„Die Schweizer kommen nicht wegen den Corona-Verordnungen, und die Deutschen nicht, weil es ihnen zu teuer ist“, sagt Angela Lo Giudice, Inhaberin des italienischen Restaurants La Gondola in Büsingen. Zudem ist von 22:30 bis 5 Uhr Sperrstunde.

Deutsche Regeln, Schweizer Preise

Weil die deutsche Exklave wirtschaftlich zur Schweiz zählt, werden in der Gastronomie Schweizer Preise verlangt. Und in Baden-Württemberg gilt bereits seit Ende Dezember die 2G-Plus-Regel.

In der Gastronomie müssen auch geimpfte und genesene Personen einen aktuellen negativen Schnell- oder PCR-Test vorlegen, sofern ihre Infektion oder Impfung länger als drei Monate zurückliegt. Von der Testpflicht sind auch alle, die einen Booster, also eine Auffrischungsimpfung erhalten haben, ausgenommen.

Wirt der Alten Rheinmühle erzählt

„Wer genesen oder geimpft ist, darf in der Schweiz ins Restaurant, wer es nicht ist, muss draußen bleiben, fertig“, sagt Markus Hempel, Inhaber der Büsinger Nobelherberge Alte Rheinmühle. 99 Prozent von Hempels Gästen sind Schweizer, er bezieht seine Waren aus der Schweiz, bezahlt Mehrwertsteuer und Sozialbeiträge in der Schweiz, muss aber die deutschen Corona-Regeln einhalten.

Der Gastronom erklärt, dass der erste Corona-Lockdown in Büsingen durch die Schweiz erfolgte, weil im Staatsvertrag von 1967 verankert ist, dass die deutsche Exklave in Kriegs- und Krisensituationen zur Schweiz zählt und der Schweizer Bundesrat im März 2020 den Notstand ausgerufen hatte.

Schutzkonzepte und Lockdown

Ein halbes Jahr, nachdem Hempel ein Schweizer Corona-Schutzkonzept erstellt hatte, wurde er von der neuen Bürgermeisterin Vera Schraner darauf hingewiesen, dass nun die deutschen Vorschriften gelten.

Nachdem er dann das Schutzkonzept auf die deutschen Regeln umgestellt habe, sei am 4. November der zweite Lockdown mit der Schließung der Gastronomie bis Mai 2021 gekommen. „Danach wurden wir nicht überrannt, hatten aber einen guten Sommer“, sagt Hempel. Im Herbst gab es dann wieder die ersten Einschränkungen und Absagen.

„Vom Erdboden verschwunden“

„Manche Firmen, die gute Kunden waren, haben sich durch ihr Sicherheitskonzept komplett abgeschottet und sind vom Erdboden verschwunden. Die 2G-Plus-Verordnung am 3. Dezember war für mich, wie wenn man ein Wild mit Schrot anschießt und weiterlaufen lässt, statt ihm mit dem Lockdown den Fangschuss zu geben“, erklärt Hempel, der innerhalb von zwei Tagen Stornos für 120 Personen bekam.

Das Weihnachtsgeschäft sei „grauenhaft“ gewesen. Weil es in einer Frischeküche eine gewisse Anzahl von Gästen brauche, habe der Küchenchef jeden Tag Waren weggeworfen. Nachdem es auch an Silvester nicht gelaufen sei, habe Hempel den Betrieb bis Ende Februar eingestellt.

Langer Weg zur Unterstützung

Von der Schweiz gebe es für die Büsinger Gastronomen keine Unterstützung, und vom deutschen Staat würden sie theoretisch auch nichts bekommen: Um eine Überbrückungshilfe zu erhalten, müsse der subventionierte Umsatz im Inland erwirtschaftet werden. Ihr Umsatz werde aber in der Schweiz versteuert und der Gastronomiebetrieb sei in Deutschland nicht mehrwertsteuerpflichtig, erklärt der Wirt der Alten Rheinmühle.

Dennoch seien Gespräche mit Politikern in Stuttgart und Berlin aufgenommen worden. „Keiner konnte uns eine verpflichtende Aussage geben“, sagt Hempel. Erst ein zufälliges Gespräch mit dem bisherigen Bürgermeister Markus Möll habe zum Erfolg geführt: Möll sagte, der frühere deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble habe klipp und klar gesagt hat, dass Büsingen wirtschaftlich als Inland zähle und dass es dazu ein Schriftstück gebe, auf das man sich berufen könne.

Gemeinde erlässt zwei Monatsmieten

„Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir drei Monate Ärger mit nichtssagenden Politiker ersparen können“, sagt Hempel. Mittlerweile sei sein Unterstützungsantrag genehmigt worden, und es sei auch schon Geld geflossen. „Aber es schwebt immer noch ein Damoklesschwert darüber“, sagt Hempel.

Unterstützung erhält er von der Gemeinde Büsingen, die ihm im vergangenen Jahr als Eigentümerin der Alten Rheinmühle zwei Monatsmieten erlassen hat. Finanziell hat er die Zeit mit einer Neuverschuldung überbrückt. „Corona hat mich 200.000 Franken gekostet“, sagt Hempel, der mit der Gemeinde erneut wegen einer Pachtaussetzung im Gespräch ist und im März wieder öffnen will.

Nicht alle halten durch

Auch Angela Lo Giudice hofft auf bessere Zeiten. Weil sie während des fünfmonatigen Lockdowns jeden Monat über 5000 Franken für Miete und Nebenkosten bezahlen musste, fuhr sie den Personalbestand zurück und reduzierte den Verlust mit der Überbrückungshilfe vom Bund und einem Take-Away-Angebot. Die Italienerin gibt jedoch nicht auf. „Ich habe einen neuen Koch eingestellt“, sagt sie.

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Resigniert hat hingegen Alexandra Dellenbach, die seit zweieinhalb Jahren das Café-Restaurant Eder in Büsingen führt. „Die Leute sind verunsichert, weil sie nicht wissen, was gerade gilt“, sagt Dellenbach, die ihren Pachtvertrag wegen der – wie sie sagt – ständig wechselnden Corona-Regeln auf Ende März gekündigt hat.