Seit 1700 Jahren lässt sich jüdisches Leben in Deutschland nachweisen, wie die Urkunde einer jüdischen Gemeinde in Köln belegt. Dieses Jubiläum nahm nun das Ensemble Opus 45 zum Anlass, mit einem literarischen Kammerkonzert auf Tournee zu gehen.

Aufgrund der besonderen Verbundenheit der Gemeinde Gailingen mit der jüdischen Geschichte wurde sie als einziger Ort für diese Veranstaltung in Baden-Württemberg ausgewählt.

100 Besucher erlebten an diesem Abend in der Hochrheinhalle eine in dieser Form einzigartige Zusammensetzung aus Texten zum jüdischen Leben und Musik jüdischer Komponisten.

Texte über das jüdische Leben in Deutschland rezitierte der Schaupieler Roman Knika (l) beim literarischen Kammerkonzert, begleitet vom Bläserquintett Opus 45: Julia Bremm, Sebastian Poyault, Florian Liebhäuser, Benjamin Comparot und Jussef Eisa (v.l.)
Texte über das jüdische Leben in Deutschland rezitierte der Schaupieler Roman Knika (l) beim literarischen Kammerkonzert, begleitet vom Bläserquintett Opus 45: Julia Bremm, Sebastian Poyault, Florian Liebhäuser, Benjamin Comparot und Jussef Eisa (v.l.) | Bild: Sandra Baindl

Hinter dem Ensemble OPUS 45 steckt der aus zahlreichen Film-, Fernseh- und Hörbuchproduktionen bekannte Schauspieler Roman Knika sowie ein Bläserquintett, dessen Musiker in renommierten Orchestern spielen.

Knika unternahm an diesem Abend einen Streifzug durch 250 Jahre wechselvolle jüdisch-deutsche Geschichte. Angefangen mit einem Plädoyer zur Emanzipation und Gleichberechtigung der Juden aus dem Jahr 1783 über Texte des Schriftstellers Heinrich Heine, der in Paris im Exil gelebt hatte. Dessen Zitat „Ich hatte einst ein schönes Vaterland „ war gleichzeitig Titel der Veranstaltung.

Texte machen Publikum still

Die dort beschriebene Heimatliebe fand sich auch in Texten der 1938 emigrierten Dichterin Mascha Kaléko wieder. Im besten Sächsisch zitierte Roman Knika, selbst in Bautzen geboren, dann aus dem bereits 1850 erschienenen antisemitischen Pamphlet „Das Judenthum in der Musik“.

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Geschrieben hatte es der ebenfalls in Sachsen geborene Komponist Richard Wagner. Darin diffamiert dieser seinen jüdischen Kollegen Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Absolute Stille herrschte im Saal, als Knika aus den Erinnerungen der Cellistin Anita Lasker-Wallfisch vorlas. Sie war Teil des Lagerorchesters im KZ Auschwitz.

Bogen zur Gegenwart

Der Bogen zur Gegenwart wurde an diesem Abend mit einer Passage aus der Streitschrift „Desintegriert Euch!“ des 1987 geborenen jüdischen Publizisten Max Czollek geschlagen.

Die szenische Lesung wurde kongenial vom Bläserquintett begleitet, das elf Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Alexander Zemlinsky, Jacques Ibert, Pavel Haas, Gene Kavadio, Denès Agay und György Ligeti präsentierte.