In der Ortsmitte soll es fast nur noch Kurzzeitparkplätze geben. Eine Untersuchung hat ergeben, dass es kein Parkraumdefizit in der Innenstadt gibt, sondern nur eine falsche Bewirtschaftung. Deshalb soll längerfristiges Parken in die Peripherie verlagert werden.

Jetzt sind wieder einmal die Bürger gefragt. Der Gemeinderat will das fertig erstellte Parkraumkonzept in seiner nächsten Sitzung beschließen – aber nicht, ohne den Gailingern zuvor die Möglichkeit zu geben, sich zuvor anhand einer Präsentation im Rathaus darüber zu informieren, und Einwände und Anregungen anzubringen, die das Kommunalparlament in seine Entscheidung mit einbeziehen will. Für Erläuterungen steht Hauptamtsleiter Steffen van Wambeke am Donnerstag von 17.30 bis 18.30 Uhr zur Verfügung.

Die Gemeindeverwaltung wünscht sich, dass die Anlieger und die Geschäftsleute diese Möglichkeit wahrnehmen. Denn diese beiden Gruppen sind von dieser Thematik besonders betroffen: Die Nachbarn und die Beschäftigten im Einzelhandel sind Langzeitparker. Sie aber sollen künftig größtenteils aus dem direkten Ortskern verbannt werden.

In der Gailinger Ortsmitte rund um den Kronenplatz mit den Einmündungen der Ramsener-, Haupt- und Rheinstraße auf rund hundert Meter tagsüber einen Parkplatz zu suchen, ist nervig. Zentral gibt es nur einige wenige Kurzzeitparkplätze, den kleinen Parkplatz hinter dem Rathaus, und das Parkdeck mit seinen 29 Plätzen. Letzeres ist häufig von Langzeitparkern belegt – von benachbarten Bewohnern und den Mitarbeitern in den Geschäften, denn hier darf bis zu zehn Stunden das Auto abgestellt werden. So war es vor eineinhalb Jahren für die Teilnehmer im Bürger-Workshop zum Mobilitätskonzept ein Anliegen, dass man hier eine Lösung finden müsse.

Zwischenzeitlich wurde ein Parkraumkonzept erarbeitet. Die Untersuchungen der damit beauftragten Beratungsgesellschaft Rapp Trans AG Freiburg haben nun ganz unerwartete Ergebnisse erbracht. "In unserer Ortsmitte gibt es kein Parkraumdefizit, sondern eine falsche Bewirtschaftung", fasst Bürgermeister Heinz Brennenstuhl das Fazit zusammen. Laut Rapp zeige die Analyse der Parkraumnachfrage an einem repräsentativen Werktag, dass die tatsächliche Auslastung der öffentlichen Stellplätze in der Ortsmitte über den Tagesverlauf mit 58 Prozent relativ gering sei. Nur in einzelnen Bereichen sei eine Vollauslastung, beziehungsweise Überlastung, überwiegend ab 18 Uhr, ermittelt worden.

Die Beratungsgesellschaft schlägt vor, die Parkdauer im Parkdeck auf zwei Stunden einzuschränken und dadurch die Anzahl der verfügbaren Kurzzeitstellplätze zu erhöhen. "Die Attraktivität Gailingens für Einzelhandel, Dienstleistung und Gastronomie könne so deutlich gestärkt werden", meint der Leiter des Freiburger Rapp-Büros Wolfgang Wahl. Um die Einhaltung der Parkdauer zu gewährleisten, solle der kommunale Vollzugsdienst verstärkt kontrollieren. Die Parkplätze sollten in die Peripherie verlagert werden. "Die Verlängerung der Fußwege für die Langzeitparker auf drei bis fünf Minuten ist zumutbar", so Wahl.

Damit sei der Bau eines zweiten Parkdecks erst mal außen vor, freut sich Brennenstuhl, dass der Gemeinde diese große Investition voraussichtlich erspart bleibt. Für die Langzeitparker soll es einen Großparkplatz mit 80 öffentlichen kostenlosen Stellplätzen auf dem jetzigen Bolzplatz neben der Hochrheinhalle geben. Der Baubeginn ist auf 2019 terminiert. Zusätzliche Langzeitstellplätze könnten in der Gartenstraße realisiert werden. Generell soll es dabei bleiben, dass die Parkplätze kostenfrei sind. Ob diese Maßnahmen die Parkplatz-Problematik wirklich beenden, soll in einem Jahr überprüft werden.

Workshop

Im Oktober 2016 fand ein Bürger-Workshop zum Thema Mobilitätskonzept Gailingen statt. Diskutiert wurden die Handlungsfelder Parkraum, Umgestaltung westliche Hauptstraße, Fußwegenetz, Radwege, Bürgerbus und Geschwindigkeitsreduzierung. Für wie wesentlich die Einwohner der Hochrheingemeinde eine Lösung in der Parkraum-Problematik in der Ortsmitte erachten, zeigten 59 Bürger-Beiträge zu diesem Thema.