Ingrid Ploss

Es war ein großartiges Konzert, mit dem die Konzertreihe Kammermusik am Hochrhein in ihre diesjährige Ausgabe gestartet ist. Alexander Krichel stellte sich als Solist am Piano vor. Der gebürtige Hamburger studierte bei Wladimir Krainev in Hannover sowie Dmitri Alexeev in London. Als Nachwuchskünstler wurde er 2013 mit dem Echo-Klassikpreis geehrt. Damit begann seine Karriere mit herausragenden Orchestern von Dresden bis Tokyo. Auf Festivals und in großen Konzerthäusern ist er gern gesehener Gast. Seit 2020 ist er künstlerischer Leiter der Kammermusik am Hochrhein.

In der ausverkauften Hochrheinhalle in Gailingen erklangen Werke von Barock über Klassik bis Romantik von Georg Friedrich Händel, Johannes Brahms und Sergei Rachmaninow. Um den Zuhörern den emotionalen Zugang zu den Werken zu erleichtern, führte er sie mit biografischen Eckdaten der Komponisten und historischen Zusammenhängen an seine Vorträge heran. Er erläuterte die kompositorischen sowie pianistischen Herausforderungen, um ein besseres Verständnis des zu Gehör Gebrachten zu vermitteln.

Der Zusammenhang des ersten Programmteils mit der Suite in B-Dur von Händel sowie den Variationen über ein Thema von Händel op. 24 war gut nachvollziehbar und brachte die bravouröse Kunstfertigkeit des Komponisten Brahms, der in diesem Variations-Werk seine Vermittlerrolle zwischen Barock und Romantik voll zur Geltung bringt, zum Ausdruck. Diese Variationen widmete der Komponist seiner Freundin Clara Schumann, mit der er zeitlebens eng verbunden war. In den Werken ist alles enthalten, was ihn an Emotionen für sie und die Familie Schumann bewegte. Alexander Krichel glänzte mit Virtuosität und Werkverständnis.

Rachmaninows Études-Tableaux op. 39 sind eine Herausforderung, sowohl für den Pianisten als auch für die Zuhörer. Diese neun Konzertetüden gehen über den herkömmlichen Begriff von Etüden (technische Übungsstücke) weit hinaus. Technisch höchst anspruchsvoll, steht die bildhafte Tondichtung im Vordergrund und entwickelt sich durch wechselnde Moll-Tonarten bis zum erhellenden grandiosen Finale in Dur. Ein fantastischer virtuoser Klavierabend in der Hochrheinhalle mit Alexander Krichel wurde mit stehenden Ovationen bedacht – das Publikum wiederum mit einer Zugabe von Zoltan Kocsis, der Transkription von Rachmaninows „Vocalise“, belohnt.