Die Thüga Energienetze baut derzeit eine Stromtrasse vom Umspannwerk Rielasingen über Gottmadingen bis nach Gailingen. Die Gemeinde am Hochrhein ist bisher an das Stromnetz des Schweizer Versorgungsunternehmens EKS angebunden. Zum Jahreswechsel soll der Strom aus Deutschland kommen.

Hohe Strompreise in Deutschland

Der liberalisierte Strommarkt in Deutschland stelle Kostenersparnisse in Aussicht, so die Argumente der Anbindungs-Befürworter. „Stimmt nicht“, erwidert Cornel Sels aus Tengen in einem Leserbrief. Sein Argument: Die deutschen Strompreise seien die höchsten der Welt, die Strompreise in der Schweiz deutlich günstiger.

Südkurier-Leser Cornel Sels zweifelt daran, dass die Strompreise für Kunden in Gailingen günstiger werden.
Südkurier-Leser Cornel Sels zweifelt daran, dass die Strompreise für Kunden in Gailingen günstiger werden. | Bild: Holger Hagenlocher

Als Beispiel stellt er eine Vergleichsrechnung für eine vierköpfige Familie auf, die im schweizerischen Uster bei Energie Uster Strom bezieht. In Deutschland müsste sie selbst beim Billiganbieter Wunderwerk bei der gleichen Strommenge mehr bezahlen. Was stimmt nun? Müssen die Gailinger künftig mehr für Strom bezahlen?

„In einer Sache hat Ihr Leser Recht“, bestätigt die Thüga. „Im Jahr 2020 bezahlen Haushaltsstromkunden in der Schweiz durchschnittlich 20,7 Rappen pro Kilowattstunde Strom, also umgerechnet 19 Cent/Kilowattstunde (kWh). In Deutschland beträgt der durchschnittliche Strompreis 31,37 Cent/kWh“, so die Pressesprecherin des Unternehmens, Gabriele Müller.

Der Unterschied sei zu erklären mit den Steuern, Abgaben und Umlagen, die in Deutschland derzeit rund 52 Prozent des Strompreises ausmachten. Im Vergleich haben die Schweizer laut Thüga viel weniger Steuern und Abgaben.

Vergleich mit der Schweiz hinkt

Doch hinke der Vergleich mit den Schweizer Preisen, so die Thüga, da Gailingen auch bisher nicht zu Schweizer Strompreisen beliefert werde.

Die Stromlieferung auf deutschem Gebiet müsse nach den in Deutschland gültigen Regularien erfolgen. Das bedeute, dass Stromkunden in Deutschland, die aus der Schweiz versorgt werden, ebenfalls alle Steuern, Abgaben und Umlagen auf den Strompreis bezahlen müssten.

Kunden aus Deutschland, die vom EKS beliefert werden, bezahlen Grundversorgungs-Tarif Strompreise zwischen 33 und rund 37 Cent pro Kilowattstunde (Quelle: EKS 2020), also fast doppelt so viel wie in der Schweiz.

Thüga vermutet sinkende Preise

Laut Thüga können die Bürger von Gailingen durch den Anschluss an das deutsche Stromnetz tendenziell einen günstigeren Strompreis erwarten.

Zwei Dinge würden sich ändern: Zum einen seien sinkende Netzentgelte zu erwarten, da das Netzentgelt des neuen Konzessionärs (Thüga Energienetze) voraussichtlich geringer sein werde als das Netzentgelt des EKS Schaffhausen. Die Netzentgelte machen im Schnitt 23,6 Prozent des Strompreises aus. Veröffentlicht werden die neuen Netzentgelte zum 1. Januar 2021.

Keine nennenswerten Änderungen für Kunden

Zum anderen könnten die Kunden durch den Wettbewerb von günstigeren Strompreisen profitieren. Thüga-Energie-Geschäftsführer Markus Spitz sagt: „Wir von der Thüga Energie werden alles daransetzen, dass die Bürger von Gailingen eine günstige, umweltschonende und sichere Stromversorgung haben werden.“

Markus Spitz, Geschäftsführer der Thüga Energie, will sich für günstige Strompreise in Gailingen einsetzen.
Markus Spitz, Geschäftsführer der Thüga Energie, will sich für günstige Strompreise in Gailingen einsetzen. | Bild: Thüga Energie

Der Vergleich zeigt, dass für Kunden keine nennenswerten Änderungen zu erwarten sind. Je nach Tarif kann der Preis etwas höher, oder niedriger ausfallen.

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