Plitsch, platsch. Schon sind zwei, drei mutige Sportler im Rhein verschwunden. Mit viel Geschrei springen sie wenig später wieder heraus, das Wasser ist doch sehr kalt. Trotzdem zeigte dieser Moment beim Besuch einer Landtags-Delegation eindrücklich, wie beliebt das renaturierte Rheinufer in Gailingen ist – selbst an kühler werdenden Herbsttagen.

Zu verdanken ist der Naherholungsbereich auch der internationalen Zusammenarbeit zwischen Gailingen und Diessenhofen, wie Bürgermeister Thomas Auer und Diessenhofens Stadtpräsident Markus Birk einigen Grünen-Landtagsabgeordneten des Arbeitskreises „Europa und Internationales“ um Dorothea Wehinger erklärten.

„Der Fluss ist keine Grenze, sondern ein verbindendes Element“

Das betonte Birk eingangs vor Mitgliedern des Arbeitskreis „Europa und Internationales“ der Landesregierung mit Grünen-Landtagsabgeordneten. Mit Thomas Auer erklärte er den Weg vom Bürgerworkshop mit zahlreichen Visionen bis zur Uferrenaturierung auf Gailinger Seite, wie sie heute zu sehen ist. Jede Meinung sei willkommen gewesen und man habe anfangs absichtlich nicht werten wollen. „Da kamen Leute, um mitzumachen, die man davor nie gesehen hat“, erinnerte sich Birk. Aus vielen Ideen habe man eine Liste mit Prioritäten gemacht und dann abgewogen, was möglich und politisch vertretbar sei, ergänzte Auer. Eine Tiefgarage unter dem Rebberg sei beispielsweise zu teuer und daher unrealistisch gewesen.

Das renaturierte Rheinufer auf der Gailinger Seite.
Das renaturierte Rheinufer auf der Gailinger Seite. | Bild: Arndt, Isabelle

Tipps für nächstes EU-Projekt? Konkreter soll es sein

Die Renaturierung war Teil von Interreg 4, einem EU-Projekt zur grenzüberschreitenden Kooperation. Joshua Frey fragte vor diesem Hintergrund nach Verbesserungsvorschlägen für das momentan geplante Interreg 6. Thomas Auer war noch nicht Bürgermeister, als das Projekt in Gailingen 2007 begann, doch der Tenor im Rathaus sei gewesen, dass die Projektformulierungen noch konkreter und zielgenauer hätte sein können. Markus Birk ergänzte aus Schweizer Perspektive: Bei ihnen sei von Anfang an ein Kostenteiler definiert, so dass klar sei, wie viel Prozent eines Projekts beispielsweise vom Staat bezuschusst werde. „Diese Planungssicherheit ist sicher ein Vorteil.“

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Sie teilen sich schon Feuerwehr und Straßenmischanlage – und bald vielleicht die Kläranlage

In Zukunft wollen die Gemeinden weiter und intensiver zusammenarbeiten: Eine gemeinsame Kläranlage ist ebenso denkbar wie neue Verkehrswege. Beide Stadtoberhäupter träumen von einer neuen Brücke. Bislang arbeiten beispielsweise die Feuerwehren so zusammen, dass die Gailinger auch in der Schweiz Löschwasser tanken können und andersrum. „Wenn es brennen würde, wäre jeder dankbar um Hilfe des Nachbarn“, sagte Auer. Auch bei der Straßenmischanlage gebe es eine Kooperation: „Es wäre ja blöd, wenn wir das beide kaufen. Deshalb leiht Gailingen sich unsere aus“, erklärte Birk. Das bedeute zwar noch einigen Aufwand, wenn es um die Versicherung und Mitarbeiter gehe, habe sich aber bewährt.

Gailingens Bürgermeister Thomas Auer (dritter von links) und Diessenhofens Stadtpräsident Markus Birk (rechts) empfangen Mitglieder des Arbeitskreises „Europa und Internationales“ der Landesregierung mit den Grünen-Abgeordneten (von links) Alexander Maier aus Göppingen, Andrea Bogner-Unden aus Sigmaringen, Barbara Saebel aus Ettlingen, Joshua Frey aus Lörrach, die parlamentarische Beraterin Barbarita Schreiber und Dorothea Wehinger aus Singen/Stockach.
Gailingens Bürgermeister Thomas Auer (dritter von links) und Diessenhofens Stadtpräsident Markus Birk (rechts) empfangen Mitglieder des Arbeitskreises „Europa und Internationales“ der Landesregierung mit den Grünen-Abgeordneten (von links) Alexander Maier aus Göppingen, Andrea Bogner-Unden aus Sigmaringen, Barbara Saebel aus Ettlingen, Joshua Frey aus Lörrach, die parlamentarische Beraterin Barbarita Schreiber und Dorothea Wehinger aus Singen/Stockach. | Bild: Arndt, Isabelle

Doch Politik endet häufig an der Landesgrenze

Noch gebe es aber einige Stolpersteine: So habe Diessenhofen eine Antenne zum Beispiel ausbauen wollen, dass auch Gailingen von einem besseren Signal profitiere. Das sei jedoch von der Politik in Berlin gestoppt worden. „Wir wollen mit Gailingen zusammen arbeiten wie mit einer anderen Schweizer Gemeinde“, sagte der Diessenhofener Stadtpräsident. Noch brauche es etwas Fantasie, damit das gelinge. „Die Landkreise hören an der Grenze auf zu denken“, schilderte Thomas Auer seinen Eindruck. Man denke nur an seine Bürger, dabei brauche beispielsweise der öffentliche Personennahverkehr einen Schulterschluss mit Nachbarn.

Blick auf die historische Rheinbrücke. Künftig könnte es eine zweite Brücke geben, träumen die beiden Bürgermeister.
Blick auf die historische Rheinbrücke. Künftig könnte es eine zweite Brücke geben, träumen die beiden Bürgermeister. | Bild: Arndt, Isabelle
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Interreg

Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat erklärt Interreg so: Die „europäische territoriale Zusammenarbeit“ ist Teil der Struktur- und Investitionspolitik der Europäischen Union. Seit mehr als 20 Jahren werden damit grenzüberschreitende Kooperationen zwischen Regionen und Städten unterstützt, die das tägliche Leben beeinflussen, zum Beispiel im Verkehr, beim Arbeitsmarkt und im Umweltschutz.

Das Projekt in Gailingen wurde damals so definiert: Durch ein grenzüberschreitendes Entwicklungskonzept zu den Handlungsschwerpunkten „Freizeit- und Erholungsbereich Rheinufer“, „Landschaftsökologie“ und „Sanfter Tourismus“ soll das Zusammenwachsen für die beiden durch den Rhein getrennten Gemeinden Gailingen (D) und Diesenhofen (CH) gefördert und der tatsächliche Lebensraum für die Bürger über die nationalen Grenzen hinweg erweitert werden. Das Projekt lief von September 2007 bis Dezember 2008.