten Satz blieben die Musiker stets präzise, verliehen der Musik jedoch trotzdem etwas natürliches und lebendiges. Den Abschluss bildete Ludwig van Beethovens Violinsonate Nr. 9 in A-Dur, auch als Kreutzer-Sonate bezeichnet. Der Komponist beschritt mit ihr eine neue, andere Ebene, voller Tiefe und Tragweite. Igor Malinovsky und Robert Umansky trugen mit ihrer konzertanten und orchestralen Spielweise in nicht unerheblichem Maß zu diesem Fortschritt bei und ließen das Werk auch durch ihre Präzision glänzen.

Neben dem immer wieder sehr vielseitigen und virtuosen Eröffnungssatz und dem stürmisch wilden und überschwänglich drängendem Presto zum Schluss, bleibt vor allem der anstrengende, immer komplizierter werdende Variationssatz in Erinnerung. Die Faszination geht nicht nur von Beethoven als perfektionistisch durchdacht und trotzdem natürlich komponierenden Variationskönig aus, sondern auch von Malinovskys und Umanskys Interpretation.

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