Trotz der Eiseskälte und des Schnees hatten sich viele Gailinger Narren vor dem Rathaus versammelt, um dieses zu stürmen. Streng genommen handelte es sich in diesem Jahr eher um ein Entern, da eine Freibeuterschar die Kommandobrücke von Kapitän Heinz Brennenstuhl stürmte und diesen schließlich dem jubelnden Narrenvolk in Fesseln gelegt präsentierte.

Zuvor hatte Brennenstuhl – standesgemäß mit Kapitänsmütze auf dem Kopf – noch versucht, die Meuterei zu verhindern, indem er der Narrenzunft der Eichelklauber schmeichelte und diesen zu ihren sehr gelungenen Narrentagen gratulierte, die erst wenige Tage zuvor zu Ende gegangen waren. Doch dann verscherzte er es sich mit den Narren nachhaltig, als er in Reimform ordentlich vom Leder zog: "Zweiundreißig Jahre lang war ich der Macker und befehligte die alten und die jungen Knacker." Als dann noch jede Menge Eigenlob von Heinz Brennenstuhl folgte, wurde es dem Chef der Freibeuter, Hauptamtsleiter Steffen van Wambecke, zu viel und er jagte den Kapitän, der besagte 32 Jahre den Gailingern vorsteht, von der Kommandobrücke und ließ ihn in Fesseln legen. Nun blieb dem Schultes nichts anderes übrig, als die Rathausschlüssel an Patrick Gansser, seines Zeichens Zunftmeister der Eichelklauber, zu übergeben.

Wie allseits bekannt, wird in diesem Jahr in Gailingen ein neuer Bürgermeister gesucht und so stellten sich drei Narren zur Wahl, wobei sie sich als Freibeuter bewähren mussten. Gemeinderat Heinz Maier, Helmut Hafner, Leiter der Sparkassenfiliale, und der Zunftmeister der Eichelklauber, Patrick Gansser, probierten sich dann im Apfel zerteilen per Schwert, im Fische angeln und im Messerwerfen, doch mit der Tauglichkeit zum Piratenkapitän in Gailingen konnte keiner wirklich überzeugen. Für die schmissige Musik sorgten abwechselnd die Dschungel Klöpfer unter der Leitung von Raphael Möll und die Narrenformation des Gailinger Musikvereins unter der Leitung des Narrendirigenten Markus Rönsch.