Diese Kombination findet man auf Konzertbühnen eher selten: Trompete und Klavier. Die Spannung kann also nicht größer sein. Noch dazu, wenn die beiden Musiker Weltgrößen sind: Zum einen der Trompeter Matthias Höfs, bei Musikliebhabern ein Name, so glänzend wie sein Instrument selbst, einer der führenden Trompeter weltweit und Mitglied des Ensembles German Brass.

Zum anderen der Pianist Alexander Krichel, in der Klassik-Szene längst kein Geheimtipp mehr, konnte er schon das Publikum in den großen Konzertsälen der Welt für sich begeistern.

Parforceritt durch Musikgeschichte

Diese beiden Weltstars kamen nun also im Rahmen der Konzertreihe Kammermusik am Hochrhein nach Gailingen in die Hochrheinhalle, und sie hatten nicht weniger vor, als einen Parforceritt durch die Musikgeschichte. Doch damit nicht genug: Höfs war mit einem ganzen Arsenal von Trompeten angereist, wählte für jedes Werk das passende Instrument aus und stellte dieses ebenso wie die gespielte Musik kurz vor.

Begonnen wurde diese Zeitreise durch die Musik im Barock mit einem Konzert von John Baston, eigentlich für Flöte und Orchester, aber hier bearbeitet für Trompete und Klavier. Den beiden Musikern gelang es, den barocken Glanz zu entfachen, ohne mechanisch oder kühl zu werden oder den Spagat zu Empfindsamkeit oder Gefühl vermissen zu lassen.

Duos im Wechsel mit Klavier-Solos

Zwischen den Duos folgten Solowerke der jeweiligen Epoche für Klavier. Hier spielte Krichel das Prelude aus Bachs zweiter „Französischer Suite in a-Moll“. Es folgte eine weitere Bearbeitung: Beethovens „Quintett in Es-Dur für Bläser und Klavier, Op. 16“, hier das „Andante cantabile“ für Klavier und Trompete. Es fehlte zwar, der Bearbeitung geschuldet, naturgemäß etwas die klangliche Vielseitigkeit des Originalwerks, was jedoch aufgrund der Schönheit der Musik und der Interpretation nicht weiter ins Gewicht viel.

Der dritte Satz von Beethovens Sturmsonate bildete den Übergang in die Romantik hin zu Theo Charliers „Solo de concours“. Sehr akzentuiert von beiden gespielt, wechselten sie Kantabilität mit emotionalen Ausbrüchen ab, ohne künstlich oder unnatürlich zu wirken.

Locker und ohne übertriebenen Gestus

Vollständig im 20. Jahrhundert angekommen war das Konzert mit Eugène Bozzas „Caprice“. Brilliant im Klang, aber trotzdem locker und ohne übertriebenen Gestus, jedoch immer wieder mit triumphalen Anklängen versehen, konnten die Musiker überzeugen.

Warum Krichel bereits so viel Renommee aufbauen konnte bewies er mit George Enescus „Pavane“ aus dessen zweiter Suite. Gute musikalische Führung gepaart mit Differenziertheit in Klang und Gestaltung trotz immer wieder ausgeprägter Verträumtheit wurden der Musik des heute zu Unrecht oft unbekannten Komponisten mehr als gerecht.

Wahre musikalische Größe

Es folgte ein weiteres Werk Enescus: In dessen Legende, eigentlich für einen Wettbewerb komponiert, was seine Vielseitigkeit erklärt, nahmen die Musiker sich noch stärker hinter die Musik zurück, ließen sie sprechen.

Die Natürlichkeit von Enescus Musik verlangt genau dies, doch dabei nicht den Faden zu verlieren, ziellos, ungenau oder passiv zu werden, zeugt von wahrer musikalischer Größe, die Höfs und Krichel hier bewiesen. Den Abschluss des Enescu-Blocks machte wieder Krichel mit der Bourée aus der zweiten Suite, auch hier wieder: natürliche Klarheit trotz Klangvielfalt.

Plog und Legrand zum Abschluss

Einen besonderen Abschluss bildeten Anthony Plogs „Three Minitures“. Ungeahnte Klangtechniken, so wurden die Seiten des Flügels allein durch die Schallwellen der Trompete zum Klingen gebracht, der Einsatz fast sämtlicher Dämpfer für die Trompete führten zu Teils mysteriösen Klängen, gepaart mit Lockerheit und Unverkrampftheit in der Interpretation hinterließen sie einen positiven bleibenden Eindruck. Ehe das Publikum mit Michel Legrands längst zum Klassiker gewordenen „How do you keep the music playing?“ in den nahenden Frühling entlassen wurde.

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Es war ein etwas anderes Konzert, das nach Fortsetzung verlangt. Das lag vor allem an Matthias Höfs und Alexander Krichel, die mit ihrer bodenständigen Lockerheit und Offenheit das Publikum mitnahmen und begeisterten. Zwei Musiker die perfekt harmonieren und schon allein deshalb glücklich zu sein scheinen, weil sie gleich Musik machen dürfen. Eine Begeisterung die übersprang.