Dietlinde Schweikle hat sich Gedanken gemacht – und der Projektor wirft ihre Erkenntnisse gut lesbar auf die Leinwand im Keller des Liebenfelsischen Schlösschens in Gailingen. Vor gut 30 Zuhörern konkretisiert die Kandidatin zur anstehenden Bürgermeisterwahl ihre Vorstellungen, wie Gailingen weiterentwickelt werden soll – wenn sie zur Bürgermeisterin gewählt würde. Die Bürgerwünsche verortet sie zwischen günstigem Wohnraum und naheliegendem Altersheim, zwischen gepflegten Wanderwegen und ordentlichen Straßen. Wichtig ist ihr der Erhalt der Werkrealschule im Ort. "Die Generationenverteilung macht deutlich, dass Gailingen für junge Familien attraktiver werden muss", erklärt sie und projiziert die Alterspyramide von Land und Gemeinde an die Wand. Um für diese Zielgruppe attraktiv zu sein, sei ein möglichst breites Bildungsangebot notwendig. Gailingen soll wachsen, so ihre Botschaft. Nicht explosionsartig, sondern moderat will sie die Hochrheingemeinde wieder näher an die 3000 Einwohnermarke führen.

Schweikle, Ingenieurin aus dem schwäbischen Aalen, will neue Energie in die Gailinger Verwaltung bringen. Sie selbst sei zwar noch nicht zu oft am Hochrhein gewesen, ihre Schwester und ihre Mutter würden aber schon länger hier wohnen. Gerne würde sie ihren Lebensmittelpunkt hierher verlegen, wenn die Gailinger dies auch wünschten.

Die Besucher der Wahlkampfveranstaltung am Dienstagabend waren ebenso aufmerksam wie kritisch: Genau wollten sie wissen, wie sie die Gailinger Ortsmitte attraktiver machen, den Zugang zum Rheinuferpark für Einheimische erleichtern und die Anbindung ans Internet verbessern will. Vor allem aber interessiert es die potenziellen Wähler, wie die Kandidatin fehlende Verwaltungserfahrung kompensieren will. "Als Ingenieurin kenn ich mich nicht nur in technischen Dingen aus, sondern habe als Selbständige auch gelernt zu kalkulieren und als Abteilungsleiterin auch schon Personalverantwortung übernommen", entgegnet Dietlinde Schweikle. Sollte sie gewählt werden, wolle sie die Seminare der Verwaltungshochschule für Quereinsteiger im Bürgermeisteramt nutzen.

Gefragt wurde sie auch, was sie sich denn für die ersten 100 Tage im Amt vornehmen wolle. Schweikles Antwort: Nach Einarbeitung und Kennenlernen stehe die Pflicht an, nämlich das Umsetzen der Haushaltsplanung. Die Kür folge erst später, wenn gemeinsam mit dem Gemeinderat die Ziele der Zukunft formuliert werden.

Anerkennung fand die mutige Entscheidung der 51-jährigen Kandidatin, sich um den Chefsessel im Gailinger Rathaus zu bewerben. Auf Kritik stieß ihre Entscheidung, sich erst im Falle eines Wahlerfolges für die Verwaltungsarbeit zu qualifizieren. Auf wenig Gegenliebe stieß auch der Ansatz, durch die Förderung des Tourismus mehr Geld in die Gemeindekasse zu bekommen. Vor allem mehr Übernachtungsgäste will sie in anlocken. Doch: Touristen gäbe es in Gailingen bereits genug, so die Einschätzung der Besucher im Schlosskeller.

Die nächsten Termine

  • Am Freitag, 23. Februar, ist offizielle Kandidatenvorstellung ab 19 Uhr, in der Turnhalle des Hegau-Jugendwerks.
  • Am Dienstag, 27. Februar, lädt der SÜDKURIER um 19 Uhr zur Podiumsdiskussion in den Keller des Liebenfelsischen Schlösschens ein.
  • Am Sonntag, 4. März, ist Wahlsonntag in Gailingen. Neben Auer stellen sich Fridi Miller und Dietlinde Schweikle zur Wahl. Die Wahllokale öffnen um 8 Uhr. Die Bekanntgabe des Wahlergebnisses kündigt der Wahlausschussvorsitzende Heinz Brennenstuhl gegen 19 Uhr vor dem Rathaus an.