Es mag einem vorkommen wie bei Asterix und Obelix: Überall im Landkreis herrschen hohe Inzidenzzahlen, nur in einer kleinen Gemeinde am Rande des Staatsgebietes, umschlossen von der Schweiz, tendierte die Zahl der registrierten Corona-Infizierten während vieler Tage gegen Null. Zurzeit wird nur ein einziger Fall auf der Infografik des Gesundheitsamtes des Landkreis Konstanz aufgeführt. In der Vergangenheit wurden in Büsingen insgesamt 48 Fälle registriert.

Wie ist diese momentan tiefe Inzidenz in Büsingen möglich? Aus dem Rathaus tönt es, das sei reiner Zufall, ein Geheimrezept oder eine schlüssige Begründung gebe es nicht. Auch die Ärzte in Gailingen, Michael Psczolla und Hartmut Kästner, die Büsinger Patienten behandeln, können keine besonderen Gründe anführen. Büsingen sei mit 1500 Einwohnern die kleinste im Landkreis, man lebe nicht eingeengt, alle Leute könnten sich im Freien bewegen, die Touristen blieben aus. Hartmut Kästner verweist auf die Höri-Gemeinden und sagt, auch dort sei die Zahl der positiv auf Corona Getesteten niedrig.

Marlene Pellhammer, Pressesprecherin des Landratsamtes Konstanz, gibt auf die Frage, warum die Corona-Fälle in Büsingen und Gailingen vergleichsweise selten sind, folgende Antwort: Die Pandemie sei ein dynamisches Geschehen in beide Richtungen. Es sei nicht außergewöhnlich, dass es in einzelnen Gemeinden phasenweise zu besonders wenigen, aber auch zu besonders vielen Fällen kommen könne: „Umstände für eine andere Erklärung sind uns nicht bekannt.“ Sie berichtet, dass auf die an einem Wochenende vorgenommenen Tests folgende Ergebnisse feststanden: Gailingen: 111 getestet, 0 positiv; Büsingen: 69 getestet, 0 positiv.

Enge Verzahnung mit der Schweiz

Dabei ist die Grenze weit geöffnet: Menschen aus der Schweiz, aus Schaffhausen, besuchen Büsingen. Andererseits arbeiten viele Büsinger im Kanton Schaffhausen. Viele Büsinger sind in der Schweiz krankenversichert und lassen sich in der Schweiz medizinisch behandeln.

Werden möglicherweise aus der Schweiz keine infizierten Büsinger gemeldet? Doch. Daten von Fällen und Kontaktpersonen werden in der Regel übermittelt. Das Landratsamt erhält Meldung über Corona-Erkrankungen von Grenzgängern, von Leuten, die im Kanton Schaffhausen arbeiten. Laut Auskunft von Marlene Pellhammer sind die zuständigen Behörden beiderseits der Grenze im Austausch.

Die Büsinger könnten, bevor sie von der Arbeit heimkehren, mit Kollegen problemlos noch ein Feierabendbier trinken, da in Schaffhausen auf Restaurantterrassen und in Straßenbistros Gäste bewirtet werden. Selbst wenn sie das tatsächlich tun sollten: es zeigt keine Auswirkungen auf die Zahlen.

Der Staatsvertrag bietet keinen Ausweg

Nun gibt es den Staatsvertrag, der die Situation regelt, dass die von Schweizer Gebiet umschlossene deutsche Gemeinde Büsingen wirtschaftlich der Schweiz angeschlossen ist. Jedoch bleiben Restaurants und Gartenwirtschaften in Büsingen geschlossen. Da bietet auch der Staatsvertrag keinen Ausweg. Obwohl in Büsinger Restaurants mit Schweizer Franken bezahlt wird und die Gaststätten, was die Lebensmittelhygiene anbelangt, vom schweizerischen Interkantonalen Labor überwacht werden, dürfen sie ihre Gartenwirtschaften nicht öffnen. Büsingen untersteht deutschem Recht.

Wenn Corona allerdings eine Tierseuche wäre, dann würde in Büsingen laut Staatsvertrag Schweizer Recht gelten, Gäste dürften in Gartenwirtschaften bedient werden.