Sagen Sie mal, was treibt Sie an, Herr Braun?

Als ich 15 Jahre alt war, wurde mir am Stammhirn ein kartoffelgroßer Tumor entfernt. Nach der Operation war ich komplett linksseitig gelähmt, konnte nicht mehr laufen, hatte Sprach- und Konzentrationsprobleme. Es folgten Jahre harter Disziplin und ständiger Arbeit an mir.

Diese Tour ist mein Lebenstraum. Mit ihr möchte ich Menschen, die ein ähnliches Schicksal haben wie ich, zeigen und beweisen, dass es wichtig ist, sich nicht aufzugeben. Ich möchte sie gerne inspirieren und ermutigen, an sich zu glauben und ihre Träume zu verwirklichen.

Wir treffen uns hier für unser Gespräch im Hegau-Jugendwerk, obwohl Sie in Salem-Beuren leben. Warum?

Ich kam 2005 zehn Tage nach meiner Operation hierher zur Rehabilitation. Das war für meine Genesung eine wichtige Zeit. Nach drei Monaten im Hegau-Jugendwerk war ich wieder fähig die Schule zu besuchen. Allerdings überforderte mich das Gymnasium, ich musste vorübergehend an die Hauptschule wechseln.

Der spätere Weg zu Abitur und Studium war für mich dann schon eine große Herausforderung. Heute arbeite ich als Lehrer. Nach meinem Panamericana-Abenteuer werde ich als sogenannter Gast-Motivator immer wieder den jungen Leuten im Hegau-Jugendwerk darüber berichten. So eine Geschichte wie meine sei für die Patienten und ihre Angehörigen eine große Inspiration, meinen die Verantwortlichen hier.

Beim Training in der Haltnau.
Beim Training in der Haltnau. | Bild: Reiner Jäckle

Verfolgen Sie noch weitere Ziele?

Ja. Mit meiner Panamericana-Radtour möchte ich das Thema Hirntumor in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Ich möchte in Deutschland, aber auch in den Ländern entlang meiner Tour mehr Bewusstsein dafür zu schaffen.

Sie haben Sponsoren und sammeln Spenden. Wofür?

Ich denke, dass ich für meine Panamericana-Tour einschließlich Rad wohl rund 15 000 Euro brauche. Das kann ich nicht alleine aus meinen Ersparnissen bestreiten. Alle Spenden, die über die von mir benötigten Mittel hinausgehen, werden dann der Deutschen Hirntumorhilfe zufließen. Dieser gemeinnützige Verein setzt sich für die Verbesserung der Patientenversorgung und Förderung der Neuroonkologie ein.

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Sie starten in wenigen Tagen. Freuen Sie sich oder sind Sie aufgeregt?

Beides. Die Krankheit hat bis heute bei mir Spuren hinterlassen. Obwohl mir manches schwer fällt, freue ich mich sehr auf die Tour. Ich liebe Herausforderungen. Augenblicklich checke ich gedanklich immer wieder meine Vorbereitungen für diese 22 000 Radkilometer und meine Logistik. Mein 4000 Euro teures Expeditionsrad ist vom Hersteller gesponsert. Es ist besonders robust.

Trotzdem muss ich mich auf Pannen und Reparaturen einstellen. Ich überlege immer noch, welche Ersatzteile ich mitnehmen soll. Das Gepäck darf ja nicht zu schwer werden. Insgesamt will ich unter vierzig Kilo bleiben. Mein Zelt ist zwar mit 1,5 Kilogramm Gewicht sehr leicht. Aber dann kommt so vieles dazu was man braucht. Bis hin zur Filmausrüstung. Meine Reise soll man ja in den Sozialen Medien mitverfolgen können.

Der Extrem-Radfahrer und sein Spendenziel

Wie sieht Ihr genauer Reiseplan denn aus?

Vom kanadischen Calgary bis zu meinem vorgesehenen Endpunkt an die Südspitze Südamerikas beträgt die Entfernung 22000 Kilometer. Trotz der unterschiedlichen Beschaffenheit der gesamten Strecke, teilweise schlecht ausgebauter Straßen und enormer Höhenunterschiede von über 4000 Metern, halte ich es für realistisch, durchschnittlich sechzig bis siebzig Kilometer pro Tag zurücklegen zu können. Ich rechne, dass ich vierzehn Monate unterwegs sein werde.

Werden Sie in dieser Zeit jemanden vermissen?

Ja. Meine Freundin , meine Familie und meine Freunde werden mir mit Sicherheit fehlen.