„Ich bin unschuldig“, ruft der 43-jährige Angeklagte den Richtern am Landgericht Konstanz hinterher, als sie nach der Urteilsverkündung den Saal verlassen. Wegen schwerem Raub und gefährlicher Körperverletzung haben sie ihn soeben zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der Mann wird mit Fußfesseln ins Gefängnis zurückgebracht, wo er seit siebeneinhalb Monaten in Untersuchungshaft sitzt.

Das Gericht war zweifelsfrei davon überzeugt, dass er einer der Täter war, die Anfang Dezember 2017 einen Schweizer Antiquitätenhändler auf einem Parkplatz bei Gailingen brutal überfallen und ausgeraubt hatten. Der heute 77-jährige Mann hatte auf dem Heimweg von einer Antiquitätenmesse in Dortmund eine letzte Rast auf dem Parkplatz in der Nähe des Jüdischen Friedhofs eingelegt.

Das könnte Sie auch interessieren

Gegen 23 Uhr war er in Dortmund aufgebrochen, um in die Schweiz zurückzukehren. Zuvor hatte er eine Tasche mit Schmuck und Uhren im Wert von rund 79 000 Schweizer Franken in einem fest eingebauten Tresor in seinem Mercedes Sprinter verstaut. Nach drei Zwischenstopps erreichte er gegen fünf Uhr morgens den Parkplatz in Gailingen. Dort wollte er sich in seinem Wagen schlafen legen.

Täter verfolgten das Opfer über 600 Kilometer

Er hatte nicht bemerkt, dass ihm bereits ab Dortmund über rund 600 Kilometer ein Wagen mit fünf Männern gefolgt war. Etwa zehn Minuten nach seiner Ankunft in Gailingen klopften die Täter an seiner Wagentür und täuschten eine Polizeikontrolle vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Nachdem er geöffnet hatte, wurde der Händler sofort niedergeschlagen. Währen zwei maskierte Männer ihn mit einer Pistole bedrohten und nach Gold fragten, rissen die Mittäter im hinteren Teil des Sprinters den Tresor aus seiner Halterung und schnappten sich die Tasche mit den Wertgegenständen. Den blutüberströmten Mann ließen die Räuber zurück.

Auf ihre Spur führte das Foto eines Blitzers, nachdem der weiße BMW der Täter bei Hagen in eine Geschwindigkeitskontrolle geraten war. Auf dem Foto sind zwei maskierte Männer vorne und ein dunkelhaariger Mann auf der Rückbank des Wagens zu sehen. Eine Vertrauensperson der Polizei aus Berlin erkannte in diesem dunkelhaarigen Mann den 43-jährigen Angeklagten.

DNA-Spuren passen zum Angeklagten

Eine nicht vollständig vorhandene DNA-Spur am Griff der Fahrertür des Sprinters wies ebenfalls auf sein mögliches Mitwirken an dem Raubüberfall hin. Auch die Angabe des 77-Jährigen, der Täter, der nach dem Schmuck gefragt habe, habe „osteuropäisch“ geklungen, traf auf den 43-Jährigen zu.

Das könnte Sie auch interessieren

Eine weitere Vertrauensperson der Polizei, die den Mann kennt, gab an, zu wissen, dass dieser und zwei ihm bekannte Mittäter bereits mehrmals an ähnlichen Raubzügen beteiligt waren. Im Februar konnte der 43-Jährige in Berlin festgenommen werden. Damals räumte er ein, mit in dem Tatfahrzeug gesessen zu haben.

Vor Gericht bestritt der erheblich vorbestrafte Angeklagte seine Beteiligung an dem brutalen Raubüberfall. Das Gericht hielt ihn aber aufgrund eines ganzen Indizienbündels für schuldig. Ob er auch derjenige war, der den Antiquitätenhändler niedergeschlagen und mit einer Pistole bedroht hatte, blieb unklar. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre Haft gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Komplizen sind noch immer unbekannt

Die beiden Mittäter des nun verurteilten 43-Jährigen sind nach wie vor auf freiem Fuß. Es ist weiterhin ungeklärt, wer den weißen BMW aus Paderborn gemietet und wer ihn tatsächlich gefahren ist. Der Wagen wurde mehrmals weitergereicht, an wen blieb laut Gericht „dubios“. Eine im Wagen befindliche SIM-Karte war an mehreren Punkten auf der gesamten Strecke, die das 77-jährige Tatopfer zurückgelegt hatte, eingeloggt. Damit stand definitiv fest, dass es das Tatfahrzeug war.