In den 1990er Jahren waren im 14 Kilometer langen Staubereich vom Kraftwerk Schaffhausen, der bis zum Campingplatz Läui in Diessenhofen reicht, weniger als neun Prozent Ufer im natürlichen Zustand. Von 1995 bis 2004 führte das Kraftwerk Schaffhausen bereits erste Renaturierungsmaßnahmen durch. Im Jahr 2003 richtete das Energieunternehmen SH Power einen Ökofonds ein und begann zwei Jahre später damit, im größeren Stil Hartverbauungen abzubrechen und Ufer zu renaturieren. Benjamin Homberger, Obmann Begleitgruppe Ökofonds, Peter Hunziker, Projektleiter Uferunterhalt und Marco Nart von der SH Power Unternehmenskommunikation informierten über die aktuellen Renaturierungsprojekte.

Beni Homberger erklärt die Funktion eines Wurzelstocks, der als wichtiges Strukturelement im Wasser gelassen wird.
Beni Homberger erklärt die Funktion eines Wurzelstocks, der als wichtiges Strukturelement im Wasser gelassen wird. | Bild: Thomas Güntert

Der Rheinmacher Peter Hunziker bemerkte, dass rund die Hälfte der ursprünglich renaturierbaren Ufer wieder in den natürlichen Zustand zurück gebaut wurden. Weil es im besiedelten Gebiet große Abschnitte gibt, die nicht renaturierbar sind, beziehen sich die Angaben nicht mehr auf die gesamte Konzessionsstrecke Die Projekte werden durch den Ökofonds von SH Power finanziert, in den aktuell 0,7 Rappen pro Kilowatt verkauften Ökostrom fließen. Marco Nart bemerkte, dass seit 2003 über 10 Millionen Franken investiert wurden.

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Auf der linksrheinischen Seite konnte vom Katharinental bis zum Paradies bis auf drei kleine Abschnitte alle Hartverbauungen zurück gebaut werden, weil die Grundstücke im Besitz der öffentlichen Hand sind. „Rechtsrheinisch ist es viel schwieriger, da gibt es teilweise auf 100 Meter fünf bis sechs Grundeigentümer“, sagte Hunziker. Im letzten Winter wurden im Gailinger Gebiet Rheinhalde West 55 Meter Betonmauern abgebrochen und das Ufer renaturiert. Zudem erfolgte in Büsingen die vierte Etappe des Projekts Büsingen West.

Nach dem Abbruch der 100 Meter langen Steinsatzverbauungen aus Kalkstein wurde ein naturnahes Kiesflachufer erstellt. Homberger bemerkte, dass für einen Laufmeter Flachufer bis zu zehn Kubikmeter Kies benötigt werden, was einer Lastwagenladung entspricht. Der Uferschutz besteht aus einem Grünverbau mit Kokosmatten, die mit Seggen und Rohrglanzgras bepflanzt werden, damit das dichte Wurzelwerk der Böschung Halt gibt.

Auf der rechtsrheinischen Seite sollen im nächsten Winter weitere Uferverbauungen abgebrochen werden.
Auf der rechtsrheinischen Seite sollen im nächsten Winter weitere Uferverbauungen abgebrochen werden. | Bild: Thomas Güntert

Neben der Bepflanzung von Schwarzerlen, Silberweiden und Schwarzpappeln werden die Ufer mit Steinbuhnen, Wurzelstöcken und Findlingen strukturiert. Dadurch entstehen punktuell Zonen mit sehr geringen Strömungen, von denen insbesondere Jungfische profitieren, die sonst weggeschwemmt würden. Im kommenden Winter sollen beim Gailinger Rheinuferpark 100 Meter Ufer renaturiert werden und beim Projekt Büsingen West die fünfte Etappe beginnen, bei der 45 Meter Ufer in den natürlichen Zustand zurückversetzt werden.

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„Die Realisierung in Büsingen hängt aber noch vom Einverständnis der Grundeigentümer ab“, sagte Hunziker und betonte, dass alle noch ausstehenden Arbeiten in den nächsten zehn Jahren sicher noch nicht abgeschlossen werden. Beni Homberger erinnerte sich an den Jahrhundertsommer 2003, in dem es aufgrund von Wassertemperaturen bis zu 27 Grad im Rhein ein großes Fischsterben gab. Weil sich damals einige Fische in den Zuflussbereichen von den kalten Seitenbächen vor dem Hitzetod retten konnten, haben die Kantone Schaffhausen und Thurgau Maßnahmen zum Schutz vor einem weiteren Hitzesommer festgelegt.

In den Siedlungsgebieten können die Ufer nicht überall renaturiert werden.
In den Siedlungsgebieten können die Ufer nicht überall renaturiert werden. | Bild: Thomas Güntert

Als in diesem Jahr bereits im Mai die Wassertemperaturen im Rhein 20 Grad betrugen und infolge des heißen Wetters und dem niedrigen Wasserstand stetig anstiegen und befürchtet wurde, dass der kritische Bereich von 26 Gard erreicht wird, hat das Kraftwerk Schaffhausen im Juni auf der linksrheinischen Seite vorsorgliche Maßnahmen ausgeführt.

Im August sind die Temperaturen glücklicherweise wieder zurückgegangen und die kritische Lage entspannte sich. „Diese Maßnahmen hätten ein Fischsterben aber nicht verhindern können“, betonte Peter Hunziker.