Auf einen gemütlichen Herbst hatte sich die Waldheimwirtin gefreut. Nochmal mit den Stammgästen plaudern ohne die Hektik des Sommers. Nochmal das Haus und seine besondere Lage mit allen Sinnen genießen, bevor das Restaurant am 20. Dezember geschlossen wird. So hatten sich Marion Krause und ihre Mutter Rosemarie Krause die letzten Wochen hoch über dem Rhein vorgestellt. Doch der neuerliche Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zwingt die Wirtsfamilie zur Schließung vor der Schließung. „Das ist unser Dilemma“, sagt die Pächterin. „Wir gehören wirtschaftlich zur Schweiz, aber rechtlich zu Deutschland.“ Während die Gaststätten im benachbarten Schaffhausen oder Dörflingen immer noch Gäste bewirten dürfen, musste das Waldheim wie alle deutschen Bars und Gaststätten die Tore verriegeln. In der Hoffnung, ab 1. Dezember doch nochmal für drei Wochen öffnen zu können, nutzt Marion Krause jetzt die Zeit, um das Haus zu putzen.

Waldheim-Pächterin Marion Krause hat ihre Gäste acht Jahre lang hier oben bewirtet. Vom Kastaniengarten haben die Besucher einen tollen Blick über den Rhein.
Waldheim-Pächterin Marion Krause hat ihre Gäste acht Jahre lang hier oben bewirtet. Vom Kastaniengarten haben die Besucher einen tollen Blick über den Rhein. | Bild: Trautmann, Gudrun

Gelernt, was alles im Hintergrund erledigt werden muss

Acht Jahre hat sie das Wirtshaus zusammen mit ihren Eltern im Hintergrund geführt. Die gelernte Köchin, Servicekraft und Allrounderin (wie sie sich selbst bezeichnet) hatte zuvor in Marthalen im Züricher Weinland als Angestellte gearbeitet. Ihre Ausbildung hat sie im Schaffhauser Restaurant Zum Sittich absolviert. Als sie vor acht Jahren erfuhr, dass das Waldheim zu pachten sei, hat sie zugegriffen. „Einmal eigener Herr und Meister zu sein, das hat mich gereizt“, sagt sie. Ihr Mutter Rosemarie, die 30 Jahre lang den Kranz in Büsingen geführt hat, war sofort Feuer und Flamme. Rosemarie Krause ist Wirtin mit Leib und Seele und hatte Freude daran, trotz Rentenalters bei der Tochter noch einmal einsteigen zu können. Die 78-jährige Rosi, wie die Büsinger sie nennen, ist ein Urgestein. Mit ihr konnte Tochter Marion das Wagnis Waldheim eingehen. „Hier ist es einfach schön“, sagt sie und kehrt dem Haus zum Jahresende trotzdem den Rücken.

Die Tiere des Waldheims müssen noch umziehen

Die Selbstständigkeit sei eine tolle Zeit gewesen. Was Marion Krause jedoch nicht bedacht hatte, sind die hohen Präsenzzeiten und die Verpflichtungen im Hintergrund des Restaurantbetriebes. Im August hat sie geheiratet und wohnt jetzt mit ihrem Mann in Dörflingen. Die zwei Schafe, zwei Gänse und zwei Alpakas müssen noch umziehen. Ein Pfauenpaar – wie die anderen Tiere im Sommer eine Attraktion für Familien – hat schon vor längerer Zeit der Fuchs geholt.

Ein gutes Team im Waldheim: Marion Krause und ihre Mutter Rosemarie Krause, die zuvor 30 Jahre lang in Büsingen den Kranz geführt hat.
Ein gutes Team im Waldheim: Marion Krause und ihre Mutter Rosemarie Krause, die zuvor 30 Jahre lang in Büsingen den Kranz geführt hat. | Bild: Trautmann, Gudrun

Der Spagat zwischen Deutschland und der Schweiz

Einsam liegt das Waldheim am hohen Ufer des Rheins zwischen Büsingen und Gailingen. Neben der urigen Kneipe mit einer Raucher und einer Nichtraucherstube ist vor allem der Kastaniengarten das Besondere. Jetzt ist die Aussichtsterrasse dicht mit Blättern übersät. „Warum soll ich fegen, wenn wir keine Gäste bewirten dürfen“, sagt Marion Krause fast entschuldigend. Die Tische sind hochgestellt. Der Charme dieses Ortes ist dennoch spürbar. Man kann sich gut vorstellen, was hier an sonnigen Tagen los ist. Der einmalige Blick auf den Rhein hat Touristen, Wanderer und Familien angelockt. Die Mehrzahl kam aus der Schweiz. „Den deutschen Gästen waren unsere Preise zu hoch“, erklärt die Wirtin. „Was die meisten nicht wissen ist, dass wir unsere Waren auch in der Schweiz einkaufen. Die hohen Steuern bezahlen wir aber in Deutschland. Dabei wird nicht berücksichtigt, dass wir in Büsingen Schweizer Lebenshaltungskosten haben“, schimpft sie ein bisschen. Zwar könnte sie die Lebensmittel bis auf Spirituosen und Fleisch auch in Deutschland kaufen; das lohne sich aber nicht wegen des Zolls. Das Leben in der Deutschen Exklave ist eben ein bisschen komplizierter als andernorts.

Nach dem Corona-Lockdown will Marion Krause das Waldheim für ihre Gäste im Dezember noch einmal aufschließen, bevor das rustikale Gasthaus am 21. Dezember endgültig schließt.
Nach dem Corona-Lockdown will Marion Krause das Waldheim für ihre Gäste im Dezember noch einmal aufschließen, bevor das rustikale Gasthaus am 21. Dezember endgültig schließt. | Bild: Trautmann, Gudrun

Als Büsinger orientieren sich die Krauses mehr zur Schweiz

Trotz der deutschen Staatsbürgerschaft hören sich die Krauses nicht gerade Deutsch an. Als Büsinger haben sie sich schon immer mehr nach Schaffhausen orientiert. Marion Krause ist dort zur Schule gegangen und hat in der Schweiz ihre Ausbildung gemacht. Schon der Vater ist in Büsingen aufgewachsen. Die Mundart gehört zur Familie wie der Franken.

Im Kastaniengarten liegt das Herbstlaub, wo sonst bis zu 100 Gäste Platz haben. Die Wirtin Marion Krause will die Blätter nicht wegfegen, weil sie zur Zeit keine Besucher empfangen darf.
Im Kastaniengarten liegt das Herbstlaub, wo sonst bis zu 100 Gäste Platz haben. Die Wirtin Marion Krause will die Blätter nicht wegfegen, weil sie zur Zeit keine Besucher empfangen darf. | Bild: Trautmann, Gudrun
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Die Stifterin liebte die Geselligkeit

Johanna Pfleghaar kam 1957 mit ihrem Mann nach Büsingen, wo das Paar im Waldheim wohnte. Bereits 1962 wurde das Gasthaus verpachtet. Das kinderlose Paar hatte frühzeitig verfügt, dass das Anwesen mit allen Rechten, Pflichten und Nutzen an die Gemeinde Büsingen übergeht. Johanna Pfleghaar war eine gesellige Frau. Sie wurde 105 Jahre alt. Die letzten zehn Jahre ihres Lebens verbrachte sie in Gottmadingen im Pflegeheim.

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