Vor dem Landgericht Konstanz wird derzeit ein brutaler Raubüberfall auf einen Schweizer Antiquitätenhändler verhandelt. Tatort war ein Parkplatz in Gailingen, auf dem der 77-Jährige Anfang Dezember 2017 in seinem umgebauten Mercedes Sprinter übernachten wollte. Die Räuber schlugen den Senior nieder und raubten antike Uhren und Schmuck im Wert von 80.000 Euro. Einer der Täter soll ein 43-jähriger Mann ohne festen Wohnsitz sein. Er ist wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes und schwerer Körperverletzung angeklagt.

Auf dem Heimweg von einer Fachmesse in Dortmund habe er auf dem Parkplatz in der Nähe des Jüdischen Friedhofs in Gailingen übernachten wollen, wie der der heute 77-jährige Schweizer angibt. Den Parkplatz habe er von früheren Aufenthalten in der Gegend gekannt. In einem Tresor, den er sich selbst in seinen Wagen eingebaut hatte, befanden sich die Wertgegenstände. Er habe sie nach Beendigung der dreitätigen Messe am Vorabend dort verstaut.

Täter gaben sich als Polizisten aus

Nach drei Zwischenstopps auf der 600 Kilometer langen Strecke habe er gegen halb fünf Uhr morgens auf dem Gailinger Parkplatz Rast gemacht. Kurze Zeit später habe er gehört, wie sich ein Fahrzeug sehr rasch näherte und anhielt. Jemand habe an die Tür geklopft und gerufen: „Aufmachen, Polizei.“ Er habe an eine Kontrolle von Grenzschutzbeamten gedacht und arglos die Autotür geöffnet, so der Senior. Vor Gericht berichtete er jetzt, in diesem Moment habe er nur eine rote Polizeikelle gesehen und „dann gab es eine Explosion in meinem Kopf“. Er sei mit einem harten Gegenstand, vermutlich der Kelle, so stark auf den Kopf geschlagen worden, dass er kurzzeitig das Bewusstsein verlor und zu Boden stürzte.

Dann seien zwei Männer über ihn hinweggetrampelt. Schließlich sei er auf einen Sitz gehievt worden und man habe ihm den Kopf nach unten gedrückt. Einer der Männer habe mehrmals gefragt: „Wo ist Gold?“ Dabei sei er von dem anderen mit einer Pistole bedroht worden. Dann habe er gehört, wie jemand hinten im Wagen den Tresor aufbrach. Bevor die Männer mit der Schmucktasche verschwunden seien, hätten sie noch gedroht ihn umzubringen, wenn er sein Fahrzeug vorzeitig verlassen würde. Auch sein Mobiltelefon hätten die Täter mitgenommen, sodass er keinen Notruf habe absetzen können.

Die Täter verfolgten das Opfer

Dass er auf der Fahrt verfolgt wurde, sei ihm nicht aufgefallen. Allerdings, so der 77-Jährige, hätten sich bei einem Zwischenstopp an einer Tankstelle mehrere Männer sein Handy ausleihen wollen. Später stellte sich heraus, dass die Täter ihn bereits in Dortmund beim Einpacken der Ausstellungsstücke beobachtet und dann über die gesamte Strecke verfolgt hatten. Bei Hagen gerieten sie in eine Radarfalle. Auf dem Foto sind vorne im Wagen zwei maskierte Männer zu sehen. Auf der Rückbank befand sich eine weitere Person mit auffallend schwarzen Haaren und Augenbrauen. Der 43-jährige Angeklagte sieht dieser Person sehr ähnlich. Ein Zeuge war sich sicher, dass er der Mann auf der Rückbank gewesen sei.

Vor Gericht hüllte sich der 43-Jährige in Schweigen. Erst im Februar dieses Jahres konnte er in Berlin festgenommen werden. Dort hatte er vorübergehend Quartier bei seiner Schwester bezogen. Er ist mehrfach vorbestraft und hat bereits eine lange Haftstrafe wegen Drogendelikten verbüßt. Seine Komplizen bei dem Raubüberfall konnte man nicht dingfest machen. Ermittlungen ergaben zwar, dass der bei dem Raubüberfall benutzte Wagen mit Paderborner Kennzeichen ein Mietwagen war. Doch der Mann, der ihn gemietet hatte, behauptete, er habe das Fahrzeug damals weiterverliehen.

Auch gegen weitere Verdächtige hatten die Ermittler letztendlich keine Handhabe. Die Ermittlungen gegen diese Personen wurden mittlerweile eingestellt. Den 43-Jährigen erwartet im Fall einer Verurteilung eine lange Haftstrafe. Das Urteil soll Mitte nächster Woche verkündet werden.

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