„Als mich meine Vermieterin zum ersten Mal von der Wohnung zum Rhein geführt hat, war ich direkt verliebt“, erzählt Ferhunde Cin und lächelt. Sie habe sich an den Bosporus und ihre Heimatstadt Istanbul erinnert gefühlt. Ein Jahr ist das her. Seitdem hat sich Ferhunde Cin in Büsingen gut eingelebt. „Ich gehe gerne in der Umgebung spazieren“, berichtet sie. Im Sommer genießt sie es, zusammen mit ihrem Sohn Harun – er arbeitet als Arzt in der Schweiz – auf der Wiese des Büsinger Badi zu liegen und auf die Wellen des Flusses hinaus zu schauen.

Am Rheinufer fühlt sich Ferhunde Cin besonders zuhause. Die Neubürgerin wünscht sich aber, dass sich beim Thema Entsorgung und Nahverkehr etwas verbessert.
Am Rheinufer fühlt sich Ferhunde Cin besonders zuhause. Die Neubürgerin wünscht sich aber, dass sich beim Thema Entsorgung und Nahverkehr etwas verbessert. | Bild: Privat

„Auch die Leute sind ganz ganz nett“, betont sie. Es falle ihr zwar nicht immer leicht, den Büsinger Dialekt ihrer Nachbarn zu decodieren, aber alle seien sehr hilfsbereit, freut sich die Neubürgerin. In Zukunft könne sie es sich gut vorstellen, ehrenamtlich im Tierheim mitzuhelfen, erzählt sie. Zuletzt hat Ferhunde Cin jahrzehntelang in einer anderen Rheinstadt gelebt – dem südpfälzischen Wörth. Ihr Wunsch war es aber, ihrem Sohn näher zu sein. Eher zufällig sei sie bei der Wohnungssuche auf das Kleinod am Hochrhein aufmerksam geworden.

Heute ist Ferhunde Cin froh darüber, Büsingen entdeckt zu haben. Und an diesem Wochenende steht ihre erste wichtige Entscheidung als Büsingerin bevor. Bei der Bürgermeisterwahl hat sie die Wahl zwischen Vera Schraner, Markus Möll und Marc Erny – alle drei würden gerne in den kommenden acht Jahren die Zukunft des Ortes aktiv gestalten. Aber was sind die Wünsche, die eine Neuangekommene wie Ferhunde Cin an die Kandidaten hat?

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Als erstes kommt ihr spontan das Thema Müll in den Sinn. Denn in dem Mehrfamilienhaus, in dem sie ihre Mietwohnung hat, leben an die zehn Parteien: „Trotzdem haben wir keinen Biomüll-Container“, wundert sie sich. „Der Biomüll wird nur einmal in der Woche abgeholt, im Winter sogar nur alle zwei Wochen.“ In der Zwischenzeit sei man gezwungen, den Biomüll im Keller oder auf dem Balkon zu lagern. „Das stinkt natürlich. Ich erwarte von einem Bürgermeister, dass er dieses Problem in den Griff bekommt.“

Neben der Entsorgung hält Ferhunde Cin auch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr für ausbaufähig. „Es fährt nur einmal am Tag ein Bus direkt nach Singen„, erklärt sie. „Toll wäre, wenn man die Möglichkeit hätte, morgens, mittags und abends in die Stadt zu fahren“, findet sie. Der Grund: Gerade mit Blick auf den nahenden Winter fühlt sie sich auf den hügeligen Straßen in ihrem kleinen Auto nicht unbedingt sicher. „Gut wäre auch, wenn es einen Hausarzt gebe, den ich zu Fuß erreichen könnte.“ Gerade im höheren Alter könne das für sie noch wichtig werden, glaubt Ferhunde Cin. Schließlich soll Büsingen so lebenswert für sie bleiben wie es das Dorf im vergangenen Jahr bereits gewesen ist.

Steuern, Fußball und der Nachwuchs

Die kommende Bürgermeisterwahl? Da weiß man nicht genau, was herauskommt, meint ein nachdenklicher Rudi Eder. Er ist in Büsingen aufgewachsen, hat die Schule bis zur vierten Klasse besucht und ist dann auf die Realschule in Schaffhausen gewechselt. „Das war kein Problem. Meine Schulkameraden und ich sind mit dem Fahrrad zur Schule gefahren“, erinnert er sich.

Rudi Eder ist am Ort aufgewachsen. Er freut sich über das rege Vereinsleben. Beim Thema Steuern ließe sich in der Exklave aber noch einiges verbessern.
Rudi Eder ist am Ort aufgewachsen. Er freut sich über das rege Vereinsleben. Beim Thema Steuern ließe sich in der Exklave aber noch einiges verbessern. | Bild: Wolfgang Schreiber

Auch heute sieht Eder Büsingen gut aufgestellt – nicht nur was die Schule anbelangt. Die Kita, die die kleinsten Büsinger betreut, findet er eine tolle Sache. „Auch die Vereine lassen den Einwohnern keine Wünsche offen.“ Eder ist heute zwar eher auf dem Golfplatz in Steißlingen anzutreffen, als langjähriger Kicker freut er sich aber immer noch am Gedeihen des Fußballclubs.

Einzig die Nachwuchsfrage hat ihm zwischenzeitlich zu denken gegeben. „Aber seit ein paar Jahren kommen wieder Familien mit Kindern nach Büsingen. Es bessert wieder, das freut mich“, sagt er. Im Rathaus sieht er gute Leute arbeiten. Wenn man eine Frage oder ein Problem habe, genüge oft ein Telefonanruf. Dann werde das Problem in kurzer Zeit gelöst.

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Die Frage, was in Büsingen verbessert werden könnte, beantwortet er mit dem Hinweis auf die Steuern: „Es kann doch nicht sein, dass die Steuern in Büsingen nach Wechselkurs und nicht nach Verdienst berechnet werden.“ Ist er persönlich davon betroffen? „Ja“, sagt er. Sein Verdienst aus der Toto-Lotto-Annahmestelle erhält er in Euro, doch die Einnahmen aus der Vermietung der Wohnungen und der Verpachtung des Cafés bekomme er in Schweizer Franken.

Die Bürgerinitiative mit Roland Güntert an der Spitze, die sich des Steuerproblems annimmt, sei aber auf einem gutem Weg, ist er überzeugt.

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